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Zweiter Tag im Kreuzverhör Heard: Depp versuchte, mich umzubringen

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Amber Heard muss sich den Fragen von Depps Anwälten stellen.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Amber Heard bezichtigt Johnny Depp der häuslichen Gewalt und der Vergewaltigung in mehreren Fällen. Im Kreuzverhör stellen die Anwälte ihres Ex-Mannes diese Aussagen nun in den Zweifel.

Im Verleumdungsprozess mit Johnny Depp ist Amber Heard erneut in den Zeugenstand getreten, um sich im Kreuzverhör den Fragen der Anwälte ihres Ex-Mannes zu stellen. In dem Verfahren in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia, in dem sich das Ex-Paar gegenseitig der häuslichen Gewalt beschuldigt, wurde die Schauspielerin hauptsächlich über ihren berüchtigten Streit in Australien im Jahr 2015 befragt. Außerdem wurden die Aussagen, die sie in den vergangenen Verhandlungstagen auf dem Zeugenstand gemacht hatte, infrage gestellt.

So zweifelte das Anwaltsteam des Hollywood-Stars nicht nur an den Behauptungen der 36-Jährigen, nach denen Depp streit- und drogensüchtig sei, sondern auch an den vielen Gewaltausbrüchen und Vergewaltigungen, die Heard durch ihren Ex-Mann erlitten haben will. "Sie hatten überhaupt keine Angst vor ihm, oder?", fragte die Anwältin Camille Vásquez etwa, woraufhin Amber Heard antwortete: "Das ist ein Mann, der versucht hat, mich umzubringen, natürlich ist das beängstigend." Auf die Frage, warum Heard einem Mann, der sie regelmäßig misshandelt haben soll, ein Messer mit der Aufschrift "Bis zum Tod" schenkte, antwortete sie dagegen: "Ich hatte keine Angst, dass er mich damit erstechen würde."

Heard stritt ab, dass die Gewalt in ihrer Ehe mit Johnny Depp von ihr aus gegangen sei, wie von ihm behauptet. Sie habe ihn aber auch geschlagen, da sie sich "so gut es geht verteidigen" musste. Es habe nur "keinen Unterschied" gemacht. Diese und weitere Unterstellungen ihres Ex-Mannes bezeichnete Heard als "orchestrierte Schmutzkampagne" gegen sie.

Depp wollte Streit in Australien "entkommen"

Vor allem stand am Dienstag der berüchtigte Streit in Australien im März 2015 im Mittelpunkt. Depp wirft seiner Ex vor, ihn damals mit Flaschen beworfen und dabei eine seiner Fingerkuppen abgetrennt zu haben. Heard dagegen behauptet, Depp habe sie über drei Tage lang misshandelt und mit einer Wodkaflasche vergewaltigt. Wie schon am Montag wurden den Geschworenen mehrere Videos und Bilder gezeigt, auf denen Heard wenige Tage nach den vermeintlichen Attacken ohne erkennbaren Verletzungen im Gesicht zu sehen ist. Heard wurde auch vorgeworfen, nur Bilder von kaputten Gegenständen und beschmierten Badezimmerspiegeln gemacht zu haben, um Depp zu schaden. Sich selbst habe sie absichtlich nicht fotografiert, weil sie gar nicht verletzt gewesen sei. Das stritt die 36-Jährige ab.

Außerdem sollte Heard erläutern, warum sie mit ihren Verletzungen, die sie durch Depp erlitten haben soll, nie zum Arzt gegangen sei, auch nicht nach der vermeintlichen Vergewaltigung, nach der die Schauspielerin aus ihrer Vagina geblutet haben soll. Heard hatte Anfang Mai ausgesagt, damals Angst gehabt zu haben, dass Depp eine kaputte Flasche in sie eingeführt haben könnte. Im Kreuzverhör legte sie nun nahe, dass sie im Laufe der Zeit schon an Verletzungen gewöhnt gewesen sei, weswegen sie auf einen Arztbesuch verzichtet habe.

Des Weiteren wurde sie mit einer Aufnahme konfrontiert, in der sie mit Depp über den Australien-Streit spricht. Der 58-Jährige berichtet, wie er sich in "mindestens fünf Badezimmern und zwei Schlafzimmern" verstecken musste, um "dem Streit zu entkommen, bevor es schlimmer wird", sie aber jedes Mal an die Türen gehämmert habe. Heard wirft ihrem Mann hörbar aufgebracht vor, dass er einer Lösung entgehe, wenn er sich jedes Mal von einem Streit entferne. Auch in einem Pärchen-Tagebuch, in das das Paar regelmäßig schrieb und aus dem Auszüge gezeigt wurden, ist es Heard, die sich in mehreren Einträgen für ihr vorangegangenes Verhalten entschuldigt und bedauert, dass sich die beiden so oft streiten.

Heard bezichtigt Zeugin der Falschaussage

Auch zu einem Streit auf den Bahamas im Dezember 2015 bezog Amber Heard Stellung. Sie wirft Johnny Depp vor, dort wieder mit dem Trinken begonnen zu haben. Einige Male sei er mit einem Glas in der Hand eingenickt und habe sie mit Wein begossen. Als sie ihn vor seinen beiden Kindern, Lily-Rose und Jack, gemaßregelt habe, sei Depp wütend geworden. Auf ihrem Zimmer soll er sie sexuell missbraucht haben, bis sie auf den Parkplatz geflohen sei. Der 58-Jährige sei ihr hinterhergerannt und habe sie in Anwesenheit einiger Angestellter geschlagen.

Angesprochen auf die Zeugenaussage der Haus-Managerin Tara Roberts, die gesehen haben möchte, wie Depp dem Streit entkommen wollte und Heard ihn angeflehte, zu bleiben, entgegnete Heard: "Sie hat es falsch dargestellt, um es so aussehen zu lassen." In einer weiteren Aufnahme, die dem Gericht vorgespielt wurde, entschuldigt sich Heard bei Depp, ihn wegen der Weinflecken angeschrien und den damals 14-jährigen Jack mit ihrem Ausraster "erschrocken" zu haben. Auf die Frage, warum sie in dem Gespräch mit Depp nicht die vermeintlichen sexuellen Übergriffe erwähnt habe, sagte Heard: "Darum ging es in diesem Gespräch nicht", dies hätte nur "einen weiteren Streit ausgelöst".

Auch zu ihrem und Depps Drogenkonsum sollte Heard Stellung beziehen. Die Schauspielerin hat bereits mehrfach ausgesagt, dass sich ihr Ex-Mann nach dem Konsum in ein "Monster" verwandelt und sie Angst vor ihm gehabt habe. Den Geschworenen wurde eine E-Mail mit der Hochzeitsplanung gezeigt. Auf das Probeessen sollten demnach "Tanzparty, Drogen und Musik" folgen. Auf die Frage, warum sie "auf einer Hochzeit mit ihrem drogenabhängigen Ehemann, dem Monster, Drogen nehmen" wollte, antwortete Heard, bei dem Plan habe es sich nur um einen Entwurf gehandelt. Sie wies die Behauptungen von Depps Verteidigung zurück, dass sie die Abstinenz ihres Ex-Mannes nicht unterstützt habe, indem sie manchmal in seiner Gesellschaft getrunken und Drogen genommen habe.

"Du bringst mich um!"

In mehreren Aufnahmen, die den Geschworenen vorgespielt wurden, wirft Heard Depp vor, im Streit vor ihr zu fliehen. Als dieser sie in einem Clip fragt, ob sie sich für ein paar Stunden etwas "Platz" schaffen könnten, ruft Heard: "Ich werde sterben. (...) Du bringst mich damit um, du bringst mich um!" Vor Gericht rechtfertigte sie ihren Gefühlsausbruch damit, gewusst zu haben, dass Depp nur in sein Haus gehen wollte, um Drogen zu nehmen. Sie habe gewusst, was darauf folgen würde - Gewalt - und lediglich versucht, diesen "Kreislauf zu durchbrechen". In einem früheren Teil der Aufnahme ist kurz darauf zu hören, wie Depp sagt, seine Tochter Lily-Rose warte drinnen bereits auf ihn. Auch in mehreren SMS-Verläufen bombardiert Heard ihren Ex-Mann mit Nachrichten und bittet ihn, nach Hause zu kommen.

Zu ihrem Kommentar in der "Washington Post" von 2018, der im Mittelpunkt dieser Verleumdungsklage steht, wurde Amber Heard ebenfalls im Kreuzverhör befragt. Heard hatte sich in dem Artikel als Opfer häuslicher Gewalt bezeichnet, ohne ausdrücklich Johnny Depps Namen zu nennen. Er verklagt sie jedoch auf 50 Millionen US-Dollar und behauptet, der Beitrag habe seine Karriere ruiniert, seinen Ruf beschädigt und dadurch viel Geld gekostet. Im Zeugenstand wiederholte Heard nun ihre Aussage von gestern, dass es sich in dem Artikel nicht um Johnny Depp handele. Vielmehr gehe es um die Zeit, nachdem sie die einstweilige Verfügung gegen ihn eingereicht habe, und um die Auswirkungen darauf. "Das war der interessantere Teil für mich, darüber zu schreiben", sagte sie. Es gehe jedoch nicht um Johnny Depp.

Am Montag war Heard auf dem Zeugenstand einer Lüge bezüglich ihrer Scheidungsvereinbarung überführt worden. Die 36-Jährige gab zu, sich nicht daran gehalten zu haben, sieben Millionen US-Dollar an die Menschenrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) und das Kinderkrankenhaus in Los Angeles zu spenden. Dies hatte sie zuvor mehrfach behauptet, auch unter Eid während Depps Verleumdungsklage gegen "The Sun" in London.

Quelle: ntv.de, lpe

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