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Artikel über Misshandlung Heard wollte Depp laut Zeugen bewusst schaden

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Verklagen sich gegenseitig wegen Verleumdung: Amber Heard und Johnny Depp.

(Foto: picture alliance / abaca)

In einem Artikel legt Amber Heard nahe, von Johnny Depp misshandelt worden zu sein. Dieser will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und reicht eine Verleumdungsklage gegen seine Ex ein. Im Prozess impliziert ein Zeuge nun, dass Heard Depp bewusst schaden wollte.

In dem laufenden Verleumdungsprozess, den "Fluch der Karibik"-Star Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard gegeneinander führen, ist diesen Donnerstag zunächst der leitende Geschäftsführer der US-Nichtregierungsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU), Terence Dougherty, in den Zeugenstand getreten. Er sagte jedoch nicht im Gericht des Bezirks Fairfax im US-Bundesstaat Virginia aus, den Geschworenen wurden stattdessen aufgezeichnete Befragungen aus dem Jahr 2021 gezeigt.

Dougherty wurde von Depps Anwaltsteam als Zeuge geladen, um Heards Zahlungen an die Organisation aufzuschlüsseln. In ihrer Scheidungsvereinbarung vom Jahr 2016 hatte die 36-Jährige versprochen, die Hälfte der von ihrem Ex-Mann erhaltenen sieben Millionen Dollar an die ACLU zu spenden. Depp wirft ihr vor, sich nicht an die Absprache gehalten und sich mit dem Großteil des Geldes selbst bereichert zu haben. Doughertys Aussagen vor Gericht scheinen dem Schauspieler recht zu geben. Er sagte aus, dass seit 2017 erst 1,3 statt 3,5 Millionen Dollar bei der NGO eingegangen seien. Demnach seien 350.000 Dollar direkt von Heard und weitere 100.000 Dollar von Depp gezahlt worden.

Die restlichen 850.000 Dollar seien über einen Stiftungsfonds eingegangen, der offenbar von Tesla-Gründer Elon Musk geführt wird. Mit diesem war Heard ab 2017 kurzzeitig liiert. Basierend auf einer E-Mail von Musk sei angenommen worden, dass die von Heard versprochenen 3,5 Millionen Dollar im Laufe von zehn Jahren gezahlt würden, so Dougherty weiter. Die Schauspielerin habe das Verpflichtungsformular und den Zeitplan für die Spende zwar nie unterzeichnet, im Prozess vorgelegte Dokumente zeigten jedoch, dass Heard sich ihrer zehnjährigen Verpflichtung bewusst war. Anders als ausgemacht, habe Heard laut Dougherty allerdings nicht jährlich gezahlt. Ab 2019 seien keine Zahlungen in ihrem Namen eingegangen. Auf die Frage, ob die ACLU Anstrengungen unternommen habe, um Heard zur Zahlung zu bewegen, sagte er, sie hätten sie 2019 wegen der nächsten Rate kontaktiert und erfahren, dass sie finanzielle Schwierigkeiten habe.

Wirkten Heards Anwälte aktiv an ihrem Artikel mit?

Des Weiteren lieferte Dougherty Einblicke in die Entstehung des Artikels von Heard in der "Washington Post" im Jahr 2018, der im Zentrum der Verleumdungsklage steht. Ohne seinen Namen zu nennen, legte Heard in dem Kommentar nahe, von Depp misshandelt worden zu sein. Der 58-Jährige beklagt eine "implizite Verleumdung". Der Artikel habe seinem Ruf enorm geschadet und sei der Grund dafür, dass er wenige Tage nach der Veröffentlichung seine lukrative Rolle im "Fluch der Karibik"-Franchise verloren habe. Heard bestreitet dies. Ihre Anwälte sagten in ihrer Eröffnungsrede, es gebe keine Beweise dafür, dass der Artikel Depps Karriere geschadet habe, es fehle daher jegliche Grundlage für seine Verleumdungsklage.

Dougherty sagte jedoch aus, dass die Idee für den Artikel 2016 entstanden und dieser hauptsächlich von der Kommunikationsabteilung und vier Anwälten der ACLU verfasst worden sei. Er betonte zudem die Beteiligung von Heards Anwälten an dem Kommentar. Diese hätten sich den Entwurf angesehen, da er die Geheimhaltungsvereinbarung zwischen dem Ex-Paar einhalten musste. Hinweise auf ihre Ehe und Scheidung seien entfernt worden. Am Ende habe man sich für eine Version entschieden, die "sich sehr von dem ursprünglichen Kommentar unterschied", sagte Dougherty. "Soweit ich weiß, hat Frau Heard ihre Anwälte einbezogen und auf Anraten ihrer Anwälte Änderungen am Kommentar vorgenommen." Ihm sei "keine Situation bekannt, in der sie sich nicht auf ihre Anwälte verlassen hat".

In einer Mail von Dezember 2018, aus der vor Gericht zitiert wurde, soll Heard gegenüber der ACLU den Wunsch geäußert haben, auf "kunstvolle" Weise wieder einzufügen, dass sie vor zwei Jahren eine einstweilige Verfügung gegen ihren "damaligen Ehemann" erwirkt habe. Außerdem sei der Kommentar absichtlich zeitgleich mit der Veröffentlichung von "Aquaman" erschienen, um von der Bekanntheit des Films zu profitieren, in dem Heard eine der Hauptrollen spielte.

Am Mittwoch hatte Talentagent Christian Carino, der sowohl mit Heard als auch mit Depp arbeitete und mit beiden befreundet war, ebenfalls die Behauptung von Johnny Depp bestätigt, dass dieser wegen der von Heard erhobenen Vorwürfe häuslicher Gewalt aus dem "Fluch der Karibik"-Franchise gestrichen wurde. "Meiner Meinung nach hat es mit den Anschuldigungen zu tun, die Amber erhoben hat", sagte Carino in seiner Video-Aussage. Dies hätten die Verantwortlichen von Disney zwar nie explizit ausgesprochen, es sei aber "gemeint gewesen".

Prozess geht am Abend weiter

Der Verleumdungsprozess wird am heutigen Donnerstag nach einer Pause fortgesetzt. Wie lange er sich hinziehen wird, ist nicht klar. Medienberichten zufolge könnte es noch rund einen Monat dauern, ehe ein Urteil fällt. Allein auf der Liste der möglichen Zeugen sollen knapp 120 Personen stehen. Wie bekannt wurde, werden Elon Musk und James Franco offenbar nicht vor Gericht aussagen. Das sollen namentlich nicht genannte Quellen gegenüber US-Medien verraten haben. Mit Musk war Heard ab 2017 liiert. Depp wirft seiner Ex zudem vor, sie während ihrer Ehe mit Franco betrogen zu haben.

Johnny Depp und Amber Heard hatten sich 2009 am Set von "The Rum Diary" (2011) kennengelernt. Anfang Februar 2015 feierten sie Hochzeit, Ende Mai 2016 reichte sie die Scheidung ein, die Anfang 2017 vollzogen wurde. Nach der verlorenen Verleumdungsklage gegen die britische Zeitung "The Sun", die Depp als "Frauenschläger" bezeichnet hatte, startete vor rund zwei Wochen der US-Prozess. Depp verklagt darin seine Ex-Frau auf 50 Millionen Dollar wegen eines Beitrags, den sie in der "Washington Post" veröffentlichte und in dem von häuslicher Gewalt die Rede war. Sie wiederum erhob Gegenklage in Höhe von 100 Millionen Dollar und behauptet, er habe sie verleumdet, indem er sie eine Lügnerin nannte.

Quelle: ntv.de, lpe

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