Unterhaltung

"Halt die Klappe, Fettarsch" Johnny Depp bezieht Stellung zu Tonaufnahmen

Im Verleumdungsprozess von Johnny Depp und Amber Heard bekommen die Geschworenen zahlreiche Tonaufnahmen zu hören. Mit ihnen möchte Depp beweisen, Streit aus dem Weg gegangen zu sein. Einige seiner Aussagen klingen jedoch verstörend.

Hollywood-Star Johnny Depp war am Montag in seinem Verleumdungsprozess gegen Ex-Frau, US-Schauspielerin Amber Heard, vor Gericht erneut im Zeugenstand. Diesmal hörten die Prozessteilnehmer in Fairfax, Virginia, unter anderem eine Reihe von Tonaufnahmen, auf denen Depp und Heard während des Kreuzverhörs von Heards Anwalt Benjamin Rottenborn stritten. Wer die einzelnen Aufnahmen gemacht hat, ist unklar, aber es war eine der beiden Parteien. Beide wussten außerdem, dass sie aufgezeichnet wurden.

Unter anderem sagt Depp zu Heard in einem der Audioclips: "Weggehen ist notwendig, vor allem bei dir und mir. Es ist von größter Bedeutung. Der nächste Schritt, wenn ich nicht weggehe, dann gibt es ein Blutbad. Wie es auf der Insel (auf den Bahamas, wo Depp seinen Opioid-Entzug gemacht hatte, Anm. der Red.), das ist es nicht wert. Warum sollten wir unglücklich sein, können wir nicht einfach etwas Verständnis aufbringen?" Heard antwortet in der Aufnahme: Wenn sie die Wahl zwischen einem Blutbad und dem Weggehen habe, würde sie sich "natürlich" für Letzteres entscheiden. Darauf Depp: "Warum hast du es (ein Blutbad) dann so oft gewählt?"

In einer anderen Aufnahme sagt Heard zu Depp: "Mach deine verdammte Zigarette an jemand anderem aus." Seine Antwort: "Halt die Klappe, Fettarsch". Als Heards Anwalt Depp darauf hinwies, dass er die Anschuldigung in dem Gespräch nicht leugnet, sagte Depp: "Ich denke, das war ein weiterer, stark übertriebener Moment von Miss Heard. Ich habe keine Zigarette an ihr ausgedrückt." Depps Anwältin ließ kurz darauf eine weitere Aufnahme spielen, in der Depp gegenüber seiner Ex zugibt, eine Zigarette nach ihr geworfen zu haben.

"Verärgert, wütend und streitsüchtig"

Nach dem Kreuzverhör blieb Depp im Zeugenstand, um sich von seinen eigenen Anwälten befragen zu lassen. Dort wurde dem Gericht eine weitere Audioaufnahme vorgespielt, in der Heard Depp anflehte, nicht mehr von Auseinandersetzungen wegzugehen. "Es gab viele Fälle, in denen Frau Heard in Australien verärgert, wütend und streitsüchtig wurde." Er habe stets versucht, "wegzukommen, damit nichts eskaliert, denn wenn Frau Heard die Möglichkeit hätte, die Dinge eskalieren zu lassen, trieb sie es auf die Spitze."

Wenig später wurde Depp zu einer Tonaufnahme befragt, die letzte Woche vor Gericht abgespielt worden war. Heard bittet darin Depp im Juli 2016, zwei Monate nachdem sie die Scheidung eingereicht hat, "das Messer niederzulegen". "Ich habe nicht gedroht, mich zu verletzen", sagte Depp zu der verstörenden Aufnahme. "Ich wusste nicht, was sie wollte, also hatte ich ein Messer in der Tasche und zog das Messer heraus. Ich sagte: 'Hier, schlitz mich auf. Das willst du tun. Du hast alles genommen. Du willst mein Blut? Nimm es. Nimm mein Blut'", erklärte er. "Wenn sie es nicht getan hätte, hätte ich es getan, denn das ist psychologisch und emotional, wo ich war. Ich war gebrochen."

Außerdem nahm der 58-Jährige Bezug auf einen SMS-Verlauf von 2013 mit Marvel-Star Paul Bettany, in dem sie darüber gesprochen hatten, Heard zu "ertränken, bevor wir sie verbrennen". Er sei zwar beschämt über die Sprache, die er verwendet habe, sagte Depp vor Gericht, die beiden Freunde verbinde jedoch ihr "trockener" Sinn für Humor, "nichts davon sollte real sein". Die besagten Nachrichten seien Zitate aus Monty Pythons "Der Ritter der Kokosnuss".

"Ich werde sterben"

In einer weiteren Audiodatei versucht sich Depp offenbar wieder von einem Streit mit Heard zu entfernen, während sie ihn anfleht zu bleiben. Nachdem er ihr sagt, nicht mehr mit ihr zusammen sein zu wollen, fordert sie ihn auf, "den Ring wirklich abzunehmen" - bevor man hört, wie er ihn auf den Böden wirft. "Willst du mir noch mal aufs Ohr hauen? Möchtest du das?", fragt Depp seine Ex. Auf Nachfrage seiner Anwältin sagte er aus, dass Heard ihm kurz zuvor "einen ordentlichen Schlag aufs Ohr verpasst" hatte - "einer von denen, die alles klingeln lassen".

In einem anderen Clip fragt Depp Heard, ob sie sich für ein paar Stunden etwas "Platz" schaffen könnten, weil er "diesen Streit wirklich satt" habe. Eine emotionale Heard bittet ihn mehrfach zu bleiben und sagt: "Es verursacht mir so viel Stress, wenn du von mir weggehst. Du machst es für mich noch schlimmer." Als er sie erneut bittet, ihn gehen zu lassen, ruft Heard weinend: "Ich werde sterben. (...) Ich fühle mich jeden Tag, als hätte ich einen Herzinfarkt. Bitte hör auf, so verdammt gemein zu sein. Du bringst mich damit um, du bringst mich um!"

Mit den Aufnahmen möchte Depp vor Gericht beweisen, dass nicht Heard das Opfer häuslicher Gewalt in der Beziehung war, sondern er. Außerdem wirft er seiner Ex-Frau vor, 2015 in Australien eine Wodkaflasche nach ihm geworfen zu haben. Dabei soll die Fingerkuppe seines Mittelfingers abgetrennt worden sein, als die Flasche zersprang. Auch der Hausverwalter von Johnny Depp und Amber Heard, Ben King, sagte am Montag über besagten Vorfall aus. Seine Aussagen überschneiden sich mit denen des "Fluch der Karibik"-Stars.

Hausverwalter bezeugt Auseinandersetzungen

Er habe bei der Ankunft im Haus des Schauspielerpaares "hysterisches Schluchzen" von Heard hören können, während Depps Leibarzt David Kipper in der Küche "einen Mülleimer durchwühlt" habe, um nach Depps Fingerkuppe zu suchen, sagte King. Er sei in den Raum gegangen, in dem Heard und Depp sich zuvor gestritten hatten und habe die abgetrennte Fingerkuppe "direkt unter der Bar" zwischen viel Blut gefunden. Zudem habe er eine zerbrochene Wodkaflasche und Unmengen an Blutspritzern vorgefunden. Er habe allerdings keine Verletzungen an Heard erkennen können.

King enthüllte auch ein Gespräch, das er am folgenden Tag mit Heard während eines Flugs nach Los Angeles geführt habe. Depp hatte seine Frau gebeten, ihn in Australien allein zu lassen. Die Schauspielerin habe im Flugzeug gefragt, ob er "jemals so wütend auf jemanden gewesen" sei, "dass du die Fassung verloren hast", so King. Als er dies verneint habe, sei sie "ungläubig" gewesen und habe das Gespräch abgebrochen. Gegen Ende des Fluges habe King "lange" und "sehr einheitliche" Markierungen auf Heards Unterarm bemerkt.

In den Wochen darauf, als Heard nach Australien zurückgekehrt sei, wo Depp den fünften Teil von "Fluch der Karibik" drehte, habe er viele weitere Auseinandersetzungen zwischen den beiden miterlebt, sagte King weiter. Diese seien immer nach dem gleichen Muster abgelaufen: Heard habe Depp so lange provoziert, bis dieser aus dem Raum geflohen sei. Die Schauspielerin habe "wütend" mit Depp gesprochen und sie habe sich wie ein "verwöhnter Teenager" verhalten.

Johnny Depp und Amber Heard hatten sich 2011 am Set von "The Rum Diary" kennengelernt. Anfang Februar 2015 feierten sie Hochzeit, Ende Mai 2016 reichte sie die Scheidung ein, die Anfang 2017 vollzogen wurde. Nach der verlorenen Verleumdungsklage gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien 2021 startete vor rund zwei Wochen der US-Prozess. Depp verklagt darin seine Ex-Frau auf 50 Millionen Dollar wegen eines Beitrags, den sie in der "Washington Post" veröffentlichte und in dem von häuslicher Gewalt die Rede war. Sie wiederum erhebt Gegenklage in Höhe von 100 Millionen Dollar.

Quelle: ntv.de, lpe/spot

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen