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"Unzipped": Songs, Stil, Storys Rolling Stones - 60 Jahre Bandgeschichte

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Die Rolling Stones im Jahr 1978 - da gab es sie schon 16 Jahre.

(Foto: ©Michael Putland, Getty)

Im Juli 1962 hatten die Rolling Stones ihren ersten Auftritt. Seitdem hat die Band die Musikwelt geprägt wie kaum eine andere - und sie rockt immer noch die Bühnen der Welt. "Unzipped" zeigt nun mit sehr persönlichen Kommentaren und vielen Bildern, wie die Stones zu dem wurden, was sie sind.

Im Oktober 1961 trafen sich die Teenager Mick Jagger und Keith Richards auf einem Bahnsteig im englischen Kent. Sie kamen ins Gespräch, weil Mick interessante Schallplatten unterm Arm hatte. Der Rest ist Geschichte. Die Geschichte einer der größten, erfolgreichsten Rockbands überhaupt. Und einer der langlebigsten: Im Juli 1962 hatten die Rolling Stones (damals noch als The Rollin' Stones) ihren ersten Auftritt. Zu ihrem 60. Bandgeburtstag haben sie ein neues, großformatiges Buch herausgebracht, das eigentlich sowas wie der Katalog zu einer Ausstellung ist, die schon seit einiger Zeit durch die Welt tourt. Bis Ende Februar 2022 macht sie Station im kanadischen Kitchener, die anderen Orte und Daten ändern sich coronabedingt immer mal wieder.

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Der Bild- und Textband, erschienen im Verlag Edel Books, funktioniert aber ganz unabhängig von der Ausstellung. Alle Bandmitglieder kommen darin zu Wort - natürlich auch der Schlagzeuger Charlie Watts, der Ende August starb, nur wenige Wochen vor Veröffentlichung des Buchs. Der "Vernünftigste" von allen, seit Mitte der Sechziger mit derselben Frau verheiratet, seine Alkohol- und Drogenprobleme hatte er in den Achtzigern in den Griff bekommen - ihn erwischte es zuerst.

"Wir leben von geliehener Zeit"

Stones-Gitarrist Keith Richards hingegen hat keinen Absturz ausgelassen und ist mehrmals dem Tod von der Schippe gesprungen - er wird im Buch zitiert mit dem Statement: "Ich habe noch nicht mal erwartet, selbst 50 zu werden, schon gar nicht mit den Stones. Es ist unfassbar, wirklich. So gesehen leben wir von geliehener Zeit."

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"Mick trug dieses Ensemble auf der Nordamerika-Tour 1981. Es war der Beginn einer Phase der 'Sportlerkleidung', die sich während der Europatour 1982 fortsetzte."

(Foto: © Unbekannter Designer, Rolling-Stones-Archiv)

Und er und die Band haben diese geliehene Zeit auf großartige Weise genutzt - "Unzipped" gibt einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Stones, ihre musikalischen Wurzeln, ihre Art, Songs zu schreiben, ihre Einflüsse. Ihre Instrumente werden vorgestellt und ihre Bühnenkleidung - das Kapitel "Stil" ist eins der längsten im Buch und zeigt in vielen großformatigen Fotos, wie sich eben jener Stil der Stones entwickelte. Von den Einheits-Anzügen der Anfangsjahre in den Sechzigern über den bunt-geschmückten Uniformstil, die Glam-Zeit und die "Sportlerkleidung"-Phase bis heute, wo immer häufiger berühmte Modedesigner ihre Bühnenkleidung entwerfen. Vor allem Mick Jagger legt großen Wert auf auffällige Outfits, um fürs Publikum sichtbar zu sein, denn "in einer Arena mit 15.000 Plätzen muss man deutlich ins Auge stechen. Man muss eine Silhouette und Farben haben".

Vorbilder in Stil und Mode

Nicht selten wirkte die Band stilbildend - was sie beim Konzert trugen, wollten danach alle haben, seien es eine bestimmte Jacke im Uniformstil oder Schuhe: "Als Mick auf der Bühne Capezio-Oxford-Jazzschuhe anhatte, trug sie plötzlich jeder - vom Schulkind bis zur Hausfrau", erinnert sich Modedesigner Tommy Hilfiger. Charlie Watts pflegte im Gegensatz zum Bühnenpfau Jagger immer eher einen eleganten Anzug-Stil und Keith Richards mag es gern lässig-schludrig, oft mit Stirnband, dicken Ringen und weiten Hemden, bis zum Bauchnabel offen.

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Keith Richards' Tagebuch 1963.

(Foto: ©Keith-Richards-Archiv)

Was den Augen der Konzertbesucher, anders als bei den Instrumenten und den Bühnenoutfits, aber verborgen bleibt, bietet "Unzipped" als besonderes Schmankerl: die Textbücher zur Entstehung einzelner Stones-Songs samt Kommentar von Keith oder Mick, den Songschreibern. Oder die von den Bandmitgliedern 1963 ausgefüllten Fragebögen für einen Stones-Fanclub - hier ist nicht selten die Antwort auf die Frage nach der Lieblingsband: Beatles. So viel zur angeblichen Feindschaft zwischen beiden Bands, die nie wirklich bestand. Auch einige Seiten des Tagebuchs von Keith Richards aus dem Jahr 1963 sind zu sehen, noch vor dem großen Erfolg. Von guten und weniger guten Gigs ist da zu lesen, von Konzerten mit wenig oder desinteressiertem Publikum und von welchen, in denen es dann doch klick gemacht hat, von neuen Gitarren und der Aussicht auf Plattenaufnahmen.

Das berühmte Zungen-Logo

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"Sticky Fingers": Provokantes Cover nach einem Konzept von Andy Warhol.

(Foto: © Konzept Andy Warhol, Design Craig Braun, Foto Billy Name)

Nach dem Kapitel über den Dokumentarfilm "Shine a light" von Starregisseur Martin Scorsese aus dem Jahr 2008 folgt jenes über "Kunst und Design", also über das gesamte Artwork, die Plattencover - und die Entstehung des berühmten Logos der Stones. Grafikdesigner John Pasche hatte es 1970 entworfen - die Zunge, die Lippen, die seitdem die Band grafisch begleiten, sei es auf Plakaten, auf Covern, auf der Bühne oder auch auf dem Titelbild von "Unzipped". Zum Vorbild für das Logo sagt Pasche: "Viele Leute fragen mich, ob es auf Micks Lippen beruht, und ich muss sagen: ursprünglich nicht, aber unbewusst vielleicht doch." Eigentlich war ein Bild der Hindugöttin Kali mit rausgestreckter Zunge, auf das ihn Jagger aufmerksam gemacht hatte, Inspiration dafür.

Nicht minder berühmt ist das Cover zum Album "Sticky Fingers" von 1971, eben jenes mit dem Reißverschluss (der kombiniert mit dem Zungen-Logo bei "Unzipped" Buch und Ausstellungsplakat ziert), entworfen von Legende Andy Warhol: "Ich kannte Andy sehr gut. Ich sagte ihm den Titel des Albums und er lieferte dieses wirklich innovative Design. ... Der Reißverschluss ist echt", erzählt Mick Jagger. Ein sehr provokantes Motiv, bei dem sich unter der engen Jeans der Penis des Fotomodells, Schauspieler Joe Dallesandro, deutlich abzeichnet - nach Öffnen des Reißverschlusses ist aber weiße Unterwäsche zu sehen. In späteren Pressungen war der Reißverschluss dann nur noch ein Foto, die ersten mit den echten Metallzippern sind heute bei Sammlern besonders begehrt und teuer.

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Die Stones sind längst Legende. Denken sie nun, nach so langer Zeit, eigentlich ans Aufhören? Aber nicht doch: "Für mich ist es zu früh, über das Erbe der Stones zu reden. Wir sind noch nicht fertig. Eine Sache müssen wir noch erreichen, nämlich herauszufinden, wie lang man das Ganze tun kann. Es macht immer noch solchen Spaß, mit dieser Band zu spielen, dass ich es nicht wirklich lassen kann. Also müssen wir es rausfinden", meint Keith Richards dazu. Keep on rolling.

Anmerkung: Die erste Ausgabe ist bereits vergriffen, laut Verlag Edel Books ist eine Neuauflage für das Frühjahr 2022 geplant.

Quelle: ntv.de

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