Ratgeber

TV, Handy und Internet Kombi-Tarife rechnen sich nicht

Über zwei Millionen Kunden hat die Deutsche Telekom für ihr "Magenta Mobil Eins" gewonnen, ein Kombipaket aus Internet, Mobilfunk und TV. Doch die Bequemlichkeit hat ihren Preis, nicht nur bei der Telekom.

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Mobilfunkverträge schließt man besser separat ab.

(Foto: imago/Westend61)

Internet, Mobilfunk und vielleicht noch Fernsehen aus einer Hand – das klingt praktisch. Man muss sich nur für ein Kundenkonto das Passwort merken und es wird nur ein Betrag vom Konto abgebucht. Und dann sollen die Leistungen im Bündel auch noch günstiger sein als wenn man sie einzeln abschließt. Da wundert es wenig, dass die Deutsche Telekom allein in den letzten 15 Monaten rund zwei Millionen Kunden für ihren "Magenta Mobil Eins"-Tarif gewinnen konnte, ein Angebot, das Mobilfunk- und Datenflat mit einem Highspeed-Internetanschluss kombiniert. Vodafone verspricht derweil bei seinen "Red One"-Angeboten "Alles auf einmal". Und O2 kombiniert DSL und Mobilfunk-Flatrate zu "Blue One" und wirbt mit bis zu zehn Euro Ersparnis pro Monat. Aber sind Kombitarife tatsächlich ein gutes Geschäft?  

Dazu muss man sich zunächst ansehen wie die Anbieter die Tarife kalkulieren, nämlich aus einzelnen Komponenten. Basis ist der heimische Internetanschluss, entweder per Kabel oder DSL. Optional kommt eine Festnetz-Flatrate in alle deutschen Netze dazu. Der zweite Teil ist der Mobilfunkvertrag, in der Regel handelt es sich hier um eine All-Net-Flatrate plus mehr oder weniger üppigem Datenvolumen. Dritter Bestandteil kann ein TV-Paket sein, das sich entweder auf die klassische Senderauswahl beschränkt oder auch Sky oder Onlinevideotheken wie Netflix umfasst. Diese einzelnen Bestandteile werden zusammengerechnet und auf die Gesamtsumme gibt es dann Rabatt, meistens zwischen fünf und zehn Euro.

Bei der Telekom kostet dieses All-inclusive Paket ab 85 Euro. Vodafone nimmt im ersten Jahr nur 65 Euro, aber daran sollte man sich nicht gewöhnen: Der Vertrag läuft 24 Monate und ab dem 13. Monat zahlt man ebenfalls 85 Euro. Beim Kabelnetzbetreiber Tele Columbus liegt der Schwerpunkt  auf Internet und Festnetz, plus Mobilfunk-Flat werden im ersten Jahr mindestens 45 Euro fällig, danach können es – je nach dem gewählten Tarif – auch mehr werden.

Bequem, aber nicht übersichtlich

Damit ist die erste Schwachstelle der Kombi-Angebote auch schon benannt: Sie sind meist ziemlich unübersichtlich. Geworben wird mit "Ab"-Preisen, oft kommt das dicke Ende am Schluss. Und Schluss ist spätestens ab dem 13. Monat, viele Rabatte laufen nämlich nur das erste Jahr über, danach wird es teurer.

Das zweite Problem sind die Laufzeiten. 24 Monate sind Standard, das ist bei Einzelverträgen auch so. Nur dass man beim Kombitarif eben gleich ein ganzes Bündel von Verträgen eingeht, entweder zeitgleich oder versetzt, weil beispielsweise der vorhandene Handy-Vertrag später ausläuft als der DSL-Tarif. Das macht die Sache natürlich auch nicht übersichtlicher. Wenn man dann später doch lieber zu einem anderen Mobilfunkanbieter wechseln möchte, entfällt der Kombi-Rabatt, obwohl die anderen Vertragsbestandteile weiterlaufen.     

Wären die Pakete deutlich günstiger, könnte sich die Sache trotzdem lohnen. Nur ist das offenbar eher selten der Fall. Das Verbraucherportal "Finanztip" hat die Kombitarife aus Einzelbausteinen verschiedener Anbieter  für verschiedene Anforderungsprofile nachgebaut. Insgesamt elf Eigenbau-Bündel gingen dann gegen 24 Kombitarife verschiedener Telekom- und TV-Anbieter ins Rennen. Eine Besonderheit: Statt 24 Monaten wählte "Finanztip" einen Vergleichszeitraum von fünf Jahren. Der Grund: Haushalte sind ziemlich träge, wenn es darum geht, TV- und Festnetztarife zu wechseln. Angesichts des Risikos, dass man womöglich wochenlang ohne Anschluss dasteht, ist das auch nicht weiter erstaunlich.

Eigenbau schlägt Paketlösung

Das Ergebnis fiel ziemlich eindeutig aus: Mit den Eigenbauvarianten kamen die Beispielkunden in fast allen Fällen günstiger weg. Beim Komplettpaket aus Mobilfunk, Internet und Fernsehen kam das brauchbarste Angebot von Vodafone. Serienjunkies, die Netflix und Amazon Prime Video im Abo haben, sind mit den Red-Tarifen auf Dauer sogar einen Hauch besser dran. Auch die 3er Kombi von Tele Columbus wäre für sie eine Option. Die anderen Nutzerprofile fahren aber deutlich besser, wenn sie sich das, was sie brauchen, selbst zusammenstellen.

Bei der Kombination aus Internet und Mobilfunk waren die Nachbauten in jedem Fall günstiger. Auch hier waren die Red-Tarife noch die beste Alternative. Die Vergleichstarife der Telekom waren hingegen mindestens 20 Prozent teurer. Auf die Dauer von fünf Jahren macht das viele hundert Euro aus.   

Nur ein einem Fall ist das Bündel laut "Finanztip" tatsächlich empfehlenswert. Und zwar dann, wenn es lediglich um die Kombination aus Internet und Fernsehen geht. Die Tarife von Unitymedia, Vodafone und Tele Columbus seien kaum teurer als die Selbstgebauten, böten aber mehr Sender in HD.

Fazit: Kombitarife sind womöglich eine Lösung für Bequeme. Auf lange Sicht werden sie aber oft ziemlich teuer, insbesondere wenn man sich auch auf einen Mobilfunkvertrag festlegt. All-Inclusive-Lösungen sollte man also nur wählen, wenn man die Bestandteile beim jeweiligen Anbieter auch einzeln abschließen würde. Ansonsten schnürt man sich besser sein eigenes Paket.

Quelle: n-tv.de

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