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In manchen Lippenpflegestiften sind Paraffine enthalten.
In manchen Lippenpflegestiften sind Paraffine enthalten.(Foto: imago/Westend61)
Freitag, 29. Dezember 2017

Erdöl in Labello & Co.: Lippenpflegestifte im Test

Weich und geschmeidig sollen sie sein, die Lippen. Um dies zu erreichen, werden Pflegeprodukte auf den Mund geschmiert. Was aber in einigen Fällen unterlassen werden sollte. Denn Heavy User verzehren unbeabsichtigt vier Stifte im Jahr, wie Öko-Test berichtet.

Raue, trockene und rissige Lippen sind unangenehm. Nicht nur beim Küssen. Um dem entgegenzuwirken, schmieren sich viele Menschen ihre Lippen mit Pflegestiften ein. Diese enthalten unter anderem Öle und Wachse, um das Einsatzgebiet geschmeidig zu halten. Doch viele Produkte enthalten auch Paraffine - ein Abfallprodukt aus der Erdölindustrie. Da wundert es kaum, dass diese Kosmetika mitunter auch problematische Mineralölbestandteile aufweisen, wie Öko-Test berichtet. Das Verbrauchermagazin hat in seiner aktuellen Januar-Ausgabe 24 Lippenpflegeprodukte zu Preisen von 0,65 bis 8 Euro untersucht.

Manche gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffe können sich im menschlichen Fettgewebe und der Leber anreichern und möglicherweise zu Organschäden führen. Noch alarmierender ist, dass in manchen Pflegestiften zudem Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten sind. Unter diesen können sich Stoffe befinden, die schon in kleinsten Mengen als krebserregend gelten.

Außerdem sind auch viele Stifte parfümiert oder aromatisiert. Problematisch wird das bei Stoffen wie Hydroxycitronellal, weil es häufig Allergien auslöst. Zudem enthalten zwei Stifte einen chemischen UV-Filter, der in Tierversuchen hormonwirksames Potenzial gezeigt hat.

Naturkosmetik ist Testsieger

Da das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission berechnet hat, dass man jährlich bis zu 20 Gramm Lippenpflege von den eigenen Lippen leckt und dann schluckt - was in etwa vier Stiften entspricht -, sind Verbraucher gut beraten, eine Lippenpflege zumindest ohne Paraffin zu nutzen. Denn auch in vielen Nahrungsmitteln reichern sich Mineralölrückstände via Verpackung an, so dass Verbraucher unbewusst auch an anderer Stelle die bedenklichen Stoffe verzehren.

Im Test sorgten Mineralölfunde und andere Mängel dafür, dass sechs Produkte mit "mangelhaft" ("Bebe Classic Lippenpflege", "Blistex Classic", "Eucerin Lip Aktiv Empfindliche Haut", "Labellino Lippenbalsam Fresh Mint", "Labello Original Lippenpflegestift" und "Yves Rocher Karité Lipbalm Repair & Care") und drei sogar mit "ungenügend" ("Carmex Classic Moisturising Lip Balm", "Eau Thermale Avène Pflege für empfindliche Lippen" und "Neutrogena Lippenpflege") bewertet wurden.

In allen Naturkosmetikprodukten, die auf natürliche Öle und Wachse setzen, ließen sich keine Mineralölbestandteile nachweisen. Insgesamt vergaben die Tester denn auch für entsprechende Produkte ein "sehr gut". Demnach sind für die Lippenpflege besonders geeignet: "Alterra Naturkosmetik Lippenpflege Bio-Kamille", "Alverde Lippenpflege Bio-Calendula", "Alviana Classic Feuchtigkeitspflege Bio-Jojobaöl", "Bee Natural Coco Nilla 100% Beeswax Lip Balm", "Dr. Hauschka Lippengold", "Lavera Basis Sensitv Lippenbalsam", "Logona Reichhaltiger Lip Balm Bio-Calendula", "Sante Family Lippenpflegestift Bio-Sheabutter & Kakaobutter", "Weleda Everon Lippenpflege", "Aveo Lippenpflege Classic", "Eos Visibly Soft Kokosmilch Lippenbalsam", "Jean & Len Lippenbalsam Strawberry Smoothie" und "L‘Occitane 10% Shea Butter Ultra Rich Lip Balm".   

Quelle: n-tv.de