Ratgeber

Trotzdem Spaß haben So geht man vernünftig mit Geld um

imago52356508h.jpg

Nicht immer ist der Kunde in der Lage, einigermaßen rational eine Kaufentscheidung zu treffen - so wird dann Geld zum Fenster rausgeworfen.

Es ist so verlockend: Drei Hosen zum Preis von zweien und den neuesten Fernseher gibt es mit Null-Prozent-Finanzierung. Geld ausgeben macht Spaß. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Wie vermeidet man den Ärger über unnötige Käufe?

Eine neue Handtasche, ein schicker Bluetooth-Lautsprecher oder der Detox-Tee für 15 Euro? Wir treffen häufig Kaufentscheidungen, weil sich unser Gehirn davon einen positiven Effekt verspricht. "Das Gehirn bewertet verschiedene Optionen und weist dann denen, von denen es sich am meisten verspricht, den höchsten Belohnungswert zu", erklärt Neurowissenschaftler Prof. Bernd Weber von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Nach dem Konsum kommt es so zu einer Art Belohnung im Gehirn - einem Glücksgefühl. Teilweise schwenkt die anfängliche Freude nach dem Kauf aber in ein Gefühl des Bereuens um, wenn etwa unnötig Geld ausgegeben wurde. Die Lösung ist also vernünftiges Einkaufen - wobei das nicht auf Kosten des Spaßes geschehen muss. Es spricht nichts dagegen, sich hin und wieder etwas Schönes zu gönnen.

Um nachträglichen Unmut zu vermeiden, empfiehlt Finanzpsychologin Monika Müller aus Wiesbaden, genau zu überlegen, was mit einem Kauf erzielt werden soll. Soll ein Einkaufsbummel nach der Arbeit beispielsweise einen Ausgleich liefern, sei es ratsam zuerst nach den Ursachen der Unausgeglichenheit zu suchen. Außerdem sollte man sich vor dem Kauf diese Fragen stellen: "Brauche ich dieses Produkt wirklich? Und wenn ja: Brauche ich es jetzt?", rät Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer sich mit dem Kauf bis zu einem Schlussverkauf oder bis zur nächsten Saison gedulden kann, spart meist.

Was wird gebraucht?

Nicht immer liegt es in der Macht des Kunden, einigermaßen rational eine Kaufentscheidung zu treffen. Lockangebote, Grabbeltische, aber auch eine besonders große Auswahl erschweren es, die Produkte sinnvoll zu vergleichen, erklärt Prof. Weber. Entscheidungen werden unterbewusst beispielsweise durch gezielte Präsentation oder Verpackungssignale beeinflusst. "Das Produkt, auf welches man zuerst schaut, hat einen Vorteil gegenüber anderen Produkten", erläutert der Neurowissenschaftler. Die Kaufentscheidung fällt dann oft genau auf diesen ersten Artikel.

Auch hier gilt: Um nicht unnötig viel Geld auszugeben und sich nicht in die Irre führen zu lassen, sollte man sich schon zu Hause überlegen, welche Produkte gebraucht werden. "Man ist zu Hause eher in der Lage, zu planen. Und es ist sehr gut belegt, dass man sich auch daran hält", erläutert der Hirnforscher.

Beliebt sind Angebote wie "Drei für zwei" oder kleine Geschenke ab einem bestimmten Umsatz. Grundsätzlich sind solche Aktionen eine gute Gelegenheit, um weniger Geld auszugeben. Problematisch wird es, wenn man eigentlich nur ein Teil braucht, am Ende aufgrund des Super-Schnäppchens aber mehrere Produkte kauft und damit am Ende mehr Geld ausgibt, als man wollte. Hier hilft es auch, sich ins Gedächtnis zu rufen, was man bereits besitzt, und sich zu fragen, ob das Schnäppchen eine gute Ergänzung wäre.

Wem es schwer fällt, unterwegs die Dinge abzurufen, die man besitzt, sollte sich einmal in Ruhe hinsetzen und alles aufschreiben, was im Haushalt ist. Das fängt bei dem Kleiderschrank an, geht über Technik und Küchengeräte und endet beim Inhalt des Kühlschranks. Das ist erstmal aufwendig, aber durchaus effektiv. Wer weiß, was man besitzt, kann Einkäufe wesentlich besser planen. Solche Listen lassen sich etwa in den Notiz-Apps der Smartphones dauerhaft hinterlegen und pflegen.

Bargeld hilft sparen

Unüberlegte Käufe treten insgesamt häufiger bei günstigen Produkten und Schnäppchen auf. "Einmalige Anschaffungen zwingen uns mehr zum Nachdenken", erklärt Müller. Ihrer Einschätzung nach gelingt es vielen Leuten, bereits bei solchen, meist größeren Ausgaben gute Entscheidungen zu treffen.

Verbraucherschützerin Groh rät trotzdem: "Bei kostspieligeren Käufen, sollte die Entscheidung ruhig überschlafen werden." Außerdem sollte beispielsweise die Ausstattung von Geräten genau verglichen werden. Gerade bei Technik ist es ratsam, darüber nachzudenken, ob auch ein früheres Modell ausreicht. So spart man unter Umständen viel Geld.

Auch die Bezahlweise kann Auswirkung auf das Kaufverhalten haben. "Es gibt gute Studien, die belegen, dass man mit Bargeld dazu tendiert, weniger Geld auszugeben als mit Kartenzahlung", hebt Prof. Weber hervor. Auch Groh vermutet, dass bei der Kartenzahlung schneller die Kontrolle verloren geht, da man das Geld nicht sieht. Wer also das Gefühl hat, das Geld fließt aus den Fingern, sollte die Kreditkarte öfter zu Hause lassen und lieber mit Bargeld zahlen.

Trotz aller guten Ratschläge lässt sich das Konsumverhalten nicht von jetzt auf gleich ändern und erfordert Durchhaltevermögen. Es dauert mehrere Monate, bis gewohnte Verhaltensmuster durchbrochen werden können. Prof. Bernd Weber und Monika Müller sind sich aber einig: Hat man eine für sich relevante Motivation, fällt es leichter, eine neue Gewohnheit zu entwickeln.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, Jennifer Weese, dpa

Mehr zum Thema