Ratgeber

Unauffällig anfordern So kommen Sie an ein Zwischenzeugnis

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Ein Zwischenzeugnis in der Tasche zu haben, ist nie verkehrt.

Wer seinen Arbeitgeber wechseln möchte, hat oft das Problem, dass die letzte Beurteilung schon Jahre zurückliegt. Ein Zwischenzeugnis zu beantragen, kann eine Lösung sein - jedoch nur, wenn beim Vorgesetzten kein Verdacht erregt wird.

Soll in einem Unternehmen eine Stelle neu besetzt werden, verlangen Personalverantwortliche und Vorgesetzte von den Bewerbern zumeist auch Zeugnisse und Beurteilungen der bisherigen Arbeitgeber. Diese helfen ihnen, die Fähigkeiten und das Wesen potenzieller Mitarbeiter verlässlich beurteilen zu können.

Wollen Sie sich bewerben, sind aber noch in einem anderen arbeitsvertraglichen Verhältnis gebunden, kann die Vorlage eines Zeugnisses schwierig werden - schließlich erhält man ein abschließendes Arbeitszeugnis üblicherweise erst nach Beendigung einer Anstellung. Hier erfüllen Zwischenzeugnisse eine wichtige Funktion: Sie beurteilen Arbeitsinhalte, Joberfahrungen und erreichten Ziele aus dem laufenden Betrieb heraus. Inhaltlich sind sie finalen Arbeitszeugnissen ebenbürtig, denn sie konkretisieren Tätigkeit und Zeitraum der Arbeit und geben eine Bewertung ab. Der einzige Unterschied ist formaler Natur: Zwischenzeugnisse sind im Präsenz formuliert - schließlich besteht das Arbeitsverhältnis ja noch fort.

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Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Einige Arbeitgeber stellen ihren Arbeitnehmern bei Bedarf und auf Nachfrage solche Zwischenzeugnisse aus, wenn Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen entsprechende Rahmenregelungen enthalten. Falls für Sie eine solche Möglichkeit besteht, sollten Sie diese unbedingt wahrnehmen - für etwaige Bewerbungen an anderer Stelle sind Sie dann gut gerüstet.

In vielen Betrieben fehlen solche Vereinbarungen jedoch und Interessierte müssen sich selbst um eine regelmäßige Beurteilung kümmern. Das erweist sich oft als problematisch: Zwar können Sie von Ihrem Arbeitgeber jederzeit ein Zwischenzeugnis anfordern, einen Rechtsanspruch darauf haben Sie jedoch nicht. Daher könnten Ihre Vorgesetzten angesichts einer solchen Anfrage vermuten, dass Sie wechseln möchten. Wie Sie diesen Eindruck und etwaige negative Konsequenzen vermeiden können und welche Aspekte zu berücksichtigen sind, verraten Ihnen die folgenden Tipps.

Begründen Sie Ihren Wunsch nach einem Zwischenzeugnis

Wesentliche betriebliche Veränderungen wie interne Umstrukturierungen, Neubesetzungen von Vorgesetztenstellen, neue Aufgabenfelder, eigene Beförderungen oder auch die anstehende Elternzeit sind unverfängliche Anlässe, um die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses zu erbitten. Schließlich ist nicht gesichert, dass unter den gewandelten Bedingungen oder nach längerer Abwesenheit noch jemand im Unternehmen eine qualifizierte Beurteilung Ihrer Arbeit leisten kann.

Falls es keinen offiziellen Anlass für das Zwischenzeugnis gibt, können Sie den Zeitfaktor als Begründung nutzen: Nach einigen Jahren im Unternehmen möchte jeder Mitarbeiter wissen, wo er steht und wie er zum unternehmerischen Erfolg beiträgt. Bitten Sie um ein kurzes Vier-Augen-Gespräch, tragen Sie Ihr Anliegen vor und kommunizieren offen Ihre Situation. Aufkeimendem Misstrauen und dem unangenehmen Verdacht, dass Sie das Unternehmen verlassen wollen, können Sie begegnen, indem Sie Ihre eigene Entwicklungsperspektive im Unternehmen vorstellen und Sie Ihrem Chef aufzeigen, dass Sie weiterhin Ihren Einsatz bringen und er sich auf Sie verlassen kann. Zwischenzeugnisse können schließlich als objektiver Prüfstein dienen, an dem sich Ihr berufliches Fortkommen messen lässt.

Spielen Sie, wenn es sich anbietet, mit offenen Karten

Konnten Sie angestrebte Karriereabsichten bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber bislang nicht realisieren, weil die Bedingungen im Unternehmen das nicht zulassen, kann Ihre Bitte um ein Zwischenzeugnis auch als "Weckruf" für Ihre Vorgesetzten genutzt werden. Ob Sie eine solche Karte spielen, sollten Sie natürlich gut abwägen. In einem solchen Fall könnten Sie Ihre Bewerbungsabsichten und Ihren Wunsch, sich beruflich zu entwickeln, verdeutlichen. Konnten Sie in der Vergangenheit mit Ihren Leistungen überzeugen, sodass das Unternehmen Sie und Ihre Expertise nicht verlieren möchte, eröffnet Ihnen Ihr Arbeitgeber vielleicht interne Aufstiegsmöglichkeiten oder macht andere Angebote, um Sie zu halten.

Lassen Sie Ihr Zwischenzeugnis regelmäßig aktualisieren

Etablieren Sie bei Ihren Vorgesetzten einen festen Turnus für schriftliche Beurteilungen. So müssen Sie für eine spontane Bewerbung das Zwischenzeugnis nicht unter Zeitdruck und ungünstigen Bedingungen anfordern und haben jederzeit einen qualifizierten Tätigkeitsnachweis zur Hand. Üblich ist ein Zeitraum von drei bis vier Jahren. Wer sich mit seinen Nachfragen in diesem Intervall bewegt, wird bei seinen Vorgesetzten kein Aufsehen geschweige denn den Verdacht der Illoyalität erregen.

Bieten Sie Unterstützung an

Die Ausstellung von Arbeitszeugnissen bedeutet in jedem Fall zusätzliche Arbeit für Ihre Vorgesetzten und wird auf seiner Prioritätenliste sicherlich nicht ganz oben stehen. Damit Sie Ihr Zeugnis zeitnah erhalten, können Sie anbieten, bereits vorformulierte Passagen zu liefern. Das bietet Ihnen zudem die Gelegenheit, die Zeugnisinhalte in Ihrem Sinn zu gestalten. Zu diesem Zweck ist es hilfreich, Erfahrungen, Projekte und Erfolge im Job regelmäßig zu notieren. Auf diese Weise entsteht eine subjektive persönliche Leistungsbilanz - und die ist im Zweifelsfall immer noch besser als gar kein Zwischenzeugnis.

Fazit

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Auch wenn Sie mit Ihrer Bitte um ein Zwischenzeugnis bei Ihren Vorgesetzten Misstrauen wecken können, sollten Sie diesen Schritt wagen, denn positiv formulierte Zwischenzeugnisse sind wie Referenzschreiben, die im Rahmen einer Bewerbung Vorteile gegenüber den Mitbewerbern verschaffen können. Zudem dienen sie in zweifacher Hinsicht als Absicherung: Ohne erklärlichen Anlass dürfen sich Arbeitszeugnisse, die am Ende einer Beschäftigung ausgestellt werden, nicht wesentlich von vorhergehenden Zwischenzeugnissen unterscheiden und im Falle von Vertragsauflösungen oder Kündigungen lassen sich mit ihrer Hilfe mögliche Abfindungen besser verhandeln. Sollten sich die Dinge im Job also wider Erwarten weniger gut entwickeln, haben Sie für alle Fälle ein gewichtiges Argument zur Verfügung.

Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Quelle: ntv.de

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