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Tanken teuer wie nie Wenn der Spritpreis durch die Decke geht

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Da geht leider noch was.

(Foto: picture alliance / Frank May)

Es gibt derzeit Beängstigenderes, als an der Zapfsäule ein paar Euro mehr hinzulegen. Doch die hohen Preise für Benzin und Diesel treiben dennoch um. Warum Sprit so teuer und was der eigentliche Preistreiber ist, wie sich beim Tanken sparen lässt und ob es Hoffnung auf Besserung gibt, lesen Sie hier.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine sorgt auch an der Tankstelle für Verdruss. Denn der Krieg hat die Spritpreise auf neue Rekordhöhen getrieben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ein großer Teil der sich im Tank befindlichen Kraftstoffe aus russischem Erdöl stammt. Doch daneben gibt es noch ein paar andere Faktoren, die das Tanken wohl auch bis auf Weiteres zu einem teuren Vergnügen macht. Fragen und Antworten zum Thema:

Wie teuer sind Benzin und Diesel derzeit?

Laut ADAC mussten Autofahrer am letzten Sonntag für einen Liter Super E10 im Durchschnitt 1,811 Euro zahlen und damit 5,4 Cent mehr als drei Tage zuvor. Diesel kam Verbraucher mit durchschnittlich 1,729 Euro je Liter teuer zu stehen und hat sich damit innerhalb von drei Tagen um 5,9 Cent verteuert. Demnach haben sich in den letzten zehn Wochen Super E10 und Diesel um rund 22 Cent je Liter verteuert. Bei Super E10 ist das eine Verteuerung um fast 14 Prozent, bei Diesel um fast 15 Prozent. Bei einer Tankfüllung von 40 Litern entspricht dies einer Preisdifferenz von fast neun Euro.

Was treibt den Preis in die Höhe?

Brent Rohöl
Brent Rohöl 97,38

Zunächst einmal die Grundzutat des Sprits, das Rohöl. So ist der Preis der Sorte Brent auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen, auch wegen des Ukraine-Krieges, und hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Für die Spritpreise extrem belastend wirkt sich die Rohstoffabhängigkeit von Russland aus. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bezog Deutschland im Jahr 2021 rund 34 Prozent seiner Rohölimporte aus der Russischen Föderation. Aber auch der Dollarkurs und die Konjunkturerwartung haben großen Einfluss auf die Kosten für Rohöl.

Ist das der einzige Grund?

Nein, denn den größten Teil der Kraftstoffpreise machen die Steuern aus. Bei Benzin beispielsweise liegt der Energiesteuersatz (die frühere Mineralölsteuer) bei 65,45 Cent je Liter. Beim Diesel sind es 47,04 Cent je Liter. Außerdem wird auf alle Energieträger die Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig. Sie wird auf den Warenpreis sowie die Energiesteuer erhoben. Insgesamt landen damit beim Benzin circa 64 Prozent der Tankrechnung als Steuern beim Staat, wie der ADAC berichtet.

Mit dem Rest werden die eigentlichen Kosten für das Produkt von der Rohölquelle über den Transport und die Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule sowie die CO2-Abgabe bezahlt. Denn zum Jahresbeginn 2021 ist der Emissionshandel für Brennstoffe mit einem fixen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne gestartet. Seit Anfang 2022 liegt er bei 30 Euro. Dadurch verteuern sich Benzin und Diesel pro Liter um rund eineinhalb Cent. Bis 2025 steigt der CO2-Preis schrittweise auf 55 Euro je Tonne.

Wer verdient sonst noch mit?

Wenig überraschend auch die Mineralölkonzerne und die Tankstellenbetreiber, die natürlich einen möglichst hohen Gewinn erzielen möchten. Abgesehen davon bestimmt in der Regel aber nicht der Tankstellenpächter die Preise, sondern die Konzerne. Und hier ist entscheidend, wann der jeweilige Ölkonzern gekauft hat. Die Preisgestaltung ist nicht nur abhängig von dem aktuellen Ölpreis, sondern die Unternehmen haben ihre Ölkontingente zu bestimmten Preisen eingekauft. In aller Regel kaufen die Konzerne ja nicht auf dem Spotmarkt.

Was tut der Staat gegen den Preisanstieg?

Bisher wenig, außer kräftig mitzuverdienen - siehe oben. Aber um zumindest die steigenden Kosten für Autofahrer etwas abzufedern, hat der Koalitionsausschuss beschlossen, die Pendlerpauschale rückwirkend zum 1. Januar 2022 ab dem 21. Kilometer auf 38 Cent anzuheben. Ursprünglich sollte das erst 2024 passieren. Bisher lag diese ab dem 21. Entfernungskilometer bei 35 Cent/Kilometer.

Und via Bundeskartellamt lassen sich die hohen Preise transparent miteinander vergleichen. Zudem müssen große Tankstellen in Deutschland einen Energiekostenvergleich für verschiedene Antriebsarten aushängen. Darauf sollen Kunden die Kosten ablesen können, die für 100 Kilometer - und für zwei Fahrzeuggrößen - mit verschiedenen Energieträgern von Wasserstoff über Strom bis Superbenzin fällig werden. Kunden sollen so für alternative Antriebe sensibilisiert werden.

Wie lässt sich sparen?

Zum Beispiel, indem man das Auto das eine oder andere Mal stehen lässt. Wem das nicht möglich ist oder wer darauf keine Lust hat, zahlt entweder mehr oder aber der Fahrer ändert sein Tankverhalten. Denn auch wenn es für den Spritkunden kaum zu erkennen ist, herrscht durchaus Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreibern. Indem die jeweils günstigste Zapfsäule angesteuert wird, lässt sich tatsächlich Geld sparen. Die günstigsten Preise lassen sich über Portale und Apps finden. Das Bundeskartellamt hat online mehr als 30 Apps aufgelistet, die alle auf die Echtzeitdaten von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zugreifen.

Außerdem sollte auch der Preisunterschied im Tagesverlauf beachtet werden. Laut einer ADAC-Untersuchung ist Kraftstoff in der Regel zwischen 18 und 19 sowie zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten. Denn auch an ein und derselben Tankstelle können die Preise täglich um bis zu zehn Cent variieren. Und wer an einer der Autobahn-Tankstellen sein Gefährt befüllt, zahlt meist sogar über 20 Cent je Liter mehr als an anderen Tankstationen. Zum Ferienstart wird auch gerne noch mehr draufgeschlagen.

Abgesehen davon hat der ADAC nachfolgende Tipps für Autofahrer auf Lager:

  • Fahrweise optimieren: Heißt: flott beschleunigen, rechtzeitig hochschalten (bei einer Drehzahl von circa 2000 U/min) und mit niedrigen Drehzahlen die gewählte Geschwindigkeit beibehalten. Erst dann zurückschalten, wenn der Motor ruckelt oder zu Brummen beginnt.
  • Vorausschauend fahren: Da Bremsen Energie vergeudet, solange wie möglich die Motorbremswirkung nutzen. Beim Heranrollen an eine rote Ampel also nicht den Gang herausnehmen. Die meisten Autos sind mit einer Schubabschaltung ausgerüstet, die die Kraftstoffzufuhr im Schubbetrieb komplett absperrt. Also, frühzeitig vom Gas gehen und den Wagen die letzten paar hundert Meter bei eingelegtem Gang auf eine Ortschaft zurollen lassen, statt unmittelbar davor abrupt abzubremsen.
  • Kurze Strecken vermeiden: Auch wenn es wehtut, es lohnt, das Auto auch mal stehenzulassen. Besonders, wenn man es nicht weit hat. Denn bei kaltem Motor verbraucht der Wagen am meisten Kraftstoff. Um gleichmäßig zu laufen, benötigt zumindest der Ottomotor in der Warmlaufphase ein fetteres Gemisch (mit höherem Kraftstoffanteil) als bei optimaler Betriebstemperatur.
  • Motor im Leerlauf ausschalten: Sobald der Motor läuft, verbraucht er Kraftstoff. Auch wenn das Auto nicht fährt - etwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde. Daher: Motor aus, wenn die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert.
  • Unnötige elektrische Verbraucher ausschalten: Elektrische Geräte im Auto wie etwa Steuergeräte, Beleuchtung, Lüfter, Klimaanlage, Sicherheits- und Komforteinrichtungen beziehen ihre Energie aus dem Bordnetz. Die elektrische Energie wird vom Generator bereitgestellt, der vom Verbrennungsmotor angetrieben wird. Folglich kosten eingeschaltete elektrische Geräte und andere Verbraucher Kraftstoff. Beispielsweise führt eine Klimaanlage je nach Fahrzeugmodell, Technik und Einsatzbedingungen zu einem Mehrverbrauch von etwa 0,3 bis 1,5 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer. Eine Standheizung kostet etwa einen Mehrverbrauch 0,2 bis 0,5 Liter pro Stunde.
  • Das Gesamtgewicht reduzieren: Jedes Stück mehr im Auto bedeutet mehr Gewicht und kostet Kraftstoff. Egal, ob Straßenatlas, Getränkekisten oder Kleinkram. Die Ursache für diesen Effekt ist die sogenannte Massenträgheit, also der Energieeinsatz, der erforderlich ist, um eine Masse auf eine höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen. 100 Kilo Zusatzlast ergeben bis zu 0,3 Liter Mehrverbrauch. Besonders im Stadtverkehr wirkt sich das Gewicht einer Zuladung negativ auf den Spritverbrauch aus. Jedes Anfahren, jede Beschleunigung kostet also extra Sprit. Insbesondere Dachträger, Dachboxen und Fahrradträger erhöhen den Verbrauch des Fahrzeugs signifikant. Grundsätzlich bietet der Transport von Gegenständen wie zum Beispiel Fahrrädern über Heckträger auf einer Anhängerkupplung Verbrauchsvorteile gegenüber dem Transport auf dem Fahrzeugdach. Nach dem Gebrauch sollten aber Dach- und Heckträger ungeachtet dessen wieder abmontiert werden.
  • Energiesparreifen nutzen: Der Einfluss der Bereifung auf den Fahrwiderstand ist erheblich. Mit optimierten Reifen können bis zu 0,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer sparen. Somit kann sich ein auf den ersten Blick teurer Reifen mit sehr geringem Rollwiderstand über die Nutzungsdauer mehr als amortisieren.
  • Auf den richtigen Luftdruck achten: Wenn zu wenig Luft in den Reifen ist, erhöht dies ebenfalls den Verbrauch. Schon ein 0,3 bar verminderter Luftdruck steigert den Rollwiderstand und sorgt somit für unnötigen Mehrverbrauch. Deshalb gilt es regelmäßig den Reifendruck zu kontrollieren.
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Ungeachtet dessen, gibt es Hoffnung auf sinkende Preise?

Die gibt es immer. Leider aber keine zuverlässige Vorhersage. Der ADAC rechnet angesichts des Ukraine-Kriegs und den damit verbundenen Folgen damit, dass die Spritpreise weiter deutlich zulegen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 01. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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