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Coronavirus sorgt für Ausfall Veranstaltung abgesagt, Geld futsch?

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Denkbar, dass in Deutschland Fußballspiele zeitlich verschoben werden oder vor leeren Rängen stattfinden.

(Foto: imago images/Eibner)

Das Coronavirus lässt immer mehr Großveranstaltungen platzen, für die Zuschauer im Voraus viel Geld für Tickets und Anreise gezahlt haben. Auch bei Fußballspielen wird überlegt, diese abzusagen. Doch was passiert, wenn die Veranstaltung ins Wasser fällt? Der Kölner Rechtsanwalt Markus Gerd Krämer erklärt, wer zahlen muss.

ntv: Wer zahlt die Zeche, wenn eine Veranstaltung wegen des Coronavirus abgesagt wird? Bekommen die Kunden ihr Geld zurück?

Markus Gerd Krämer: Das kann man definitiv sagen: Wenn ein Konzert ausfällt, wenn es nicht stattfindet, wenn eine Sportveranstaltung nicht stattfindet, dann bekommt der Kunde sein Geld wieder. Sei es wegen Sturm, wegen Corona oder weil der Künstler krank ist.

Wie ist das mit Kosten für ein gebuchtes Hotelzimmer und bereits bezahlten Fahrtkosten - gibt es hier Ansprüche?

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Markus Gerd Krämer ist Fachanwalt für Versicherungsrecht.

Da ist es entscheidend: Haben wir es hier mit höherer Gewalt zu tun? Ja oder nein? Ist das Coronavirus höhere Gewalt, ohne dass die Behörden die Veranstaltung untersagen? Darüber werden sich die Juristen im Nachhinein wahrscheinlich noch trefflich streiten. Davon hängt es entscheidend ab, ob der Kunde hier Schadensersatz bekommt. Bei höherer Gewalt nämlich nicht. Da - sagt der Gesetzgeber - trägt jeder sein Risiko selbst. Das Ticket gibt es natürlich zurück, weil die Veranstaltung nicht stattgefunden hat.

Es kann also auch nicht sein, dass der Veranstalter in seinen AGBs Rückerstattung im Falle von höherer Gewalt ausschließt?

Die AGBs müsste man sich im Detail anschauen. Wenn der Veranstalter die Frage der höheren Gewalt selbst definiert, wird das nicht halten. Man wird aber schauen müssen: Wie hat er es formuliert? Welche Voraussetzungen hat er genannt? Das ist in der Tat dann ein Einzelfall. Aber die wenigsten Veranstalter haben da - meiner Kenntnis nach - eine wirksame AGB.

Gelten, wenn das Ticket bei Vermittlungsplattformen wie Eventim und Co. gekauft wurde, andere Regeln?

Auch hier bekommen Sie Ihr Geld zurück. Allerdings gibt es hier Vermittlungskosten. Da macht der eine oder andere Kunde die Erfahrung, dass er nicht 100 Prozent des Ticketgeldes zurückbekommt. Das ist rechtlich zumindest möglich. Das eine ist der Preis des Konzerttickets. Ein anderer kleinerer Teil, der beim Ticketvermittler bleibt, den behält der Ticketvermittler eben für seine Dienstleistung. Er hat dann juristisch mit dem Kunden einen gesonderten Vermittlervertrag geschlossen.

Das heißt, man wendet sich an den Vermittler und nicht an den Veranstalter?

Sie können beides tun. Ihr juristischer Ansprechpartner ist der Konzertveranstalter. Der delegiert aber die Abwicklung genauso wie den Ticketverkauf an seinen Ticketvermittler - sei es Eventim oder Ticketmaster oder wie sie alle heißen. Dann wäre das Ihr Ansprechpartner. Juristisch ist Ihr Ansprechpartner aber der Konzertveranstalter.

Wie ist das mit den Kosten für ein gebuchtes Hotelzimmer oder Fahrtkosten?

Es kommt ganz darauf an. Einfach ist es dann, wenn Sie ein Paket gebucht haben - also wenn Sie die Konzertkarte und das Hotel zusammen gebucht haben. Wenn das Konzert abgesagt wird, dann entfällt auch die Rechtsgrundlage für die Hotelübernachtung. Dann gibt es das Ticket insgesamt zurück.

Haben Sie es aber - wie es in der Regel ist - getrennt gebucht, dann wird es schwieriger. Das Hotel ist noch da, die Stadt, in die Sie reisen möchten, auch. Entweder haben Sie die Möglichkeit, dieses Ticket kostenfrei zu stornieren, oder aber der Konzertveranstalter hat bei der Absage überreagiert. Dann ist er sogar schadensersatzpflichtig. Oder aber: Kann er sich erfolgreich auf höhere Gewalt berufen? Höhere Gewalt hieße auch hier wieder für den Veranstalter: Mit den Bahntickets und den Hotelkosten habe ich nichts zu tun.

Wie sieht das etwa bei Fußballspielen aus? Manche haben Dauerkarten, gibt es hier Ansprüche?

Bei den Dauerkarten wird das schwierig. Denn das Spiel wird stattfinden. Das Spiel wird nur verschoben werden. Wir hatten das letztens beim Spiel vom FC Köln in Gladbach aufgrund des Sturmtiefs "Sabine". Das Spiel wird aber nachgeholt. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Dort muss man zwischen Dauer- und Einzelticket unterscheiden. Die Einzeltickets bekommt man wieder, wenn man an dem Tag nicht kann, wo das Ersatzspiel stattfindet. Bei Dauerkarteninhabern sieht das anders aus. Die werden sich höchstwahrscheinlich auf den Ausweichtermin vertrösten lassen müssen. Wenn sie nicht können, dann haben sie erst einmal Pech gehabt.

Gilt beim Konzert das Gleiche, wenn es auf einen Termin verschoben wird, an dem ich nicht kann?

Ja. Wenn Sie etwa für den 5. August ein Ticket kaufen und nehmen sich da Urlaub und das Konzert wird auf den 10. August verschoben und Sie können da nicht, dann haben Sie einen Erstattungsanspruch. Denn das haben Sie ja nicht gekauft. Sie haben für die fünf Tage vorher bezahlt.

Hat es Sinn, eine Ticketversicherung abzuschließen? Greifen solche Versicherungen in diesem Fall?

Jetzt nicht mehr. Viele Versicherungsanbieter haben das Coronavirus jetzt als Ausschluss formuliert, weil natürlich in Deutschland das Thema akut ist. Besitzen Sie aber schon so eine Versicherung, kommt es auf die Klauseln, die konkreten Bedingungen an. Wir haben es ja noch nicht mit einer Epidemie zu tun. Noch ist die Einstufung noch nicht da, dass Corona eine Epidemie ist. Dann dürften die Epidemie-Klauseln noch nicht greifen. Hieße: Sie könnten dann von der Ticketversicherung verlangen, Ihre Kosten erstattet zu bekommen.

Das Interview führte Melanie Trimborn

Quelle: ntv.de