Fußball

Gesprächstherapie für Sorgenkind Angezählter Sané hofft auf den "Flick-Effekt"

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Kämpft wieder einmal mit seiner Form: Leroy Sané.

(Foto: IMAGO/Revierfoto)

Was ist nur los mit Leroy Sané? Diese Frage beschäftigt den FC Bayern nicht nur, sie nervt den Rekordmeister. Nun ist der Flügelstürmer beim DFB-Team und setzt darauf, dass Bundestrainer Hansi Flick ihn wieder in eine gute Form bringt. Für den 26-Jährigen geht es auch um seine Zukunft in München.

Teamkollege Leon Goretzka legte Bayerns Münchens formschwachem Flügelspieler Leroy Sané bei der Ankunft im Marbella Football Center liebevoll den Arm auf die Schulter, Hansi Flick setzt bei seinem Sorgenkind auf eine Gesprächstherapie. "Wir werden miteinander viel reden", kündigte der Bundestrainer schon vor dem ersten Training unter der spanischen Sonne an.

Dabei hofft Flick, dass Sané nach einer Rückrunde komplett zum Vergessen beim deutschen Rekordmeister nun im Kreise der Fußball-Nationalmannschaft auf andere Gedanken kommt, wieder einmal, - und die Nations-League-Duelle gegen Europameister Italien (4. und 14. Juni), den EM-Zweiten England (7. Juni) und Ungarn (11. Juni) unbelastet angeht. "Er ist wirklich froh, hier zu sein. Er freut sich auf die Aufgabe, auf die Spiele", versicherte Flick.

Sané gab zuletzt viele Rätsel auf. Seine schwankenden Leistungen, seine teils nicht vorhandene Körpersprache trieben die Münchner Verantwortlichen um Sportvorstand Hasan Salihamidžić zur Verzweiflung. Nach einer starken Hinrunde mit fünf Toren und fünf Vorlagen brachte es der 26-Jährige in der zweiten Saisonhälfte auf lediglich zwei Treffer und zwei Assists. Er könne auch nicht sagen, warum der Offensivspieler nicht immer an seine Leistungsgrenze komme, klagte Bayern-Coach Julian Nagelsmann zuletzt.

Beim Bundestrainer hat Sané ein anderes Standing. "Ich finde, er hat für uns ein herausragendes Länderspieljahr gehabt", sagte Flick, der am Dienstag per Videoschalte beim Internationalen Trainerkongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) zu Gast war: "Überwiegend hat er auch im Verein sehr gut abgeliefert."

"Wir Mitspieler stehen alle hinter ihm"

Am Dienstag hatte Sané bei traumhaften Bedingungen sichtlich Spaß. Bei den lustigen Übungen zu Beginn der gut eineinhalbstündigen Einheit lachte er viel. Unterstützung erhielt der 42-malige Nationalspieler (elf Tore) zudem von seinen Teamkollegen. "Es ist nicht einfach, egal für wen, wenn man über längere Zeit viel Kritik einstecken muss. Wenn ich durch eine schlechte Phase gehe, bringt es nichts, wenn mich alle auch noch weiter fertig machen", sagte Jamal Musiala bei Sport1 und versicherte: "Wir Mitspieler stehen alle hinter ihm." Kapitän Manuel Neuer verteidigte in Andalusien den Offensivspieler: "Leroy ist ein emotionaler Typ und sensibel in manchen Dingen. Es war kein negatives Jahr. Er hatte Höhen und Tiefen."

Sané will den Schalter umlegen, nachdem er zuletzt in München oft mit hängenden Schultern über den Rasen schlich. "Wenn er die Körperspannung nicht hat, dann gefällt mir das nicht", kritisierte zuletzt Salihamidzic. Zahlreiche Gespräche mit dem Star, in welcher Form auch immer, brachten offenbar nichts. Wenn Sané, für den die Bayern immerhin 50 Millionen Euro an Manchester City, wo ihm ähnliches vorgeworfen wurde, überwiesen hatten, sein Büro verlasse, so Salihamidžić, "dann habe ich das Gefühl, jetzt knallt es". Doch geknallt hat es zuletzt nicht.

Wie weit ist Sanés Weg?

Entsprechend nahm der Vorstand den Nationalspieler so deutlich wie nie in die Pflicht. "Jetzt muss er kommen", betonte Salihamidžić. Alle, inklusive der Mannschaftskollegen, würden erwarten, "dass er explodiert, dass er Gas gibt". Nun muss Sané, dessen Vertrag noch bis 2025 läuft, dringend liefern. Sein letzter richtig starker Auftritt gelang beim 7:1 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen RB Salzburg am 8. März mit einem Tor und zwei Vorlagen. Für die hohen Ansprüche der Bayern ist das viel zu wenig. "Er ist kein junger Spieler mehr, er ist ein Mann geworden. Jetzt wollen wir auch das zurück, was er an Wertschätzung vom Klub bekommt", sagte Salihamidžić unmissverständlich: "Dafür ist er im Spiel selbst verantwortlich."

Zum Aktiv-Urlaub an der Costa del Sol kam der eigentlich so begnadete Flügelstürmer im Gegensatz zu anderen Nationalspielern wie Joshua Kimmich oder Marco Reus ohne Familie. Die volle Konzentration gilt im Jahr der Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar der wichtigen Standortbestimmung in der Nations League.

Die Bedeutung der Spiele gegen die hochkarätigen Gegner untermauerte auch Flick noch einmal. "Wir sehen ein bisschen die Weltspitze wieder. Die vier Spiele werden uns zeigen, wie weit der Weg noch ist", sagte der Coach. Und: Sie werden zeigen, wie weit Sanés Weg zurück zu seiner Bestform ist. Nach dem Training absolvierte er noch einige Steigerungsläufe, nachdem er in München zuletzt nicht so viel Einsatzzeit bekam. Sane will wieder angreifen. Schon einmal, im vergangenen Sommer, war das nach einem Länderspiel-Trip gelungen.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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