Fußball

Elf Klubs für zweieinhalb Plätze Dritte Liga steuert auf irren Aufstiegskampf zu

imago0047301782h.jpg

(Foto: Stefan Matzke / sampics / Pool)

Neustart geglückt, auch in Liga drei. Die eine Hälfte spielt um den Aufstieg, die andere kämpft gegen den Abstieg. Trotz des spannenden Saisonfinales ist das Sportliche für mehrere Beteiligte Nebensache: "Jetzt bin ich erstmal sauer", poltert Mannheims Trares, Magdeburgs Wollitz fürchtet schlimme Folgen.

Vielleicht hätte Claus-Dieter Wollitz nach einem Erfolg ja ganz anders reagiert, die Niederlage zum Neustart der 3. Liga aber machte den Trainer des 1. FC Magdeburg nur noch wütender. "Das haben Leute entschieden", stänkerte Wollitz über den Beschluss zur Saisonfortsetzung, "die im Fußball noch nie in so einer Verantwortung waren." Und deren Entscheidung wird seiner Meinung nach böse Folgen haben.

Aufgrund der fehlenden Vorbereitung sei "so ein Mammutprogramm nicht ohne Verletzung" durchzustehen, sagte Wollitz nach dem 0:1 (0:1) gegen den 1. FC Kaiserslautern bei Magentasport. Die Partie am Samstag war der Auftakt eines knüppelharten Endspurts, bei dem die Profis der Drittligisten bis zum 4. Juli elfmal um den Aufstieg oder - wie im Falle der Magdeburger - den Klassenerhalt kämpfen müssen. "Die Spieler haben alles rausgehauen. Die werden das aber nicht elfmal wiederholen können", sagte Wollitz vor dem Hintergrund von fünf Englischen Wochen am Stück.

Die bevorstehende Belastung wollte er freilich "nicht als Ausrede" verstanden wissen. Nichtsdestotrotz waren nach den ersten Spielen vor allem die sauer, die seit geraumer Zeit für den Abbruch der Saison gestimmt hatten und nun als Verlierer vom Platz schritten. "Es nervt mich jetzt einfach", sagte Trainer Bernhard Trares vom Aufstiegsaspiranten Waldhof Mannheim, der 1:2 (0:1) gegen den KFC Uerdingen verlor: "Jetzt bin ich erstmal sauer." Ganz anders klangen jene, die nach dem erhofften Wiederbeginn auch noch drei Punkte einfuhren - wie etwa Uerdingens Trainer Stefan Krämer. "Es ist für mich wie alle Feiertage an einem, dass es nach so einer langen Pause nun wieder um den Fußball geht", sagte er mit Blick auf den Stillstand von rund zweieinhalb Monaten.

"Ein einziges Trauerspiel"

Was die Spannung der Liga angeht, wird es für die ausgeschlossenen Zuschauer an den TV-Bildschirmen auch noch weitere "Feiertage" geben. Die munteren Platzwechsel in der Tabelle setzten sich am 28. Spieltag fort und werden dies auch in den kommenden Wochen tun, gerade einmal fünf Punkte liegen aktuell zwischen den Rängen eins und elf - weil Tabellenführer MSV Duisburg nach einer 2:0-Führung noch 2:3 (1:0) bei 1860 München verlor. Am ersten Spieltag nach der Corona-Zwangspause bleibt der MSV dank der besseren Tordifferenz zwar Spitzenreiter.

Die SpVgg Unterhaching, die am Samstag bei der SG Sonnenhof Großaspach gewonnen hatte (2:0), folgt aber nun punktgleich (jeweils 47) auf Rang zwei. 1860 München kletterte nach dem dritten Sieg in Folge mit nun 45 Zählern auf Relegationsplatz drei. Auf den Plätzen vier bis sieben folgen vier Klubs mit 44 Punkten, die Teams von acht bis elf kommen allesamt 42 Zähler. Mehr als die Hälfte der Liga spielt um den Aufstieg, ab Platz zwölf beginnt der Abstiegskampf.

In sportlicher Hinsicht also vermutlich die absolut richtige Entscheidung, die der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) da am vergangenen Montag mit überwältigender Mehrheit (94,9 Prozent) getroffen hatte. Moralisch ist die Saisonfortsetzung für einige Teile der Fanszene aber dennoch das falsche Signal. Die Anhänger des FSV Zwickau (2:2 gegen Hansa Rostock) behaupteten mit geschickt platzierten Bannern auf den leeren Rängen, dass beim DFB die "Moral im Keller" sei. Proteste werden zudem für den nächsten Spieltag erwartet. "Wir wollen die werten Funktionäre erinnern, dass Fußball ohne Fans in den Stadien ein einziges Trauerspiel ist", heißt es in einem Aufruf der Fans des Halleschen FC.

Kaum noch zu retten ist Carl Zeiss Jena. Die Thüringer verloren zum Abschluss des Restart-Spieltags im Ausweichstadion in Würzburg gegen den Chemnitzer FC 0:1 (0:0). Erik Tallig (56.) traf für die Sachsen, die mit nun 37 Punkten vier Zähler vor dem ersten Abstiegsplatz liegen. Jena fehlen hingegen als abgeschlagenem Tabellenletzten zehn Spieltage vor Saisonende satte 16 Punkte auf die Nichtabstiegsplätze.

Quelle: ntv.de, tsi/sid