Fußball

Sechs Dinge, die wir gelernt haben Götze jubelt hässlich, die Shinjis rocken

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In selbstherrlicher Pose - und hässlichem Trikot: Mario Götze.

(Foto: imago/Lackovic)

In Dortmund versinken sie in Seligkeit, Kagawa kommt, trifft und weint. Davon kann Bayerns Götze nur träumen. Derweil treiben die Bremer Zombies ihr Unwesen in der Fußball-Bundesliga, während der HSV - ach, lassen wir das.

1. Kagawas Rückkehr - fast zu kitschig

Wir lehnen uns jetzt einmal ganz weit aus dem Fenster: Nicht vorstellbar ist es, dass die Fans der Dortmunder Borussia Mario Götze derart nachtrauern, dass sie eine Initiative #freemario ins Leben rufen, um ihren Liebling aus den Klauen des FC Bayern zu befreien. Ganz anders liegt der Fall bei Shinji Kagawa. 2012 feierte der Japaner mit dem BVB das nationale Doppel aus Meisterschaft und Pokalsieg, dann wechselte er zu Manchester United auf die britische Insel. Nun ist er wieder da und feierte an diesem dritten Spieltag der Fußball-Bundesliga ein Comeback, das fast zu kitschig war, um wahr zu sein.

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"Ich hatte das ganze Spiel über Gänsehaut": Shinji Kagawa, nun wieder bei Borussia Dortmund.

(Foto: REUTERS)

Eine Vorlage und ein Tor steuerte der 25 Jahre alte Mittelfelds pieler zum 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg bei, bevor er nach 64 Minuten von Krämpfen geplagt den Rasen des Westfalenstadions verließ. "So laut war es hier lange nicht", stellte Trainer Jürgen Klopp fest. Und das will was heißen in Dortmund. Und nur dort bekommen sie es hin, aus einem - mit Verlaub - normalen Sieg einen Festtag zu machen. Kagawa sagte hinterher: "Ich hatte das ganze Spiel über Gänsehaut, nicht nur am Anfang." Apropos Shinji. Namensvetter Okazaki schrieb Geschichte. Beim 3:1 seiner Mainzer erzielte er seine Tore Nummer 27 und 28 in der höchsten deutschen Spielklasse. Damit ist er der erfolgreichste Japaner in der Geschichte der Bundesliga, er hat Yasuhiko Okudera, der zwischen 1977 und 1985 für den 1. FC Köln und Werder Bremen spielte, auf Platz zwei der japanischen Torschützen verdrängt. Aber auch Kollege Kagawa kommt bereits auf 22 Tore. Die Shinjis rocken die Liga.

2. Es geht immer noch hässlicher

"So hässlich wie in Bochum wird's nie wieder", das haben wir vor der Saison über die neuen Trikots in der Fußball-Bundesliga behauptet. Wir ahnten ja nicht, was uns bevorstand. Und fragen uns nun, was die Trikotdesigner des FC Bayern München geritten hat, auf ein blau-rot-gestreiftes Trikot eine 1 aus magentafarbenen Diamanten zu drucken. Wahrscheinlich haben sie dieselbe Designschule besucht wie die Kollegen, die den kolumbianischen Radfahrerinnen ein sehr, nun ja, unterleibsbetontes Outfit verpassten.

Hinter diesem Verbrechen steckt der Sponsor Telekom, was wir hätten ahnen müssen: Wer es fertig bringt, Menschen so weit zu erniedrigen, dass sie in überdimensionalen Plastikhüllen das Firmenemblem auf der Bayern-Tribüne bilden, der zwingt auch Fußball-Weltmeister in Kleidung, die bei Ed Hardy in der "zu peinlich"-Schublade landen würden. Immerhin passte so aber doch alles zusammen an diesem Samstag in der 27. Minute in der Münchner Arena: Mario Götze, der ja genau zwei Monate zuvor einen nicht ganz unwichtigen Treffer im Maracanã erzielt hatte, schoss trocken zum 1:0 seines FCB gegen den VfB Stuttgart ein - und feierte in arroganter Pose, als habe er gerade erneut ein WM-Finale entschieden. Das Trikot erdete Götzes Jubel, es signalisierte: Doch nur ein ganz normales Bundesliga-Spiel, doch nur ein Pflichtsieg des Meisters gegen einen Abstiegskandidaten. Fußball kann so profan sein. Auch wenn man Mario Götze heißt.

3. HSV bleibt die Lachnummer

Nun ist es in diesen Tagen, wie in vergangenen übrigens auch, sehr einfach, sich über den Hamburger SV lustig zu machen. Aber was soll man noch sagen über eine Mannschaft, die mit 0:2 in Hannover verliert und als einziges von 54 deutschen Profiteams in dieser Saison noch kein Tor erzielt hat? Auch die 88 Mannschaften in den fünf Regionalligen haben übrigens alle schon getroffen, die Amateure des HSV alleine 27 Mal. Sie führen nach acht Siegen an acht Spieltagen die Tabelle im Norden an. Aber die Profis? Ein Trauerspiel. Da ist es den Nachrichtenagenturen sogar eine Meldung wert, dass der HSV als Tabellenletzter mit Mirko Slomka in die Trainingswoche startet. "Wir werden nicht in Panik verfallen, werden nicht handeln - das kann ich zu 120 Prozent garantieren", hatte Karl Gernandt, der neue Hamburger Aufsichtsratschef, am Sonntagabend dem Bezahlsender Sky gesagt. Wie die Hamburger "Morgenpost" und das "Abendblatt" berichten, sollen die Vereinsbosse dem Trainer eine Schonfrist von zwei Spielen eingeräumt haben. Das ist von daher pikant, als dass die Hamburger am kommenden Samstag gegen den FC Bayern spielen, am Mittwoch drauf geht es dann zu den Borussen nach Mönchengladbach. Das sind die, die am Samstagabend den FC Schalke 04 mit 4:1 besiegt haben.

4. Bremer Zombies treiben ihr Unwesen

Diesmal kamen sie bei Flutlicht, am Freitag in Leverkusen: Die Bremer Zombies verbreiteten wieder Angst und Schrecken. Erst unter den eigenen Fans, als die Abwehr rückenlahm den Bayer-Angriffen hinterherschlich. Und dann unter den Leverkusener, als die untoten Werderaner plötzlich eine unstillbare Lust auf Blut, pardon, Tore entwickelten. Denn wie richtig gute Zombies sind die Bremer in dieser Saison bislang einfach nicht totzukriegen. Nicht von der Hertha, die schon mit 2:0 führte, nicht von der TSG Hoffenheim, die in Bremen 1:0 vorne lag – nicht einmal vom Überfallkommando namens Bayer 04 Leverkusen. Das versetzte den Bremer zwar einen Schlag nach dem anderen, aber eben keinen entscheidenden. In der Phase der totalen Dominanz in der ersten Hälfte sprang nur ein Treffer heraus, den Fin Bartels noch vor der Pause kontern konnte.

"Das 1:1 zur Halbzeit war ein Witz, 5:0 wäre angemessen gewesen", sagte Bayer-Trainer Roger Schmidt nach dem Spiel. Sein Gegenüber Robin Dutt wollte dem gar nichts entgegensetzen: "Leverkusen war in der ersten Halbzeit kaum aufzuhalten." Danach zeigte sein Team wieder mal Kampfmoral, ging in Führung, kassierte aber dann das 2:3, um nochmals auszugleichen. Dutt zeigte sich begeistert und schickte einen martialischen Gruß an die nächsten Gegner: "Bayer hat uns am Leben gelassen – das ist immer ein Fehler." Bei richtigen Zombies übrigens auch. Wie sie die gänzlich erledigen können, zeigt dieses Video. Auf dem Fußballplatz, wir haben uns da bei den Kollegen von "Collinas Erben" rückversichert, sind diese Methoden allerdings nicht erlaubt.

5. Die Schalker schließen die Augen

Apropos Schalke. Die Gelsenkirchener haben auch nur einen Punkt mehr auf dem Konto als die Hamburger. Die Freude darüber, dass sie sich den vor einer Woche gegen den FC Bayern redlich erkämpft hatten, dürfte mittlerweile verflogen sein. Nicht ganz neu ist nach der klaren Niederlage in Mönchengladbach, dass Trainer Jens Keller nun einmal mehr um seinen Job kämpfen muss. Daran, dass er mit seiner Mannschaft in der vergangenen Saison die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt hatte, erinnert sich niemand mehr. Und falls doch, dann zählt das nicht mehr viel. "Ich denke, die hätten auch zehn Stück machen können", hatte Klaas-Jan Huntelaar nach der Partie am Niederrhein gesagt.

Das Schlimme für die Schalker ist: Er hat nicht einmal übertrieben. Manager Horst Heldt konstatierte: "Ein Punkt aus drei Spielen - das ist enttäuschend, das ist ein Fehlstart." Bereits am Mittwoch geht es weiter - mit dem Spiel beim FC Chelsea in der Champions League. Da spielen die Schalker nämlich durchaus mit, auch dank der guten Rückrunde. Vorfreude aber hört sich anders an. "Das ist sicher nicht der leichteste Gegner. Aber auch das müssen wir annehmen. Es hilft kein Jammern, es hilft kein Klagen: Augen zu und durch." Sagt Horst Heldt.

6. Lieblingsgegner sind in Mode

Sie kennen das Montags-Syndrom vielleicht, erleben es womöglich gerade am eigenen Leibe: Sie schauen in den Kalender, aha, Montag, wird wahrscheinlich ein Scheißtag. Und so kommt es auch. Quasi ein Gesetz, das sich durch gesammelte Erfahrungen wie von selbst formuliert hat und sich fortan immer wieder bestätigt. Bei Fußballern funktioniert das mitunter ähnlich. Armin Veh zum Beispiel. Der guckt sich den Spielplan an, soso, Auswärtsspiel in München, das gibt wohl keine Punkte. Bei seinen zehn Besuchen in der Arena der Bayern kassierte er zehn Niederlagen, bei den letzten fünf sprang nicht einmal ein Tor für seine Mannschaft heraus. Es funktioniert aber auch anders herum. Nehmen wir Anthony Modeste. Wenn es gegen Wolfsburg geht, kann der Mann aus Hoffenheim schonmal ein T-Shirt mit einem netten Gruß an die Familie drucken lassen, das er dann beim obligatorischen Torjubel zeigt. In allen seinen drei Partien gegen die Wölfe hat er nun getroffen, insgesamt schon viermal. Lieblingsgegner nennt man so etwas wohl, und den hat auch der BVB. Gegen Freiburg gab es nun schon den neunten Sieg in Serie. Keinen speziellen Lieblingsgegner hat Sami Allagui – es ist einfach nur der Nächste, der ihm vor die Füße kommt, wenn er den Verein gewechselt hat. Zum vierten Mal in Folge traf er nun schon in seinem ersten Spiel für den neuen Klub. Und das am Samstag ausgerechnet gegen seinen alten Arbeitgeber. Selbst schuld, Hertha BSC. Gegen das Montags-Syndrom ist eben kein Kraut gewachsen.

Quelle: ntv.de