Fußball

"Lösch das bitte!" Hertha-Profi schockt mit Video aus Kabine

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Salomon Kalou hatte wohl schon bessere Ideen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Da hilft auch schnelles Löschen nicht: Salomon Kalou streamt seinen Weg zum Training. Dabei präsentiert der Fußballprofi von Hertha BSC, wie er gleich mehrfach Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus missachtet. Das könnte sich rächen.

Lange dauerte es nicht, bis Salomon Kalou das verhängnisvolle Video gelöscht hatte. Aber eben zu lange, um den Schaden doch noch abzuwenden. Denn der Angreifer von Hertha BSC präsentierte in seinem knapp 25 Minuten andauernden Livestream nicht nur seine Fahrt zum Training, sondern auch, wie wenig die Berliner Profis auf die Abstandsregeln zu geben scheinen. Während die Deutsche Fußball-Liga versucht, die Politik vom Gelingen ihres Schutzkonzepts zu überzeugen, läuft Kalou in die Kabine und gibt erst Athletiktrainer Henrik Kuchno die Hand, danach sind die Mitspieler an der Reihe und schließlich Mannschaftskapitän Vedad Ibisevic.

Mit Ibisevic unterhält sich Kalou zudem über den Gehaltsverzicht, den die Hertha-Profis eingegangen sind, womit sie aber unzufrieden scheinen, weil offenbar mal von elf Prozent die Rede war, mal von 15 Prozent. Das ist aber ohnehin das kleinere Problem in diesem Video.

Von den Vorsichtsmaßnahmen, die die DFL propagiert, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, ist dabei nichts zu sehen. Kein Händewaschen, keine Desinfektion, nicht einmal der empfohlene Abstand wird eingehalten. Dafür gibt es Händeschütteln und freundschaftliche Begrüßungen, als wäre nichts gewesen. Als ginge es nicht darum, mit der Einhaltung des Konzeptes die Politik davon zu überzeugen, dass der Spielbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga wieder aufgenommen werden könnte.

Beim Abstrich gefilmt

Stattdessen zeigt Kalou der vor seinem Facebook-Account versammelten Öffentlichkeit, dass dieses DFL-Konzept zwar auf dem Papier vielversprechend aussieht, es an der praktischen Umsetzung aber ganz offensichtlich mangelt. Anders ist es nicht zu erklären, dass nur eine einzige Person im Video ein Problem mit dem gezeigten Verhalten zu haben scheint oder dies zumindest klar artikuliert.

Nämlich der Mitarbeiter, der bei Verteidiger Jordan Torunarigha einen Abstrich vornimmt. Vermutlich, um diesen anschließend ins Labor zu schicken und testen zu lassen, ob eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Dieser Mitarbeiter, der nur einen einfachen Mund-Nasen-Schutz trägt statt des vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Schutzkittels, ruft Kalou zu: "Sala, lösch das Video bitte."

Doch wie das eben so ist in diesem Internet: Was erstmal online ist, verschwindet nicht so schnell. So ist das Originalvideo des 35-Jährigen zwar gelöscht, doch Aus- und Zusammenschnitte davon verbreiten sich weiter. Es ist der von einem Fußballprofi filmisch dokumentierte Beweis, dass das Hygienekonzept der DFL längst nicht so verinnerlicht ist und umgesetzt wird, wie sie selbst suggeriert. Die DFL reagierte umgehend: "Die Bilder von Salomon Kalou aus der Kabine von Hertha BSC sind absolut inakzeptabel. Hierfür kann es keine Toleranz geben - auch mit Blick auf Spieler und Klubs, die sich an die Vorgaben halten, weil sie die Ernsthaftigkeit der Situation erfasst haben." Und das nur zwei Tage, bevor am Mittwoch, dem 6. Mai, die Entscheidung über den Plan der Bundesliga fallen soll.

Quelle: ntv.de