Fußball

"Unmögliche" Diskussion Hoeneß schimpft über "Abgesang" auf Neuer

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Uli Hoeneß verteidigt die Transferpolitik des FC Bayern auf der Torwartposition.

(Foto: picture alliance / Andreas Gebert/dpa)

Deutschlands immer noch prominenteste und lauteste Fußball-Ikone ist zu Gast im "Doppelpass" - und Uli Hoeneß liefert. Vor allem bei den Themen Verletzung von Manuel Neuer und Torwartfrage beim Rekordmeister wird der Ehrenpräsident des FC Bayern emotional.

Uli Hoeneß hat den "Abgesang" auf Nationaltorhüter Manuel Neuer scharf kritisiert. "Ich finde es sehr seltsam und unglaublich. Bis vor ein paar Monaten war er für mich der beste Torwart der Welt, jetzt wird er von allen infrage gestellt", sagte der Ehrenpräsident von Bayern München im Sport1-"Doppelpass". Er sei sich sicher, dass die Diskussion über ein mögliches Karriereende des aktuell verletzten Stammtorhüters des Rekordmeisters und der DFB-Elf dazu führen werde, "dass Manuel noch heftiger, noch heißer an seinem Comeback arbeitet. Dann sehen wir, wer im Herbst im Tor stehen wird."

Dass Neuer mit der Skitour, bei der er sich das Bein gebrochen hat, einen Fehler gemacht habe, sei unstrittig, meinte Hoeneß, aber: "Man darf trotz allem nicht vergessen, was dieser Mann für den FC Bayern geleistet hat." Das müsse bei der Beurteilung der finanziellen Folgen für den Klub beachtet werden. "Da spielt die ein oder andere Million keine Rolle. Der Mensch ist das Wichtigste, dann kommt das Geld - nicht umgekehrt!"

Hoeneß rät, Choupo-Moting zu halten

Hoeneß findet es "seltsam" und "unmöglich", dass aktuell die Frage diskutiert werde, ob Neuer in der kommenden Saison seinen Stammplatz zurückerobern könne. Mit Yann Sommer habe der Verein "eine optimale Lösung" für die Situation gefunden. Für alles Weitere "würde ich etwas mehr Geduld anmahnen".

Auch zu einem anderen Bayern-Thema nahm er gewohnt klar Stellung: der Stürmerfrage: An einen Transfer von Harry Kane zu Bayern München glaubt der ehemalige Fußballmacher nicht. "Das ist ein grandioser Spieler", sagte Hoeneß, "aber das ist eine Größenordnung - ich weiß, dass Manchester City letztes Jahr bei 140 oder 150 Millionen ausgestiegen ist und kann mir nicht vorstellen, dass das Beträge sind, die der FC Bayern bezahlen will oder kann." Kane hat bei Tottenham Hotspur noch einen Vertrag bis 2024. Die Bayern suchen seit dem Abgang von Robert Lewandowski im vergangenen Sommer eine neue Dauerlösung für die Position des Mittelstürmers.

Aktuell füllt die Rolle Eric Maxim Choupo-Moting aus, dessen Vertrag im Sommer endet. Hoeneß rät den Bayern, mit dem Nationalspieler Kameruns über eine Verlängerung verhandeln, ihn länger zu binden - notfalls für zwei weitere Jahre, wie vom schon 33 Jahre alten Angreifer erhofft. "Eric hat dem FC Bayern in einer schwierigen Situation geholfen, das hat doch keiner geglaubt", sagte Hoeneß: "Deswegen bin ich der Meinung, dass man das versuchen sollte, auch wenn es dann ein zweites Jahr wäre." Spielern über 30 Jahren bieten die Münchner für gewöhnlich nur ein weiteres Jahr an.

Flick kann einen Mann wie Völler gebrauchen

Leidenschaftlich wird Hoeneß auch beim Thema Nationalmannschaft. Er glaubt, dass das DFB-Team mit dem neuen Direktor Rudi Völler wieder zur "Lokomotive" des deutschen Fußballs wird. "Auf jeden Fall" sei der am Freitag vorgestellte Völler der Richtige in der aktuellen Situation der bei der WM in Katar gescheiterten DFB-Auswahl, sagte Hoeneß. Völler habe "Ahnung vom Fußball" und sei zudem nicht so leicht angreifbar. "Es ist wichtig, dass du medial einiges aushalten kannst", sagte Hoeneß.

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Nach dem schwachen WM-Abschneiden sei es ein "großes Glück", dass "viele Vereine in den internationalen Wettbewerben gut dastehen und das etwas auffangen können", sagte Hoeneß mit Blick auf die sieben Vereine in den K.-o.-Runden der Europapokalwettbewerbe. Die Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick müsse aber letztendlich bald wieder "als Lokomotive" vorangehen. "Ich glaube, der Hansi braucht jemanden neben sich, der ihm hilft, wenn es mal schwierig wird", sagte Hoeneß zur Völler-Verpflichtung.

Der DFB müsse aber weiterhin "zweigleisig" fahren, sagte Hoeneß. "Das Eine ist der Sport, in anderthalb Jahren ist eine EM. (...) Das Zweite sind die Strukturen des DFB, die verändert werden müssen." Hier nannte der 71-Jährige die DFB-Akademie, die Nachwuchsförderung und die "Außenbilder der Nationalmannschaft"als Beispiele. Der DFB müsse überlegen, die Testspiele bis zur EM zu fanfreundlicheren Zeiten anzusetzen. "Man kann nicht alles haben", sagte Hoeneß mit Blick auf TV-Verträge, die bei späten Anstoßzeiten vermeintlich ertragreicher sind. "Wenn man den Nachwuchs wieder für Fußball begeistern will, kann man ein Länderspiel nicht um 21 Uhr zeigen, wenn es nicht unbedingt vorgeschrieben ist." Rund um die Nationalmannschaft müsse "eine Aufbruchstimmung" erzeugt werden.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

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