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Wiederwahl als Fifa-Chef Warum der DFB Infantino unterstützt

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Steht zur Wiederwahl ohne Gegenkandidaten: Gianni Infantino, hier beim diesjährigen DFB-Pokalfinale mit DFL-Chef Reinhard Rauball.

(Foto: imago images / DeFodi)

Am Mittwoch tagt der 69. Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa in Paris. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist die Präsidentschaftswahl, die allerdings längst entschieden ist: Amtsinhaber Gianni Infantino wird bleiben. Warum ist seine Wiederwahl schon jetzt beschlossene Sache? Wieso gilt der Schweizer in Deutschland als Feindbild? Und warum stimmt der DFB trotzdem mit Ja? Hier gibt's die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum ist Infantinos Wiederwahl beschlossene Sache?

Der Schweizer wird in weiten Teilen der Fifa (211 Verbände) erheblich weniger kritisch gesehen als beispielsweise in Deutschland. In Afrika, Südamerika und Asien kann Infantino, der die WM 2026 auf 48 Mannschaften aufgestockt hat, auf große Unterstützung bauen. "Gianni ist ein Geschenk für den Fußball", sagte der nigerianische Verbandspräsident Amaju Pinnick in der ARD-Sportschau. Deshalb hat sich auch kein Herausforderer getraut, gegen den Amtsinhaber anzutreten - für die Kritiker von der Uefa ist das ein Armutszeugnis.

Wie wird der Deutsche Fußball-Bund abstimmen?

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Einen Denkzettel aus Deutschland wird es nicht geben, der DFB will für Infantino stimmen. "Wir sind nicht hier angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist", sagte Ligaverbandschef und Interimspräsident Reinhard Rauball. "Das Präsidium des DFB unterstreicht die Notwendigkeit, sowohl mit der Europäischen Fußball-Union Uefa als auch mit dem Fußball-Weltverband Fifa in einem konstruktiven Dialog zu stehen", schrieb der DFB in einer Pressemitteilung. Es sei "gleichermaßen" wichtig, "im Austausch mit der Fifa die deutschen Positionen weiterhin einzubringen und an der Entwicklung des internationalen Fußballs mitzuwirken. Dabei sieht es der DFB als Bestandteil eines guten und offenen Miteinanders an, wenn nötig auch kritische Standpunkte zu vertreten."

Über eine Enthaltung des DFB und andere Uefa-Verbände als Denkzettel war zuletzt spekuliert worden. Der europäische Dachverband streitet sich seit Monaten mit Infantino. Der zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte sich als großer Kritiker des Schweizers hervorgetan und, als er noch im Amt war, offengelassen, ob der DFB für Infantino stimmt oder sich enthält. Die Interimsspitze des DFB mit Rauball und Rainer Koch scheint auf Linie mit Infantino zu gehen.

Wofür wird Infantino in Europa kritisiert?

Der 49-Jährige hat die Fifa zur One-Man-Show gemacht, mehr noch als Blatter. Intern wurde massiv aufgeräumt, etliche Mitarbeiter in der Fifa-Zentrale wurden ausgetauscht. Die "Aufpasser" aus der Ethikkommission, die einst Blatter und den damaligen Uefa-Chef Michel Platini gesperrt hatten, durften auch nicht weitermachen. Infantino scheint nur noch daran gelegen zu sein, möglichst viele Milliarden mit dem Fußball zu verdienen. Sein jüngster Streich, die Reform der Klub-WM ab 2021, drückte er gegen den Widerstand aus Europa durch.

Welche seiner Pläne konnten bislang verhindert werden?

Das dubiose Angebot für den Verkauf zweier Wettbewerbe (Klub-WM und globale Nations League) sowie offenbar etlicher Rechte für rund 25 Milliarden Dollar wurde vom Fifa-Council zweimal abgeschmettert - vor allem wegen Infantinos Geheimnistuerei um die Identität der Investoren. Die Einführung der weltweiten Nations League musste der Schweizer ebenfalls verschieben. Sein großer Traum, schon die WM 2022 in Katar mit 48 Teams zu spielen, scheiterte zudem an der politischen Krise am Persischen Golf. Keiner der direkten Nachbarn des Emirats war zu eine Kooperation bereit.

Bleibt Infantinos Fifa das Feindbild für die deutschen Fans?

Mit Sicherheit dann, wenn der aktuelle Kurs, den Sport vermeintlich auszupressen, beibehalten wird. Allerdings ist es nicht nur die Fifa. Kurz vor der Reform der Klub-WM beispielsweise protestierte die europäische Klub-Vereinigung ECA lautstark und spielte sich als Bewahrer des Fußballs auf - inzwischen ist die mächtige Organisation dafür verantwortlich, dass in Europa über den Untergang der Champions League diskutiert wird. Das "Geschäft" mit dem Fußball, in dem die Interessen der Fans nur eine Nebenrolle spielen, wird auch in den kommenden vier Infantino-Jahren dasselbe bleiben.

Quelle: n-tv.de, dbe/sid

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