Technik

Google setzt Ausrufezeichen Pixel 6 lässt iPhone 13 fast alt aussehen

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Das Google Pixel 6 (links) kommt in auffälligeren Farben als die Pro-Variante.

(Foto: kwe)

Das Google Pixel 6 und seine Pro-Variante sind definitiv die interessantesten Smartphones des Jahres - vielleicht auch die besten. Von den Kameras bis zur Laufleistung zeigen sie keine Schwächen, die Preise sind stark und der neue Tensor-Chip verleiht den Geräten richtungsweisende KI-Fähigkeiten.

Nach der Vorstellung des ersten iPhones vor mehr als 14 Jahren war fast jedes neue Smartphone spannend und der technische Fortschritt bei den Geräten atemberaubend. Doch in den vergangenen zwei Jahren passierte nicht mehr viel. Meist änderten sich nur noch Details, Prozessoren und Bildwiederholfrequenzen wurden schneller, Kameras zum herausragenden Merkmal.

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Das Pixel 6 Pro hat zusätzlich ein Periskop-Teleobjektiv mit vierfacher optischer Vergrößerung.

(Foto: kwe)

Google hat das Smartphone nicht neu erfunden, bringt mit dem Pixel-6-Duo aber endlich wieder Schwung in die Entwicklung, indem es die mobile KI auf eine neue, richtungsweisende Ebene bringt. Auch in allen anderen Bereichen überzeugen die Geräte, was sie in diesem Jahr in der Branche zum Maß aller Dinge macht.

Mutiges, aber gelungenes Design

Google setzt schon mit dem Design des Pixel-6-Duos ein selbstbewusstes Ausrufezeichen. Genau genommen geht es um die Rückseite der Geräte, auf denen sich die Kameraeinheit in einem rund zwei Zentimeter schwarzen Balken von Seite zu Seite erstreckt, der knapp 3 Millimeter aus der Glasoberfläche herausragt. Hinzu kommen Farbkombinationen in Pastelltönen, die man sich erstmal trauen muss.

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Das Pixel 6 ist rund 5 Millimeter kürzer, aber mit 207 Gramm nur 3 Gramm leichter als das Pixel 6 Pro.

(Foto: kwe)

In der Realität sieht das nicht nur richtig gut aus, die Geräte fühlen sich auch stimmig an. Das trifft vor allem auf das "normale" Pixel zu, weil es einen griffigen rauen Aluminiumrahmen hat. Beim Pro ist er glatt, was das Gerät etwas rutschig macht. Der Kamera-Balken stört nicht, sondern hilft eher, die Geräte sicher zu halten. Außerdem liegen sie stabil auf dem Tisch und wackeln nicht, wenn man sie dort bedient.

Prächtige Displays mit 90 oder 120 Hertz

Beim Display unterscheiden sich die Pixels. Der 6,4 Zoll große OLED-Bildschirm des Standard-Modells ist flach, das 6,7-Zoll-Panel der Pro-Variante ist an den Seiten leicht gebogen, um es weniger wuchtig wirken zu lassen. Das ist nicht der einzige Unterschied. Das einfache Pixel kann bei Bedarf für eine flüssigere Anzeige die Bildwiederholrate von 60 auf 90 Hertz (Hz) hochsetzen. Mit 120 Hz hat das Pro nicht nur die höhere Frequenz, es kann sie zum Stromsparen bei Standbildern auch auf 10 Hz herunterfahren.

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Weitwinkel (Normalobjektiv), ...

(Foto: kwe)

Im direkten Vergleich sieht man den Unterschied, beispielsweise beim schnellen Scrollen. Im Alltag fällt es aber kaum auf. Das trifft auch auf die größere Schärfe zu, die das Pro mit QHD+ und einer Pixeldichte von 512 ppi bietet. FHD+ und 411 ppi reichen beim kleineren Display völlig aus. Beide Bildschirme bieten kräftige, realistische Farben und starke Kontraste. Außerdem können sie hell genug leuchten, um auch bei Sonnenlicht noch gut ablesbar zu sein.

Ein Chip für jede Gelegenheit

Pixel 6 und Pixel 6 Pro werden von Googles erstem eigenem Smartphone-Chip, dem Tensor, angetrieben. Im Pixel 6 kann er auf 8, im Pro auf 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zugreifen. In Benchmark-Tests schlägt er sich wacker. In Geekbench 5 beispielsweise erreicht er im Single-Core-Vergleich rund 1040 Punkte und lässt damit das Galaxy S21 Ultra hinter sich. Beim Einsatz aller acht Kerne unterliegt er dagegen Samsungs Flaggschiff mit 2800 zu 3180 Punkten.

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... Ultraweitwinkel-Objektiv.

(Foto: kwe)

Die sehr unterschiedlichen Resultate kommen daher, dass der Hauptprozessor zwei extrem starke Rechenkerne für Hochleistungsaufgaben hat. Dazu kommen nicht nur wie bei anderen Prozessoren vier schwächere und sparsamere Kerne für Alltagsaufgaben, der Tensor hat auch zwei "halbstarke" Kerne. Er kann also dosierter als andere CPUs arbeiten.

Gute Ausdauer

Zusammen mit Akkus, die rund 4600 beziehungsweise 5000 Milliamperestunden fassen, kam das Pixel-6-Duo so im Test auf sehr erfreuliche Laufzeiten, was bei ihren Vorgängern nicht immer der Fall war. Im Alltagsbetrieb hielt das Pro so auch zwei Tage ohne Steckdose durch, beim Standard-Modell verhält es sich kaum anders. Beide Smartphones können schnell und induktiv geladen werden, kommen aber ohne Netzteil.

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Weitwinkel, ...

(Foto: kwe)

Star des System on a Chip (SoC) ist die hausgemachte TPU (Tensor Processing Unit), die speziell für Aufgaben des maschinellen Lernens gemacht ist. Sie hat auch Anteil an der Sparsamkeit der Geräte, indem sie die Ressourcen intelligent verteilt. In erster Linie verleiht sie dem Pixel-Duo aber außergewöhnliche KI-Fähigkeiten bei Sprach- und Bilderkennung. Dabei geht es um Offline-Fähigkeiten, also die Verarbeitung auf dem Gerät, ohne Cloud-Unterstützung.

Offline-Übersetzung fast in Echtzeit

Unter anderem kann Googles Rekorder-App jetzt auch offline Sprache in Text umwandeln. Wenn man einigermaßen deutlich spricht, funktioniert das umwerfend gut, sogar Satzzeichen werden automatisch und meistens an der richtigen Stelle gesetzt.

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Ultraweitwinkel, ...

(Foto: kwe)

Verblüffend ist auch die Dolmetscherfunktion, die fast in Echtzeit Gespräche in zwei Sprachen übersetzen kann. Aktuell funktioniert das bisher nur mit Englisch, Deutsch und Japanisch, weitere sollen aber hinzukommen. 48 weitere Sprachen kann man online dolmetschen lassen.

Mehr Sprachen beherrscht die Text-Übersetzung ohne Internetverbindung, nicht nur in Google-Apps, sondern unter anderem auch in Whatsapp, Signal oder Facebook. Ist die entsprechende Sprache installiert, erscheint ein Übersetzen-Button über einem Chat oder Beitrag und nach einem Fingertipp ist alles im sichtbaren Bereich übersetzt. Am besten klappt das, wenn man sich gewählt in kompletten Sätzen ausdrückt, der übliche Chat-Slang führt gelegentlich zu lustigen, aber absurden Ergebnissen.

Starke Kameraausstattung

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... Tele-Kamera.

(Foto: kwe)

Die KI unterstützt auf den Pixel-6-Geräten auch die sehr guten Kameras. Das Pixel 6 hat eine Weitwinkelkamera mit 50 Megapixeln (MP) mit Blende f/1.85. Dazu kommt eine 12-MP-Ultraweitwinkel-Kamera (114 Grad) mit Blende f/2.2. Das Pro-Modell besitzt zusätzlich eine 48-MP-Teleobjektiv-Kamera mit vierfacher optischer Vergrößerung und eine Frontkamera, mit der 4K-Videos und Ultraweitwinkel-Selfies möglich sind.

Die Hauptkamera macht bei Tag und bei Nacht ausgezeichnete Aufnahmen. Bilder haben viele Details, kräftige, aber natürliche Farben und sind bei starken Kontrasten sehr gut ausgeleuchtet. Die Ultraweitwinkel-Kamera kann erstaunlicherweise trotz geringerer Auflösung meistens mithalten und überzeugt durch scharfe, weitgehend unverzerrte Randbereiche.

Pro kommt näher ran

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Vor dem Einsatz des "magischen Radierers" ...

(Foto: kwe)

Die Tele-Kamera des Pixel 6 Pro liefert tagsüber praktisch ebenso gute Fotos wie die Hauptkamera, nur eben mit bis zu vierfacher optischer Vergrößerung. Wegen der hohen Auflösung kann man problemlos auch weiter hineinzoomen, ohne allzu viele Details zu verlieren. Nachts ist die Tele-Kamera auch gut zu gebrauchen, solange es noch ein bisschen Licht gibt.

Die Videos der neuen Pixel-Geräte sind ebenfalls klasse. Sie kommen problemlos mit wechselnden Lichtverhältnissen klar und die Bildstabilisierung leistet ausgezeichnete Arbeit. Auch bei zweifacher Vergrößerung sind 4K-Aufnahmen mit 60 Bildern pro Sekunde möglich.

Die Kameras alleine sind schon sehr gut, aber noch nicht außergewöhnlich. Das i-Tüpfelchen liefert auch hier der Tensor-Chip mit diversen Verbesserungen und Werkzeugen, die ebenfalls offline funktionieren.

KI radiert, schärft und stabilisiert

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... und danach.

(Foto: kwe)

Zu den KI-Tools gehört der magische Radierer, der automatisch störende Objekte in einem Foto erkennt und nach einem Fingertipp entfernt. Man kann Bildelemente aber auch selbst markieren und dann "ausradieren". Bei einfachen Hintergründen klappt das prima, sobald es komplizierter wird, bleiben sichtbare Artefakte zurück.

Hübsche Resultate kann man mit dem Bewegungsmodus erzielen, der entweder ein sich bewegendes Objekt oder dessen Hintergrund scharf beziehungsweise unscharf macht. Wie beim Radierer werden immer die Originale mitgespeichert und gehen nicht verloren.

Vor allem Eltern werden den Scharfzeichner lieben. Bei verwackelten Bildern von Personen kann er nämlich das Gesicht automatisch schärfen, indem die KI die Resultate mehrerer Einzelbilder analysiert.

Android 12 rundet Gesamteindruck ab

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Bewegungsmodus mit Langzeitbelichtung ...

(Foto: kwe)

Zum gelungene Gesamteindruck des Pixel-6-Duos trägt auch Android 12 bei. Unter anderem passt die Software die Systemfarben dem Hintergrundbild an, das man für den Homescreen gewählt hat. Dazu kommen neue Schnelleinstellungen mit großen Symbolen und mehr Funktionen sowie hübschere und stärker anpassbare Widgets.

Wichtiger sind aber die verschiedenen neuen Sicherheitsfunktionen von Android 12. So sieht man sofort, wenn eine App Kamera oder Mikrophon benutzt. Auf Wunsch müssen Anwendungen mit dem ungefähren Standort zufrieden sein und ein neues Dashboard erlaubt Nutzern unkompliziert und schnell Datenschutz-Einstellungen vorzunehmen. Auch die Sicherheitseinstellungen sind übersichtlich in einem Hub zusammengefasst.

Neuer Sicherheitschip und fünf Jahre Updates

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... und als Action-Foto mit Schwenkeffekt.

(Foto: kwe)

Ergänzt werden die Sicherheitsfunktionen durch Googles neuen Sicherheitschip Titan M2. Er kooperiert mit dem Tensor-Sicherheitskern, um sensible Nutzerdaten, PINs oder Passwörter zu schützen.

Google garantiert außerdem mindestens fünf Jahre lang Sicherheitsupdates für die Pixel-6-Geräte. Und weil auch mindestens drei Android-Versionsupdates garantiert werden, sind die Smartphones langlebig.

Google bietet mehr als Apple für weniger Geld

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Google ist nicht der erste Smartphone-Hersteller, der einen KI-Chip zu bieten hat. Huawei war da besonders früh dran, ist aber durch den US-Boykott aus dem Rennen. Apple ist aktuell der einzige ernstzunehmende Konkurrent in dieser Hinsicht. Das Pixel-6-Duo hat aber ein etwas größeres KI-Talent und bietet für weniger Geld mehr als das iPhone-13-Quartett. Das Pixel 6 kostet mit 128 Gigabyte (GB) Flash-Speicher rund 650 Euro, das Pixel 6 Pro gibt's mit 128 GB für 900 Euro, für die 256-GB-Variante zahlt man knapp 1000 Euro.

Googles Erfolg ist damit zwar nicht garantiert. Als Smartphone-Hersteller hat das Unternehmen vor allem außerhalb der USA bisher keinen großen Namen, die Marktanteile sind noch marginal. Außerdem war der Preis für iPhone-Käufer nie alleine entscheidend und Apple hat das Zeug dazu, im kommenden Jahr zurückzuschlagen. Google bringt aber mit den Pixel-6-Geräten auf jeden Fall neuen Schwung in die Smartphone-Entwicklung, indem es Samsung, Apple und andere dazu zwingt, etwas mehr als zuletzt zu bieten.

Quelle: ntv.de

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