Technik

Langlebig und gut ausgestattet Modulares Fairphone 4 ist E-Müll-neutral

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Die abnehmbare Rückseite des Fairphone 4 besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff.

(Foto: Fairphone)

Das Fairphone 4 ist das weltweit erste Smartphone, durch das kein zusätzlicher Elektronikmüll entstehen soll. Das modular aufgebaute Smartphone bietet außerdem eine 5-Jahres-Garantie und konkurrenzfähige Technik zu einem fairen Preis.

Seit 2013 hat sich die niederländische Firma Fairphone auf die Fahne geschrieben, lange haltbare Smartphones zu produzieren und bei Herstellung und Produktion sowie Ressourcengewinnung Rücksicht auf die Umwelt und die Belange der Arbeiter zu nehmen. Jetzt kommt die vierte Generation des Fairphone auf den Markt, die einen großen Fortschritt für das Unternehmen und die Idee, die hinter dem Projekt steht, darstellt.

Das Fairphone 4 ist das weltweit erste Smartphone, das E-Müll-neutral sein soll. Das heißt, durch seine Produktion soll kein neuer Elektromüll entstehen. Der Hersteller will dies erreichen, indem er entweder für jedes produzierte Gerät ein anderes Mobiltelefon oder die entsprechende Menge Elektroschrott recycelt oder ein altes Smartphone für den Weitergebrauch generalüberholt. Die Geräte für das Programm stammen aus europäischen Rücknahme-Aktionen von Fairphone oder werden aus Ländern ohne offizielle Recycling-Infrastruktur nach Europa zur umweltgerechten Verarbeitung gebracht.

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Alle acht Module können Nutzer selbst wechseln.

(Foto: Fairphone)

Die Rückseite des Fairphone besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Polycarbonat. Wenn wiederverwertbares Material nicht zur Verfügung steht, versucht das Unternehmen, so weit wie derzeit möglich zu garantieren, dass die Rohstoffe fair beschafft werden. Das heißt unter anderem, dass Arbeiterinnen und Arbeiter in Minen und Fabriken eine angemessene Entlohnung erhalten und keine Kinder ausgebeutet werden.

Faire Arbeitsbedingungen und Löhne

Fairphone hat die Liste von fairen Materialien, die bei der Herstellung des Fairphone 4 verwendet werden, um sechs Komponenten auf 14 erweitert: Fairtrade-zertifiziertes Gold, Aluminium von Lieferanten, die nach dem Aluminium Stewardship Initiative (ASI) Performance Standard zertifiziert sind, faires Wolfram aus Ruanda sowie recyceltes Zinn, seltene Erden und Kunststoffe.

Perfekt ist das Programm noch nicht, macht aber große Fortschritte: Im vergangenen Jahr wurden laut Fairphone etwa 56 Prozent der ursprünglich acht Schlüssel-Materialien nachhaltig beschafft. Das entspräche fast einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr.

Modular und langlebig

Damit das nach IP54 vor Spritzwasser und Staub geschützte Fairphone 4 lange genutzt und repariert werden kann, ist es wie seine Vorgänger modular aufgebaut. Das heißt, man kann Akku, Display, Kameras und weitere Komponenten im Shop des Unternehmens kaufen und selbst austauschen. Insgesamt gibt es acht Module. Fairphone schließt auch keine Upgrades, also verbesserte Einzelteile, aus. Beim Vorgänger gab es die schon.

Fairphone gibt eine auf fünf Jahre erweiterte Garantie, wenn das Gerät noch in diesem Jahr gekauft wird. Für den Akku gilt als Verschleißteil allerdings grundsätzlich nur die reguläre Gewährleistung von zwei Jahren.

Das installierte Betriebssystem Android 11 soll auf jeden Fall auf die beiden folgenden Versionen aktualisiert werden. Falls möglich, sollen ein, zwei weitere folgen. Für die ersten zwei Jahre wird es monatliche Sicherheitsupdates geben, danach in längeren Abständen.

Gute Mittelklasse-Technik

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Die beiden Kameras werden von einem Infrarot-Sensor zur Tiefenmessung unterstützt.

(Foto: Fairphone)

Anfangs mussten Käufer eines Fairphone akzeptieren, dass mit diesem Konzept keine technisch anspruchsvollen Geräte hergestellt werden können. Das hat sich geändert, das Fairphone 4 ist zwar kein "Flaggschiff-Killer", aber ein sehr solides Mittelklasse-Gerät.

Es hat unter anderem ein 6,7 Zoll großes LCD mit einer scharfen Pixeldichte von 410 ppi, das von Gorilla Glass 5 geschützt wird. Mit Qualcomms sehr gutem Mittelklasse-Chip Snapdragon 750G hat das Fairphone genügend Kraft und ist 5G-fähig. Dem Prozessor stehen wahlweise 6 oder 8 Gigabyte (GB) zur Seite, der Flash-Speicher ist 128 oder 256 GB groß.

Der Akku hat mit 3905 Milliamperestunden keine allzu große Kapazität. Laut Fairphone hat man vor allem darauf geachtet, dass die Qualität stimmt. Außerdem nimmt eine austauschbare Batterie viel Platz weg, ein größerer Akku hätte das Gerät zu dick werden lassen. Mit 162 x 75,5 x 10,5 Millimeter ist das Fairphone 4 aber für ein modulares Smartphone sehr handlich und mit 225 Gramm auch nicht zu schwer.

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Ein großer Schwachpunkt der Vorgänger war immer eine dürftige Kameraausstattung. Beim Fairphone 4 ist das nicht so. Eine optisch stabilisierte Hauptkamera mit 48 Megapixeln (MP) und Blende f/1.6 sowie eine 48-MP-Ultraweitwinkel-Kamera mit Blende f/2.2 machen ersten Eindrücken nach einen sehr ordentlichen Job - auch nachts. Die Frontkamera löst mit 25 MP auf.

Die Preise des Fairphone 4 sind angesichts des langlebigen und nachhaltigen Konzepts ebenfalls fair. Das Modell mit 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Flash-Speicher kostet rund 580, die Variante mit 8 und 256 GB 650 Euro. Die Vorbestellungen starten am 30. September, ab dem 25. Oktober sind die Geräte erhältlich.

Quelle: ntv.de, kwe

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