Marktberichte

Plus an der Wall Street Dax macht 130-Punkte-Satz: Jahreshoch

Der wichtigste Termin der Börsenwoche wartete mit einer Überraschung auf. Aber die Anleger lesen aus der US-Zinserhöhung und den Aussagen von Fed-Chefin Yellen überwiegend Positives heraus. Die Rally geht weiter.

Nach einem Tag Verschnaufpause hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag seinen Aufwärtstrend wieder aufgenommen. Zur Wochenmitte hatte der Dax nach sieben positiven Tagen in Folge leichte Verluste verzeichnet, in Vorgriff auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Die fiel dann wie erwartet aus. Der Dax kletterte deshalb am Donnerstag auf ein neues Jahreshoch - und auch der Dow marschierte wieder. "Die Dax-Anleger haben keine Angst vor steigenden Zinsen. Das war bereits eingepreist", kommentierte n-tv-Börsebexpertin Susanne Althoff. "Steigende Zinsen sind nicht schlecht, denn sie sind auch ein Zeichen von konjunktureller Stärke", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

Der Dax schloss 1,1 Prozent fester bei 11.366 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 11.377 Stellen. Der MDax verabschiedete sich 0,3 Prozent im Plus mit 21.697 Zählern. Der TecDax zog 1,2 Prozent auf 1761 Stellen an.

Konjunktur: US-Zinsen rauf

Die Fed hatte sich - neben der wie erwartet ausgefallenen Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 0,50 bis 0,75 Prozent - "aggressiver" gezeigt als erwartet. Statt mit zwei rechnet sie nun mit drei Zinserhöhungen im kommenden Jahr. "Die Debatte, ob, wie und wann die Notenbanken die Zügel wieder anziehen könnten, nimmt Fahrt auf", fasste Deutsche-Bank-Anlagestratege Ulrich Stephan zusammen.

"Janet Yellen hat dem Markt geliefert was gewünscht war", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Mit Blick auf 2017 hält sie sich bedeckt und deckt ihre Karten nicht auf. Weitere Zinserhöhungen sind möglich - die US-Notenbank stellt bis zu drei Zinsschritte 2017 in Aussicht -, sie sind jedoch kein Naturgesetz." 

Die Aussagen der Fed-Chefin seien als erste Reaktion auf den künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu interpretieren, hieß es indes aus dem Markt. Trump habe die Inflationserwartungen mit seinen Steuer- und Investitionsversprechen getrieben. Ob Trumps Politik zu einer Verschärfung der geldpolitischen Gangart führt, ließ Yellen selbst jedoch offen. "Bis es klare Signale geben wird, dass Trumps Politik nicht machbar ist, wird es schwierig sein, gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen den Dollar zu stellen", sagte Devisenexperte Koji Fukaya vom Handelshaus FPG Securities.

Devisen: Euro auf 14-Jahrestief

Die deutlichsten Auswirkungen des Zinsentscheids waren am Devisenmarkt zu spüren. Der Dollar haussierte, der Euro geriet mächtig unter Druck. Die Gemeinschaftswährung sackte bis auf ein Tagestief von 1,0395 Dollar ab - ein neues Jahrestief. Am späten Abend lag der Euro bei 1,0415 Dollar. Das entsprach einem Abschlag von 1,1 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0419 Dollar fest nach 1,0644 Dollar zur Wochenmitte.

Für den Euro trübt sich das charttechnische Bild nach einem Fall unter 1,0460 Dollar weiter ein, sagten die Analysten der Helaba. Erstmals seit der Trump-Wahl stand nun die Euro-Unterstützung bei knapp 1,05 Dollar im Blick. "Seit der Fed-Sitzung steht sie unter Beschuss", sagte ein Händler. Die 1,05 markiert das untere Ende der Seitwärtsspanne der vergangenen zwei Jahre. "Die Parität noch in diesem Jahr ist möglich", so ein Devisenhändler. Ein Euro wäre dann nur noch einen Dollar wert. Zuletzt hatte man Ende 2002 einen Dollar für einen Euro bekommen.

An den Devisenmärkten gerieten vor allem auch Währungen aus Schwellenländern wie der chinesische Yuan oder die türkische Lira unter Druck. Anleger fürchteten, dass Investoren Kapital abziehen und in den Dollar-Raum verlagern werden.

USA: Dow Jones auf Kurs 20.000

An der New Yorker Wall Street stehen die Zeichen am Tag nach der Zinsentscheidung der Fed auf Kaufen. Die US-Börsen lagen dabei nur knapp unter ihren jüngsten Rekordhochs. Unterstützung kam vor allem von den Bankenwerten nach der Zinserhöhung. Der Dow-Jones-Index flirtete kurzzeitig mit der 20.000er-Marke.

Derzeit gibt es nach Einschätzung des Finanzdienstleisters ETX Capital starke Aufwärtskräfte. Es werde deshalb nicht mehr lange dauern, bis die psychologisch wichtige Marke nach oben durchbrochen werde. Da sich die Gespräche am Markt derzeit um die Marke drehten, dürfte sie sich bald als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung entpuppen.

Die US-Notenbank hatte den Leitzins am Mittwochabend wie erwartet um einen Viertelpunkt angehoben und signalisierte für 2017 drei weitere Schritte. Händler werteten die Erhöhung als einen Vertrauensbeweis der Federal Reserve angesichts der Stärke der Wirtschaft.

Der Dow Jones gewann 0,3 Prozent und schloss bei 19.852 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,4 Prozent auf 2262 Punkte vor. Der technologielastige Nasdaq Composite verbesserte sich um ebenfalls 0,4 Prozent auf 5457 Zähler.

Bei den Einzelwerten gehörte Mondelez mit einem Kursplus von 4,6 Prozent zu den Favoriten. Medienberichten zufolge hat der Lebensmittelkonzern Kraft Heinz ein Auge auf den "Milka"-Macher geworfen. Kraft-Titel legten um 1,4 Prozent zu.

Bankenwerte zählten ebenfalls zu den Gewinnern. So legten Goldman Sachs, Bank of America und Citigroup um 1,6, 2,2 beziehungsweise 1,5 Prozent zu. Yahoo verloren dagegen 2,7 Prozent. Hacker haben die Daten von einer Milliarde Nutzern des Internet-Konzerns gestohlen. Investoren befürchten nun, dass die geplante Übernahme des Kerngeschäfts des Internet-Pioniers durch den Telekomkonzern Verizon nicht zustande kommen könnte.

Dax: Banken gesucht

Bei den Einzelwerten im Dax waren Banken gefragt, Immobilienwerte dagegen nicht. Vonovia fielen etwa 2 Prozent. "Die US-Zinserhöhung und die überraschende Aussicht auf gleich drei weitere Zinserhöhungen in den USA 2017 plus die erhöhten Inflationsprognosen, dürften Anleger weltweit weiter aus Anleihen treiben", sagte ein Händler. Entsprechend werde es mit den "Bond Proxies", also den rentenähnlichen Aktien aus den defensiven Branchen, weiter nach unten gehen.  Bei Vonovia sei das Abwärtspotenzial besonders hoch, weil das Papier als Dax-Titel in vielen internationalen Portfolios liege.

Deutsche Bank zogen dagegen zogen dagegen fast 5 Prozent an. Bei der Commerzbank betrug das Plus rund 2,5 Prozent.

Linde-Papiere verteuerten sich 2 Prozent, nachdem Details über eine Fusion mit Praxair bereits feststehen sollten. Wie "Wirtschaftswoche" und "Handelsblatt" berichteten, soll der Hauptsitz in die USA gehen, Konzernchef der jetzige Praxair-Chef Steve Angel werden. Die Aktie soll zwar ein "Dual-Listing" in New York und Frankfurt bekommen, langfristig dürfte aber ein Austrocknen der Umsätze in Frankfurt zu erwarten sein. "Fonds werden sich ab jetzt sicherlich anschauen, wer Nachfolger von Linde im Dax wird", sagte ein Händler.

MDax: Metro als "Basket"

Metro-Aktien gaben leicht nach. "Die Details zur Aufspaltung sind besser als erwartet und wertsteigernd für die Aktie", sagte ein Händler. Die Lebensmittelmärkte sollen der Metro-Mitteilung zufolge in der Metro Wholesale & Food Specialist AG (MWFS) zusammengefasst werden und als "Metro AG" auftreten. Die Elektrokette Media-Saturn soll unter dem Kunstnamen "Ceconomy AG" firmieren. Vor allem dieser Bereich dürfte vom Markt deutlich höher bewertet werden. "Die jetzige Metro-Aktie ist damit als Basket aus Metro-Neu und Ceconomy zu betrachten, der in der Summe deutlich mehr wert sein sollte", so der Händler.

Mit der Dollar-Stärke nach der Fed-Sitzung gerieten Dollar-Gewinner wie Airbus in den Blick. "Sie dürften am stärksten von der Dollar-Stärke profitieren", sagt ein Händler. Aktien von Airbus gewannen 2,8 Prozent.

SDax: Rocket im Blick

Unterschiedlich waren die Meinungen im Handel zum Verkauf der britischen Tochter durch die Rocket-Internet-Beteiligung Delivery Hero. "Der Preis von 240 Millionen Pfund ist gut, das sollte die Aktie treiben", sagte ein Händler. Die Mehrzahl der Stimmen ist jedoch negativ: "Wenn ein angebliches Wachstumsunternehmen Töchter verkauft, die gerade in einem Wachstumsmarkt wie Großbritannien liegen, zeigt das, dass sie etwas nicht richtig machen", so ein anderer Marktteilnehmer. Rocket Internet verbesserten sich etwa 1 Prozent.

TecDax: Strato zu United Internet

Um mehr als 5 Prozent ging es für United Internet nach oben. Das Unternehmen übernimmt den Webhosting-Anbieter Strato für 600 Millionen Euro von der Deutschen Telekom. Strato komme mit über 500 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von 127 Millionen Euro und 48,5 Millionen Euro Betriebsgewinn, teilte United Internet mit. Der Deal soll bis Sommer 2017 unter Dach und Fach sein.

Rohstoffe: Goldpreis sackt Richtung 1100 Dollar

Der Goldpreis war neben dem Euro der große Verlierer der US-Zinsentscheidung. Das keine Zinsen abwerfende Gold leidet unter der Aussicht auf steigende Zinsen und dem steigenden Dollar. Der Preis der Feinunze fiel bis zum späten Abend um 1,2 Prozent auf rund 1128 Dollar. Sollte der Dollar noch stärker werden, könnte der Goldpreis die 1100er Marke je Feinunze testen, hieß es am Markt.

Die Ölpreise berappelten sich am Abend etwas. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zu US-Handelsschluss 54,18 Dollar. Das waren 0,5 Prozent mehr als zur Wochenmitte. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg minimal um 0,1 Prozent auf 52,13 Dollar.

Am Mittwochabend war der Ölpreis erheblich unter Druck geraten - wegen der Leitzinserhöhung der Fed. Der Dollar gewann daraufhin deutlich an Wert. Das in der US-Währung gehandelte Rohöl wurde damit teurer, was Nachfrage und Preise drückte.

Asien: Nikkei auf Jahreshoch

Die Fernost-Börsen fanden nach der Zinserhöhung der Fed keine einheitliche Richtung. Die Ankündigung der US-Notenbank, im nächsten Jahr die Zügel weiter anziehen zu wollen, sorgte etwa in Tokio zunächst für Kursgewinne. Danach drehte die Börse aber wieder ins Minus. Der Leitindex Nikkei ging schließlich 0,1 Prozent höher bei 19.274 Punkten aus dem Handel.  

Der Dollar verbuchte Gewinne zum Yen. Das half japanischen Exportwerten. So legten die Aktien von Toyota 1,8 Prozent zu, die von Honda 1,4 Prozent.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte mit 1,48 Prozent im Minus. Der Shanghai Composite verabschiedete sich 0,7 Prozent leichter aus dem Handel mit 3118 Zählern. in Hongkong  wurden beim HSI Abschlägen von knapp zwei Prozent verbucht. Die Börsen in Taiwan und Südkorea tendierten kaum verändert.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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