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Auch bei "moderatem" Trinken Alkoholbezug bei vier Prozent der Krebsfälle

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Unter den Menschen mit Krebsdiagnose in der Studie waren vor allem solche mit hohem Alkoholkonsum, in 14 Prozent der Fälle aber auch Personen mit "moderatem" Trinkverhalten.

(Foto: picture alliance / ANP)

Alkohol schädigt die DNA und beeinflusst den Hormonhaushalt - das kann zu einer Krebserkrankung beitragen. Zu dem Schluss kommt eine Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung. Alkoholkonsum stünde im Zusammenhang mit vier Prozent aller 2020 erstmals festgestellten Krebsfälle weltweit.

Etwa vier Prozent aller im vergangenen Jahr erstmals festgestellten weltweiten Krebserkrankungen könnten nach Einschätzung einer Expertenkommission mit dem Konsum von Alkohol zusammenhängen. Das Team um Harriet Rumgay von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon präsentiert seine Studie im Journal "The Lancet Oncology".

In absoluten Zahlen ging es um gut 741.000 Fälle, die laut Studie mit Alkoholkonsum verbunden sein könnten. In etwa drei Viertel der Fälle seien Männer betroffen.

In Deutschland standen den Berechnungen zufolge im vergangenen Jahr etwa 21.500 erstmals diagnostizierte Krebserkrankungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol. Das sei ebenfalls ein Anteil von vier Prozent. Besonders hoch lag der geschätzte Anteil unter anderem in Osteuropa und Ostasien mit etwa sechs Prozent. Die geringste Rate hatten Nordafrika und Westasien.

Unter Diagnostizierten auch solche mit "moderatem" Trinkverhalten

Unter den Diagnostizierten befänden sich zwar vor allem Menschen mit hohem Alkoholkonsum. In 14 Prozent der Fälle seien es jedoch auch Personen mit "moderatem" Trinkverhalten gewesen - das entspreche 20 Gramm Alkohol pro Tag, also etwa zwei kleinen Gläsern Wein oder einem halben Liter Bier.

Nach Angaben der Studie beschädigt Alkohol die menschliche DNA und beeinflusst den Hormonhaushalt im Körper, was zu einer Krebserkrankung beitragen kann. Besonders häufig im Zusammenhang mit Alkohol seien Speiseröhren- und Leberkrebs und bei Frauen auch Brustkrebs.

Die Studie arbeitete mit geschätzten Werten. Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Alkoholkonsum sowie gemeldete Krebserkrankungen gingen daher nicht mit in die Ergebnisse ein.

OECD: Corona könnte Einfluss auf Alkoholkonsum haben

Die Corona-Pandemie könnte die Trinkgewohnheiten vieler Menschen einer Untersuchung zufolge verändern. Erfahrungen aus früheren Krisen ließen vermuten, dass es mittelfristig eine Zunahme des problematischen Alkoholkonsums geben könnte, hieß es in einem am 19. Mai veröffentlichten Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Sitz in Paris.

Übermäßiger Alkoholkonsum sei nach traumatischen Ereignissen zur Stressreduzierung durchaus üblich - das erhöhe das Risiko zum Griff zur Flasche. Zweifellos habe Covid-19 Menschen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt erschüttert und die Voraussetzungen für langfristige physische und psychische Probleme geschaffen, hieß es weiter. "Die Pandemie hat auch die Probleme aufgezeigt, die mit schädlichem Alkoholkonsum verbunden sind - insbesondere im familiären Umfeld", schreiben die Fachleute.

Deutschland hat einen der höchsten Alkoholkonsumwerte

Insgesamt hätten die meisten Menschen ihre Alkohol-Trinkmenge nicht verändert - aber von denen, die es taten, habe ein größerer Anteil den Konsum erhöht, hieß es in einem Papier zum Thema. Außerdem habe sich die Trinkhäufigkeit erhöht.

Dem OECD-Bericht zufolge hat Deutschland einen der höchsten Alkoholkonsumwerte. Es würden 12,9 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr getrunken, was ungefähr 2,6 Flaschen Wein oder 5 Liter Bier pro Woche pro Person ab 15 Jahren entspricht. Gut ein Drittel der Erwachsenen (34 Prozent) trinkt mindestens einmal im Monat viel - das heißt mehr als 80 Prozent einer Flasche Wein oder 1,5 Liter Bier pro Anlass. Dem Bericht nach sind in Deutschland 3,5 Prozent der Erwachsenen alkoholabhängig.

Quelle: ntv.de, abe/dpa

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