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Besteigung vor 40 Jahren Als Messner den K2 ohne Sauerstoff bezwang

Der Extrembergsteiger und Abenteurer Reinhold Messner hat noch einiges vor.jpg

Der Extrembergsteiger Messner feiert heute seine 40-jährige K2-Besteigung.

(Foto: dpa)

In Zeiten, in denen am Mount Everest Menschen trotz Sauerstoffflaschen sterben, wirken die erfolgreichen Besteigungen von Reinhold Messner umso erstaunlicher. Vor genau vier Jahrzehnten erreichte er gemeinsam mit Michael Dacher den K2. Heute kritisiert Messer das Verhalten vieler Kletterer.

Vor genau 40 Jahren hat Bergsteiger Reinhold Messner mit seinem deutschen Kollegen Michael Dacher den K2 im Karakorum-Gebirge erreicht, ohne dabei eine Sauerstoff-Maske zu benutzen. Das Duo kletterte rund 8611 Meter auf den Gipfel und verzichtete dabei auch auf die Hilfe von Hochgebirgsträgern, sogenannten Sherpas. Der K2 liegt im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China. In einem Interview mit der Südtiroler "Presse" erklärte Messner vor einigen Jahren, dass die Passage kurz unterhalb des Gipfels eine "höllisch gefährliche Angelegenheit" sei.

Nach der Engstelle gebe es eine "unendliche Schinderei". Diese Schinderei durchlebte der heute 74-Jährige mit Michael Dacher. Die beiden blieben von einer ursprünglich sechsköpfigen Kleinexpedition übrig. Ursprünglich sollten noch weitere Expeditionsteilnehmer auf den K2 klettern, doch aufgrund des schlechten Wetters mussten die anderen ihre Versuche abbrechen. Die Ärztin Ursula Grether hatte sich schon zu Beginn der Tour verletzt und musste zum Ausgangspunkt getragen werden, sodass Messner und Dacher am Ende alleine unterwegs waren.

Dacher legte den historischen Aufstieg in seinen Jahresurlaub. Sie schafften den Aufstieg ohne die heute oftmals üblichen Sauerstoffflaschen oder -masken. Ihre Strecke war mit Fixseilen und Hochlagern ausgestattet. Die Bergsteiger wählten dafür die direkte Route durch die Südwand, die Messner später als "Magic Line" bezeichnete. Der Besteigung gelang außerdem in Rekordzeit.

Sauerstoffdruck als schleichendes Gift

Heute kritisiert Messner, dass unzählige Klettertouristen unter anderem auf dem Mount Everest unterwegs seien. Der Berg würde "in Seile und Ketten gelegt", sagte Messner 2018 dem "Stern". "Wenn dort Hunderte von Leuten mit Reisegruppen zum K2 oder zum Everest reisen und den ganzen Weg präparieren lassen und sich darauf verlassen, dass dann schon alles gut geht, dann muss früher oder später ein Unfall passieren", sagte Messner bereits vor mehr als zehn Jahren in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Der Südtiroler hatte auch den Everest bestiegen, erstmals am 8. Mai 1978 gemeinsam mit Peter Habeler. Sie waren auch dort die ersten Menschen, die den Berg ohne zusätzlichen Sauerstoff erreichten. "Die Höhe ist ein Luder, der mangelnde Sauerstoffdruck ein schleichendes Gift", sagte Habeler später dem "Standard". Der Everest-Tourismus sei auch ein Problem für Bergsteiger, die ohne Sauerstoff unterwegs seien, erklärte Habeler 2012: "Wenn das Wetterfenster passt, dann sind schon mal 100 Leute gleichzeitig unterwegs, die alle Sauerstoff aus Flaschen nehmen." Wenn einer ohne zusätzlichen Sauerstoff unterwegs sei, dann habe er ein großes Problem, weil er nicht überholen könne und oftmals warten müsse, kritisiert er.

Gemeinsam wollten Messner und Habeler damals die Zweierseilschaft perfektionieren. Messner würde der Everest heutzutage nicht mehr reizen. "Natürlich könnte ich noch auf den Everest steigen - auf der Piste, die inzwischen präpariert wird, mit Sauerstoffgerät und Ärzten, die mich betreuen. Aber das wäre mir dann peinlich", sagte er anlässlich seines Everest-Jubiläums vor einem Jahr. Ebenfalls im Jahr 1978 war Messner der erste Mensch, der am Nanga Parbat einen 8000er-Berg im Alleingang bestieg.

Ärzte warnten Messner und seine Kollegen vor den 8000er-Besteigungen ohne zusätzlichen Sauerstoff. Sie erklärten, dass ein Mensch in dieser Höhe nicht ohne Sauerstoffflasche überleben könne, ohne Schaden davonzutragen. Doch Messner entgegnete später: "Große Schäden hinterlässt dieses Bergsteigen nicht."

Quelle: n-tv.de, sgu

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