Wissen

Studien liefern Anhaltspunkte Brauchen alle eine Viertimpfung?

0ef52521c09f05fd7cae33119b392b2c.jpg

Israel impft seit Jahresanfang bestimmte Gruppen zum vierten Mal.

(Foto: dpa)

Noch sind nicht alle Menschen geboostert, da steht schon die Frage nach dem Booster-Booster im Raum. Bisher sind allerdings nur wenige Personengruppen klar, die den vierten Piks haben sollten.

Während hierzulande noch die Boosterkampagne läuft, die den meisten Menschen die dritte Impfung verschaffen soll, wird andernorts schon über die Viertimpfung nachgedacht oder sogar schon verabreicht. Doch für wen muss diese weitere Impfstoffgabe überhaupt in Betracht gezogen werden?

Die meisten Länder, die eine vierte Impfung anbieten, priorisieren nur ausgewählte Gruppen - so handhaben es etwa Israel, das Vereinigte Königreich und die USA. In Israel haben inzwischen mehr als 250.000 Menschen eine vierte Impfstoffgabe erhalten. Dort bekommen die Viertimpfung entsprechend einer Expertenempfehlung bisher nur über 60-Jährige, Immungeschwächte und medizinisches Personal. Um die Sicherheit der vierten Impfung und die Antikörperreaktion zu untersuchen, erfasste ein Team des Sheba Medical Center in der Nähe von Tel Aviv für eine Studie 154 Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter.

Alle Teilnehmenden hatten ihre erste Auffrischimpfung vor dem 20. August erhalten und Antikörperwerte unter 700. In dieser Kohorte stieg die Antikörperkonzentration eine Woche nach der vierten Dosis Biontech um das Fünffache. Das schütze "höchstwahrscheinlich" deutlich besser vor Infektionen, Krankenhauseinweisungen und schweren Symptomen, hieß es Anfang Januar, als Israels Ministerpräsident Naftali Bennett vorläufige Ergebnisse der noch nicht publizierten Studie bekannt gab.

Lücken bei Immunsupprimierten

In Großbritannien wurden für weitere Erkenntnisse Ergebnisse der Studie Octave (Observational Cohort Trial T Cells Antibodies and Vaccine Efficacy in Sars-CoV-2) herangezogen. Demnach sprach etwa die Hälfte der immunsupprimierten Patienten, die nach zwei Impfungen keine Antikörperreaktion zeigten, auf eine dritte Dosis an. Für ein Viertel dieser Patientengruppe (inklusive jener mit Antikörperreaktion nach der zweiten Impfung) reichten jedoch auch drei Impfungen nicht aus, erklärte Michelle Willicombe vom Imperial College Healthcare NHS Trust in London im "British Medical Journal". Die Fachärztin für Transplantationsnephrologie leitete im Rahmen der Octave-Studie die Kohorte der Nierenpatienten. Diese Patienten, deren Immunsystem supprimiert sei, würden eine vierte Dosis benötigen, um überhaupt eine nachweisbare Immunreaktion zu erreichen.

Diese Einschätzung teilt auch der Münchner Internist und Fachimmunologe Hendrik Schulze-Koops. Im Moment werde eine vierte Impfung tatsächlich nur Patienten empfohlen, die entweder einen Immundefekt haben oder schwere immunsuppressive Therapien bekommen, sagte Schulze-Koops ntv.de. "Da empfehlen wir möglicherweise eine vierte Impfung, damit man tatsächlich ein bisschen was erreicht gegenüber gar nichts."

Als Alternative dazu gebe es sonst die passive Immunisierung. Dabei versuche man mit im Labor hergestellten Antikörpern, die verschiedene pharmazeutische Hersteller inzwischen zur Verfügung stellen, zu verhindern, dass sich die Virusinfektion ausbreitet.

Noch zu wenig Daten

Jonathan Sterne, Professor für medizinische Statistik und Epidemiologie an der Universität von Bristol, hatte sich zuvor bereits abwartend gezeigt, ob eine vierte Dosis die Krankenhauseinweisungen und -behandlungen reduzieren wird. Seiner Ansicht nach erfolgt die Gabe einer vierten Impfung "hauptsächlich vorsorglich". Es gebe "nur sehr wenige Hinweise auf ihre Wirkung, weder aus Studien zur Immunfunktion noch aus Beobachtungsstudien zu klinischen Ereignissen", sagte Sterne.

Mehr zum Thema

Aus diesem Grund hatte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zusammen mit ihrem Team auch Blutproben von geimpften Personen auf Antikörper untersucht und geprüft, wie gut diese eine Omikron-Infektion im Vergleich zu einer Delta-Infektion neutralisieren können. Darunter waren Krankenhausmitarbeiter, die im Januar 2021 als Frontline-Worker als Erste geimpft worden waren und die bereits im Sommer ihre dritte Impfung mit Biontech erhalten hatten.

Bei ihnen war Ciesek zufolge der Schutz vor einer Infektion mit Delta mit 85 Prozent auch drei bis vier Monate nach dem Booster "sehr robust", wie aus der im Preprint veröffentlichten Studie hervorgeht. "Bei Omikron waren neutralisierende Antikörper aber nur noch bei 25 Prozent der Personen nachweisbar, bei denen die dritte Impfung drei bis vier Monate her war." Ein Großteil hätte zu diesem Zeitpunkt keine neutralisierenden Antikörper mehr, berichtete die Virologin aus Frankfurt. Ein oder zwei Monate nach dem Booster sei hingegen noch ein deutlicher Anstieg der Antikörper zu verzeichnen gewesen. Trotzdem empfiehlt auch Ciesek keine Viertimpfung für alle. Dafür sei die Datenlage noch zu dünn.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.