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Zahl der Erdrutsche steigt enorm Dauerfrostboden in kanadischer Arktis taut

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Durch das Auftauen des Permafrostbodens verändert sich die Landschaft der Arktis.

(Foto: Antoni G. Lewkowicz/dpa)

Die Arktis ist eine der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. Dort steigen die Temperaturen schneller als anderswo. Als eine Folge setzt sich der auftauende Boden in Bewegung. "Wir können nicht Tausende von Auftau-Einbrüchen aufhalten, sobald sie beginnen", schlägt ein Forscher Alarm.

Die infolge des Klimawandels steigenden Temperaturen in der Arktis führen zu einer drastischen Zunahme von Erdrutschen: 2013 gab es auf einer Insel im kanadisch-arktischen Archipel mehr als 60 Mal so viele Erdrutsche wie 1984, haben kanadische Wissenschaftler anhand von Satellitenaufnahmen ermittelt. Das liegt daran, dass das Eis im Permafrostboden taut, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Die Anzahl der Erdrutsche zeige einen klaren Zusammenhang mit der Durchschnittstemperatur im Juli und August.

Antoni Lewkowicz von der University of Ottawa und Robert Way von der Queen's University in Kingston (beide Kanada) hatten Satellitenaufnahmen von der Banksinsel ausgewertet. Sie stammten aus dem Datensatz Google Earth Engine Timelapse. Die Insel ist mit rund 70.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Bayern, hat aber nur wenig mehr als 100 Einwohner. Der Permafrostboden erreicht eine Dicke von bis zu 500 Tiefe. Die Vegetation ist größtenteils die einer Kältesteppe, mit vor allem Flechten, Moosen, Gräsern und niedrigen Sträuchern. Im Januar beträgt die durchschnittliche Lufttemperatur minus 28 Grad Celsius, im Juli 7 Grad.

Tausende Erdrutsche

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2013 gab es auf einer Insel im kanadisch-arktischen Archipel mehr als 60 Mal so viele Erdrutsche wie 1984, haben Wissenschaftler ermittelt.

(Foto: Antoni G. Lewkowicz/dpa)

Wenn in warmen Sommern der Permafrostboden an der Oberfläche auftaut, verlieren Böden an Geländeneigungen den Halt, den zuvor das Eis im Boden gegeben hatte. Ein Erdrutsch ist die Folge. Solche Erdrutsche können länger aktiv sein, teils für Jahrzehnte. Die Abbruchkante verlagert sich dabei immer weiter nach hinten. Auf Aufnahmen aus dem Jahr 1984 zählten die Forscher 63 solcher aktiven Erdrutsche, im Jahr 2013 waren es 4077. Insgesamt wurden in den drei Jahrzehnten mehr als 4500 Erdrutsche ausgelöst.

Während sie in den 1980er-Jahren überwiegend in Küstennähe stattfanden, treten sie inzwischen auch an Flüssen und Uferböschungen von Seen auf, berichten die Wissenschaftler. Insgesamt seien mehr als 250 Seen auf der Insel betroffen. Drei Seen mit einer Größe von weniger als 1,3 Hektar seien durch den Schlamm von Erdrutschen mittlerweile vollständig gefüllt. Aber auch die übrigen Seen hätten durch die Schlammeinträge ihre Farbe geändert. Die Auswirkungen auf die Fische und die Ökosysteme insgesamt seien bisher unbekannt.

86 Prozent der Erdrutsche nach vier besonders warmen Sommern

86 Prozent aller neuen Erdrutsche beobachteten die Forscher erstmals in den Satellitendaten nach vier besonders warmen Sommern in den Jahren 1998, 2010, 2011 und 2012. Die höchste Durchschnittstemperatur betrug dabei 9,1 Grad Celsius im Juli und August 2012.

Unter Berücksichtigung der Durchschnittstemperatur im Juli und August des Vorjahres und der des aktuellen Jahres ließ sich die Zahl neu in Gang gesetzten Erdrutsche errechnen. Mithilfe dieses Modells sagten die Forscher unter Annahme eines moderaten Temperaturanstiegs rund 10.000 neue Erdrutsche für den Zeitraum 2076 bis 2085 voraus. Es gebe allerdings verschiedene Einflussfaktoren, die dieses Modell nicht berücksichtige, etwa inwieweit eine schnellere Folge von wärmeren Jahren die Abtau-Vorgänge - und damit die Entstehung neuer Erdrutsche - beeinflusse.

"Wir können nicht Tausende von Auftau-Einbrüchen aufhalten, sobald sie beginnen", wird Lewkowicz in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Wir könnten nur Änderungen im eigenen Leben vornehmen, um unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, und die Politiker dazu ermutigen, die notwendigen Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu ergreifen - "damit die zukünftige Erwärmung so gering wie möglich ausfällt."

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa