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Klimawandel bringt Futternot Eisbären sind schlechte Eierdiebe

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Eisbären sind Allesfresser. In freier Wildbahn bevorzugen sie jedoch Robben.

(Foto: imago images/Stefan Rotter)

Eisbären ernähren sich hauptsächlich von Robben. Wegen der Folgen des Klimawandels müssen sie neue Nahrungsquellen auftun. Vogeleier werden dem tierischen Speiseplan deshalb immer öfter hinzugefügt. Die Eiersuche läuft jedoch nicht sehr effizient.

Das schmelzende Eis zwingt Eisbären dazu, neben Robben auch andere Nahrungsquellen zu finden. Tatsächlich gibt es seit einigen Jahren Berichte darüber, dass der arktische Räuber zunehmend die Gelege von Gänsen und Enten frisst. Wie Biologen im britischen Fachblatt "Royal Society Open Science" berichten, sind die Tiere jedoch keine besonders effizienten Eierdiebe.

Dass Vogeleier überhaupt auf dem Speiseplan von Eisbären stehen, ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, allerdings wurde nur anekdotisch davon berichtet. Seit einiger Zeit häufen sich derartige Beobachtungen aber. So beschrieb etwa ein Team um den Freiburger Biologen Benoît Sittler schon 2015, dass die Raubtiere etwa in bestimmten Regionen Grönlands oder auf Spitzbergen zunehmend Nester von Gänsen und Enten plündern.

Eigentlich verbringen Eisbären den Frühling damit, Robben zu jagen, um sich Speck für den Sommer anzufressen. Das rasche Schmelzen der Packeisflächen, von denen die Eisbären ihre Jagden starten, verkürzt diese Saison merklich, sodass sie gezwungen sind, an Land andere Nahrungsquellen aufzutun.

Ohne Übung auf Eiersuche

Eine solche Erweiterung des Speiseplans ist für die spezialisierten Räuber aber kein leichtes Unterfangen, wie ein Team um Patrick Jagielski von der kanadischen University of Windsor zeigt. Mit Drohnen beobachtete es, wie Eisbären in der Hudson Bay nach Eiern von Eiderenten suchten. Die Bilder zeigten, dass die Tiere mit Fortschreiten der Brutsaison immer weniger Nester aufsuchten und sich zunehmend für Nester entschieden, die bereits leer waren. Die Forscher vermuten, dass Eisbären nicht in der Lage sind, frühzeitig volle von geplünderten Nestern zu unterscheiden.

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Auch nutzten die Bären es nicht aus, wenn sich viele Nester in einem Gebiet befanden - eigentlich hätten die Räuber die Eiersuche dann intensivieren müssen, was sie aber nicht taten. Ein Grund könnte nach Ansicht der Forschenden die Unerfahrenheit der Eisbären mit dieser Art der Nahrungssuche sein.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Eisbären ineffiziente Räuber von Seevogel-Eiern sind, ...", fassen die Autoren zusammen. Für die Eiderenten bedeutet dies jedoch nur kurzfristige Entwarnung. Denn die Forscher glauben, dass die Bären immer erfolgreicher beim Nestplündern werden könnten und mahnen: "Sollte die Zahl der Bären, die in Eiderentenkolonien auf Nahrungssuche gehen, zunehmen, könnte dies verheerende Folgen für die Eiderentenpopulationen haben und diese Ressource langfristig zunichtemachen."

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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