Wissen

Mikronova - immer noch gewaltig Forscher entdecken neue Art von Sternexplosion

ACHTUNG Frei nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpeg

Computergrafik eines Zwei-Sterne-Systems, in dem Mikronovae auftreten können. Die blaue Scheibe, die um den hellen Weißen Zwerg in der Bildmitte herumwirbelt, besteht aus Material, hauptsächlich Wasserstoff, das von seinem Begleitstern "gestohlen" wurde.

(Foto: ESO/M. Kornmesser, L. Calçada/dpa)

Seit Jahrhunderten bereits sind den Astronomen Nova-Explosionen bekannt. Ein Team von Forschern entdeckt nun per Zufallsfund zum ersten Mal Mikronovae: thermonukleare Explosionen an den Polen Weißer Zwergsterne. Mikronovae finden ihnen zufolge auf Weißen Zwergen mit starken Magnetfeldern statt.

Von dem Namen sollte man sich nicht täuschen lassen: "Mikronova" nennen Astronomen eine neue Art von Sternexplosion, die ein internationales Forscherteam bei der Suche nach Planeten ferner Sterne zufällig aufgespürt hat. Tatsächlich stoßen Mikronovae nur etwa ein Tausendstel der Energie gewöhnlicher Novae aus - doch nach irdischen Maßstäben sind es immer noch gewaltige Explosionen: Die dabei verbrannte Menge an Wasserstoff entspricht etwa der 40.000-fachen Masse des Mount Everest. Ursache dieser Strahlungsblitze sind thermonukleare Explosionen an den Polen Weißer Zwergsterne, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature".

ACHTUNG Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpeg

Computergrafik einer Mikronova-Explosion.

(Foto: Mark Garlick/Durham University/dpa)

"Diese Ereignisse stellen unser Verständnis davon infrage, wie thermonukleare Explosionen auf Sternen ablaufen", stellt Simone Scaringi von der britischen Durham University fest. "Bisher dachten wir, wir wüssten das, aber diese Entdeckung zeigt einen völlig neuen Mechanismus auf." Nova-Explosionen kennen Astronomen seit Jahrhunderten: Manche Sterne leuchten immer wieder über mehrere Wochen hinweg ungewöhnlich hell auf.

Wasserstoffklau beim Partnerstern

Dabei handelt es sich um Weiße Zwerge - Endstadien der Entwicklung von Sternen ähnlich unserer Sonne, die ihren nuklearen Energievorrat verbraucht haben und etwa auf die Größe des Erdballs geschrumpft sind. Bildet ein solcher kompakter Weißer Zwerg mit einem normalen Stern ein Doppelsystem, so kann er mit seiner Anziehungskraft seinem Partnerstern Materie - vor allem Wasserstoff - entreißen.

Sammelt sich auf der Oberfläche des Weißen Zwergs genügend Wasserstoff an, so kommt es zu einer thermonuklearen Reaktion, der Fusion von Wasserstoff zu Helium, die sich explosionsartig über die gesamte Oberfläche des Zwergsterns ausbreitet: Der Stern leuchtet hell als Nova auf.

Unerklärbare Sternexplosionen

Doch in den Daten des US-Weltraumteleskops TESS, das auf die Suche nach Planeten bei anderen Sternen spezialisiert ist, stießen die Forscher auf Sternexplosionen, die sich nicht mit diesem Modell erklären lassen. Ähnlich wie bei Novae steigt auch hier die Helligkeit eines Sterns an, allerdings nicht so stark und lediglich für mehrere Stunden. Insgesamt drei derartige Ereignisse konnten Scaringi und seine Kollegen in den TESS-Daten identifizieren.

Zwei der betroffenen Sterne waren bereits als Weiße Zwerge bekannt. Und Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile zeigten, dass es sich auch bei dem dritten Objekt um einen Weißen Zwerg handelt. Damit lag für die Astronomen die Vermutung nahe, dass es sich um ein ähnliches Phänomen wie bei den helleren Nova-Explosionen handelt. Wie die Beobachtungen der Forscher zeigen, finden die Mikronovae auf Weißen Zwergen mit starken Magnetfeldern statt. "Diese Beobachtung war entscheidend für die Interpretation und die Entdeckung der Mikronovae", so Scaringi.

Offenbar lenken diese Magnetfelder die dem Partnerstern entrissene Materie bevorzugt zu den magnetischen Polen des Weißen Zwergs. "An der Basis der Magnetpole kann der Wasserstoff festgehalten werden", erläutert Ko-Autor Paul Groot von der Radboud-Universität in den Niederlanden. "Dadurch findet die Kernfusion dann nur an diesen Polen statt. Wir haben also das erste Mal gesehen, dass die Wasserstoff-Fusion auch lokal begrenzt stattfinden kann."

Quelle: ntv.de, Rainer Kayser, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen