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Studie untersucht Knochenmark Hält Immunität Genesener ein Leben lang?

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Corona-Genesene mit mildem Verlauf könnten einer Studie zufolge lebenslang immun sein.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Eine durchgemachte Corona-Infektion kann Genesene vor einer erneuten Ansteckung schützen. Doch wie lange? Eine US-Studie weckt Hoffnungen, dass der Immunschutz nach milden Verläufen deutlich länger anhält als bisher vermutet. Allerdings gibt es daran bereits auch erste Zweifel.

Wer sich mit Corona infiziert, entwickelt automatisch Antikörper, die ihn nach überstandener Erkrankung gegen das Virus schützen - zumindest für eine gewisse Zeit. Wie lange dieser Schutz tatsächlich anhält, ist bislang ungewiss. Experten befürchten, dass die Immunantwort des Körpers relativ schnell nachlässt. Eine neue Studie aus den USA macht jetzt allerdings Hoffnung, dass die körpereigene Virusabwehr bei Genesenen deutlich länger aktiviert sein könnte als bisher angenommen - eventuell sogar ein Leben lang.

Für ihre Studie, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde, untersuchten die Forscherinnen und Forscher der Washington University School of Medicine das Blut und Knochenmark von 77 Patienten. Die erste Probe wurde etwa einen Monat nach den ersten Covid-19-Symptomen entnommen, danach weitere drei Proben in Abständen von etwa drei Monaten. Dabei stellten sie fest, dass der Antikörperspiegel bei Probanden mit milden Covid-Verläufen binnen der ersten vier Monate nach Symptombeginn wie erwartet absank. Allerdings verlangsamte sich diese Entwicklung in den Folgemonaten. "Es ist normal, dass die Antikörper nach einer akuten Infektion sinken, aber sie sinken nicht auf null, sie erreichen ein Plateau", erklärt Co-Studienautor Ali Ellebedy.

Grund seien langlebige Plasmazellen im Knochenmark der Betroffenen, schreibt die Forschergruppe. Nach einer überstandenen Corona-Infektion siedeln sich kleine Mengen dieser Antikörper-produzierenden Zellen im Knochenmark an, die auch bis zu elf Monate nach einer Erkrankung nachweisbar sind. Das deutet laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darauf hin, dass diese Zellen bei einer neuerlichen Virusinfektion aktiviert werden können. Ihr Resümee: "Menschen, die eine milde Erkrankung hatten, entwickeln Antikörper-produzierende Zellen, die ein Leben lang halten können."

Zweifel an lebenslanger Immunität

Dass der Immunschutz nach einer überstandenen Corona-Infektion tatsächlich so lange anhält, bezweifelt Mediziner Christoph Specht. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab, sagt er im Gespräch mit ntv. Zum Beispiel spiele das Alter der Betroffenen eine Rolle: Wenn ein junger Mensch erkrankt war und genesen ist, dann sei davon auszugehen, dass er eine sehr gute Immunabwehr hat. Dementsprechend halte der Schutz auch relativ lange an - aber höchstwahrscheinlich nicht das ganze Leben, vermutet der Arzt. Das wäre bei Erkältungsviren sehr ungewöhnlich.

"Wenn nun die gleiche Menge Virus auf einen 85-Jährigen trifft, dann ist davon auszugehen, dass seine Immunabwehr schon bei der Infektion schlechter ist. Deswegen wird er wahrscheinlich auch schwerer erkranken. Und die Immunabwehr wird auch nicht so lange halten", betont Specht. Darauf weist auch das US-Forscherteam in der Studie hin: Erkrankte mit schweren Symptomen wiesen einen niedrigen Antikörperspiegel auf. "Entzündungen spielen eine große Rolle bei schweren Covid-19-Verläufen, und zu viel Entzündung kann zu fehlerhaften Immunantworten führen", sagt Studienautor Jackson Turner von der Washington University School of Medicine.

Ein weiterer Kritikpunkt, den Specht am Aufbau der Studie äußert: Es wurden darin nur 77 Probanden untersucht. "Es wäre gut, eine größere Anzahl an Studienteilnehmern zu haben und dann zu unterscheiden: Wie sieht es eigentlich bei Jungen aus und wie sieht es bei Alten aus?"

Trotzdem sei die Studie ein Grund zur Hoffnung: "Sars-CoV-2 geht nicht mehr weg, das wird immer da bleiben in den nächsten zig Jahren. Wir werden uns aber als Gesellschaft prima daran gewöhnen können, weil wir eine Teilimmunität haben werden", sagt der Mediziner. "Das ist alles eine gute Aussicht und sollte uns ein bisschen von der Panik nehmen."

Quelle: ntv.de, hny

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