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Kolonie von Hallimasch-Pilzen am Stumpf eines abgestorbenen Baumes im Grafenberger-Wald.
Kolonie von Hallimasch-Pilzen am Stumpf eines abgestorbenen Baumes im Grafenberger-Wald.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Montag, 30. Oktober 2017

Erfolgsgeheimnis gelüftet: Hallimasche - so groß wie ein ganzes Dorf

Sie sind gigantische Superschädlinge: Hallimasche gehören zu den größten Lebewesen der Welt. Einzelne Exemplare erstrecken sich über mehrere Quadratkilometer. Forscher sind nun hinter das Erfolgsgeheimnis der Pilze gekommen.

Genetische Besonderheiten machen Hallimasche (Armillaria) zu so etwas wie Superschädlingen. Das schreibt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Nature Ecology & Evolution". Es hatte das Erbgut mehrerer Arten der Gattung entschlüsselt und mit anderen, verwandten Pilzarten verglichen. Hallimasche - auch Honigpilze genannt - haben demnach etwa doppelt so viele einzelne Gene. Durch ihr besonderes Erbgut könnten sich Hallimasche besonders stark ausbreiten, schreiben die Forscher.

Hallimasche sind kleine gelbliche Pilze mit braunen Schuppen, die in kleinen Kolonien wachsen und mehr als 500 verschiedene Pflanzenarten befallen können. Auch in Deutschland sind sie weit verbreitet. Hallimasche greifen gesunde, aber meist geschwächte Bäume an. Sie bilden unter der Erde lange, dünne Verästelungen, sogenannte Rhizomorphe.

Riesenexemplar in USA entdeckt

Hallimasche sind auch in Deutschland verbreitet.
Hallimasche sind auch in Deutschland verbreitet.(Foto: picture alliance / dpa)

Ihre enorme Größe war lange Zeit unbekannt, da die einzelnen Fruchtkörper, die als Pilze an der Oberfläche wachsen, nicht miteinander in Verbindung gebracht wurden. Eine US-amerikanische Studie ergab 1992, dass Hallimasche, die über viele Quadratmeter verteilt wuchsen, dieselben DNA-Merkmale hatten und somit Teile eines einzigen Organismus waren. Ein Exemplar in den USA gehört zu den größten je entdeckten Lebewesen. Der Pilz wuchs über eine Fläche von neun Quadratkilometern und wurde auf ein Gewicht von mehr als 500 Tonnen geschätzt. Er soll etwa 2400 Jahre alt sein.

Die Forscher um György Sipos von der ungarischen University Sopron schauten sich nun vier Hallimasch-Arten genauer an und entschlüsselten ihr komplettes Genom. Dann verglichen sie es mit dem Erbgut von 22 verwandten Pilzarten. Bei den Hallimaschen fanden die Forscher bis zu 25.000 einzelne Gene. Bei den anderen Pilzsorten waren es etwa 14.000 Gene.

Überdurchschnittlich viele Enzyme

Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Aktivität einiger Gene bei der Entstehung der Pilzstrukturen, wie Stil, Hut und Rhizomorphe erhöht ist. Verantwortlich dafür sind bestimmte DNA-Sequenzen, welche die Genaktivität steuern. Hallimasche bilden den Forschern zufolge überdurchschnittlich viele Enzyme, mit denen sie organische Materialien angreifen und zersetzen können.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich Hallimasche durch ihre speziellen genetischen Voraussetzungen Vorteile verschaffen. Denn Pilze ernähren sich von freigesetzten Nährstoffen in toten organischem Material, wie abgestorbenen Bäumen. Einige Arten der Honigpilze können allerdings gesunde Bäume angreifen und sich dann vom abgestorbenen Holz ernähren. Sie sorgen also selbst für Nachschub. Mit den langen Rhizomorphen kann der Honigpilz außerdem weite Strecken zu neuen Nahrungsquellen überbrücken.

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Quelle: n-tv.de

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