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Atlas zur Artenentwicklung Insektensterben hat dramatische Folgen

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Das Bienensterben hat große Auswirkungen auf die künftigen Obsternten.

(Foto: dpa)

Das Insektensterben nimmt laut "Insektenatlas 2020" zu und hat für die Natur gravierende Folgen. Wegen der kleiner werdenden Bienenpopulationen könnten schlimmstenfalls bei manchen Obstsorten riesige Ernterückgänge drohen. Experten schlagen Alarm.

Die globalen Insektenpopulationen verzeichen nach neusten Ergebnissen der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dramatische Rückgänge. Dieses Ergebnis präsentieren die beiden Organisationen im Rahmen des nun vorgestellten "Insektenatlas 2020".

Bei etwa der Hälfte der 561 Wildbienenarten in Deutschland sind die Populationen rückläufig. Beim Wegfall dieser Bestäubung droht einzelnen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfeln, Kirschen, Pflaumen oder Gurken ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent. Rund 75 Prozent der Kulturpflanzen sind von der Bestäubungsleistung der Insekten abhängig.

Barbara Unmüßig von der Böll-Stiftung nimmt vor allem die Agrarindustrie ins Visier: "Von industrieller Landwirtschaft profitieren nur die großen Agrarkonzerne, auf der Strecke bleiben Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Konsumentinnen und Konsumenten und eben auch die Insekten." Die Politik müsse endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und umsteuern - in Europa und in den Handelsbeziehungen mit Drittländern, heißt es in einer Mitteilung der Grünen-nahen Stiftung.

Der Vorsitzende des BUND, Olaf Bandt, ruft die Bevölkerung auch zu weniger Fleischkonsum auf: "Das Sojafutter für die intensive Tierhaltung stammt aus südamerikanischen Staaten, die dafür artenreiche Landschaften in Monokulturen verwandeln. Wir müssen beim Insektenschutz auch unseren Lebensstil hinterfragen: Weniger Fleisch und Milch, dafür artgerecht gehalten und mit fairen Preisen für die Bauernhöfe, das wäre wichtig", appelliert er. Er forderte außerdem Fördermittel und Beratung für Landwirte, um den Insektenschutz großflächig zu fördern.

Insekten sind außerdem so wichtig für das Ökosystem, weil sie Pflanzenschädlinge reduzieren. So können dem Insektenatlas zufolge Marienkäfer den Befall mit Getreideblattläusen um 80 Prozent verringern.

Quelle: ntv.de, sgu