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Die Polarwirbel sind schuld Klimawandel könnte Winter kälter machen

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Der Klimawandel könnte zu Kältewellen im Winter führen.

(Foto: imago images/Rene Traut)

Deutschland erlebt in den vergangenen Wochen einen außergewöhnlichen Wintereinbruch. Heißt das, der Klimawandel fällt aus? Mitnichten. Es ist tatsächlich der Klimawandel selbst, der zu den Kältewellen führt.

Es klingt erst einmal abwegig, aber ausgerechnet die globale Erwärmung könnte uns im Winter tiefere Temperaturen bescheren. Zumindest aber scheinen Vorstöße kalter Polarluft oder sogar von sibirischer Eisluft wahrscheinlicher zu werden. Hauptgrund ist der Polarwirbel, der im Winter 2020/2021 so aus der Form geraten ist wie selten zuvor. Wenn sich das in den nächsten Wintern wiederholt, stünde das Tor nach Norden oder sogar nach Osten weit offen. Kaltluftvorstöße würden wahrscheinlicher. Und das nicht trotz, sondern gerade wegen des Klimawandels.

Schon früh zeichnete sich ab: Der Winter 2020/2021 bewegte sich auf anderen Bahnen als in den vorangegangenen Jahren. Wegen zu hoher Temperaturen konnte sich die arktische Meereisfläche nach dem Sommer kaum regenerieren. Solche La-Niña-Ereignisse sind eigentlich ein Vorzeichen für etwas kühlere Phasen. Auf der anderen Seite aber leiden besonders die Polregionen unter den Folgen der Erderwärmung. Im Vergleich zu den gemäßigten und den tropischen Regionen macht sich hier der Klimawandel wesentlich gravierender bemerkbar.

Der Winter nahm besonders in den arktischen Regionen einen "verrückten" Verlauf. Das englische Wort WACCy beschreibt das Phänomen, das für eine besondere Temperaturverteilung steht: Warm Arctic, Cold Continents. Spaßeshalber wird noch das "y" angehängt. Was dann zu "wacky" wird und so viel wie "verrückt" bedeutet. Und verrückt war, dass auf der einen Seite die arktischen Regionen relativ gesehen viel zu mild waren, während große Teile Sibiriens in eine extreme Eiszeit steuerten. In der Fläche mit extremen Wintertemperaturen unter minus 35 Grad.

Polarwirbel-Split kann zu Ostwinden führen

Ein starker Polarwirbel bringt uns häufig westliche Winde. Die sind in der Regel eher wenig winterlich und haben höchstens im Bergland Schnee im Gepäck. Jedoch gerade im Winter 2020/2021 fehlte der Hauptantrieb des Polarwirbels aufgrund des relativ milden Polarbereichs. Die Folge war unter anderem, dass wir in den letzten Monaten kaum richtige Herbst- und Winterstürme hatten. Und, dass der kollabierende Wirbel am Ende sogar zerfiel. Ein lupenreiner Polarwirbel-Split.

Schlussendlich öffnete der Polarwirbel-Split bei uns die Kaltluft-Rutsche aus Nordost-Europa und anschließend sogar aus Sibirien. Das Ergebnis: Ein Wintereinbruch, wie wir ihn im Norden und der Mitte Deutschlands seit den Wintern 2011 und 2012 nicht mehr erlebt haben. Der Märzwinter 2013 ereilte uns ebenfalls im Anschluss an einen Polarwirbel-Split.

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Und auch in diesem Jahr ist ein Märzwinter - je nach Wettermodell - nicht ganz auszuschließen. Das liegt allerdings weniger am Split, sondern an der Lage des inzwischen leicht erholten Polarwirbels. Und was so ein aus der Form geratener Kaltluftkörper anrichten kann, das erleben die Menschen derzeit in weiten Teilen der USA. Hier ist die arktische Kaltluft kurz mal runter bis nach Texas geschwappt und sorgt für eine historische Kältewelle.

Der Klimawandel schwächt also den Polarwirbel. Die westlichen Winde könnten somit in den kommenden Wintern eher weniger ausgeprägt sein - gleichzeitig könnte sich die Wahrscheinlichkeit von Kaltlufteinbrüchen im Winter erhöhen. Zumal es bei einem geschwächten Wirbel öfter mal Winde von Nord nach Süd geben könnte. Oder - wie im Falle des Polarwirbel-Splits 2021 - sogar die komplette Strömungsumkehr, also trocken-kalte Hochwinterluft aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen.

Quelle: ntv.de