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Hunderte Male schneller Internet aus der Glühlampe überstrahlt WLAN

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Beim Li-Fi muss immer eine Sichtverbindung zwischen Computer und Sender bestehen.

(Foto: Vimeo)

Einen HD-Film in einem Bruchteil einer Sekunde herunterladen - dazu müssen wir uns künftig möglicherweise einfach unter eine Lampe stellen. Li-Fi, die Datenübertragung via Licht, soll nach Meinung ihrer Verfechter das WLAN bald ausstechen.

Wird das heute allgegenwärtige WLAN bald in der Schrottkiste des IT-Zeitalters versenkt? Auf jeden Fall muss es wohl einen neuen Konkurrenten in Sachen Datenübertragung im Haushalt fürchten, der in Bezug auf die Leistungsfähigkeit einiges zu bieten hat. Sogar sehr viel mehr. Die Rede ist von Li-Fi, kurz für "Light Fidelity" (in Anlehnung an "Wi-Fi", den englischen Begriff für WLAN). Dieses noch junge Verfahren ist zu schier unglaublichen Daten-Leistungen in der Lage. Im Labor konnten an der Oxford University bereits Übertragungsraten von 224 Gigabit pro Sekunde erreicht werden. Das ist hunderte Male schneller als heutiges WLAN - das Herunterladen eines HD-Films würde unter solchen Voraussetzungen nur den Bruchteil einer Sekunde dauern.

Wie das funktioniert? Bei Li-Fi werden die Informationen über das schnelle Ein- und Ausschalten einer LED-Lampe übertragen. Dieses geschieht aber in solch einer hohen Frequenz, dass das Flackern des Lichts für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist. Empfänger ist eine Fotozelle am Endgerät, welche die Lichtimpulse in Strom umwandelt.

Das Unternehmen Velmenni aus Indien macht sich derzeit daran, die Anwendung von superschnellem Li-Fi in der estnischen Hauptstadt Tallinn unter realen Bedingungen zu testen. "Wir arbeiten an einigen Pilotprojekten", sagte Unternehmens-Chef Deepak Solanki der britischen Ausgabe der Onlinezeitung IBTimes UK. Li-Fi werde innerhalb eines Industriegebäudes getestet. Zudem können in einem Büro die Angestellten via Li-Fi ins Internet gehen. Eine Übertragungsrate von einem Gigabit pro Sekunde soll das System leisten können. Das ist das Niveau der derzeit leistungsstärksten WLAN-Router.

Frühestens in drei Jahren

Privatleute könnten vielleicht in drei bis vier Jahren das schnelle Internet in ihren Wohnungen und Häusern nutzen, glaubt Solanki - vorausgesetzt, die Technologie bewährt sich im Praxistest. Als Sender könnten etwa LED-Deckenlampen dienen. Allerdings stehen davor noch einige andere Schwierigkeiten: So müssten etwa alle Computer, Laptops und Tablets mit entsprechenden Empfängern nachgerüstet werden.

Neben Velmenni bieten bereits andere Unternehmen Li-Fi-Verbindungen an, so etwa Oledcomm oder pureLifi. Deren Produkte haben jedoch, laut eigenen Angaben, deutlich geringere Übertragungsraten als das von Velmenni vorgestellte System - und sind damit auch langsamer als WLAN.

In Zukunft Internet aus jeder LED-Birne?

Neben der schnellen Datenübermittlung bietet Li-Fi noch weitere Vorteile gegenüber dem klassischen WLAN. So lassen sich per Licht Daten relativ sicher drahtlos übertragen, denn das Netz existiert nur innerhalb eines Raumes und kann Wände nicht durchdringen. Von außen ist es deshalb schwer bis unmöglich, in das Netz einzudringen. Zudem sind die Signale von Li-Fi weniger anfällig für Störungen. Li-Fi könnte in Zukunft auch Internet an Orte bringen, wo der Empfang bisher limitiert war: etwa in Flugzeugen, Krankenhäusern oder Konferenzsälen mit vielen Menschen.

Demgegenüber stehen die Nachteile: Es muss beim Li-Fi immer eine "Sichtverbindung" zwischen Computer und Sender bestehen. Zudem müsste in einem Gebäude jeder Raum mit Li-Fi-fähigen LED-Lampen ausgestattet werden. Aufgrund dieser Nachteile wird die neue Technologie WLAN wohl nie komplett ersetzen können.

Die Technik hinter dem Li-Fi heißt eigentlich Visible Light Communication (VLC) und wurde 2003 erstmals vorgestellt. So richtig ins Rollen gebracht hat die Idee, mit Licht Daten zu übertragen, ein Deutscher: Der an der Universität von Edinburgh forschende Harald Haas berichtete 2011 in einem Vortrag bei TED von dem Potenzial der VLC und prägte den Begriff Li-Fi. Haas hält es für möglich, dass jede LED-Glühbirne als eine superschnelle Alternative zum WLAN benutzt werden kann: "In Zukunft werden wir weltweit nicht einfach 14 Milliarden Glühbirnen haben, sondern möglicherweise 14 Milliarden Li-Fis."

Quelle: n-tv.de

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