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Drei Missionen vor Ankunft Mars-Invasion soll größte Rätsel lösen

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Der Jezero-Krater auf dem Mars war früher vermutlich mit Wasser gefüllt. Dort soll US-Rover "Perseverance" landen. (Computergrafik)

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

In den kommenden Tagen werden gleich drei Missionen den Mars erreichen. Während es für zwei Nationen Premieren sind, fahren die USA erneut schweres Gerät auf. Die großen Rätsel des Planeten sollen so endlich gelöst werden - und erstmals soll auch ein Hubschrauber zum Einsatz kommen.

Während auf der Erde die Menschheit weiter hektisch gegen ein Virus kämpft, geht es auf dem Nachbarplaneten Mars relativ ruhig zu - doch das dürfte sich bald ändern. In den kommenden Tagen wird eine regelrechte Invasion erwartet. Gleich drei neue Missionen treffen beim Roten Planeten ein - zwei davon setzen zur Landung an. Dabei hoffen Forscher, endlich die großen Rätsel des Mars lüften zu können. Aber auch eine technische Premiere steht an: der erste Flugversuch auf einem fremden Planeten.

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Die Sonde "Al-Amal" der Vereinigten Arabischen Emirate wird als erste den Mars erreichen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den Auftakt macht aller Voraussicht nach die Mars-Mission der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Es ist der erste Raumflug einer arabischen Nation zu einem anderen Planeten. Am 9. Februar wird die Sonde "Al-Amal" (deutsch: "Hoffnung") in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenken. Auf der Webseite der Weltraumagentur kann man die Ankunft live verfolgen. Doch das Manöver könnte auch schiefgehen. "Wenn Sie zu schnell fliegen, überspringen Sie den Mars", hatte der Direktor der Mission, Omran Sharaf, kurz vor dem Start gewarnt. "Ist man zu langsam, stürzt man auf dem Mars ab."

Gelingt alles nach Plan, könnte die Sonde dabei helfen, eine große Frage zu beantworten: wie es vor langer Zeit zum drastischen Klimawandel auf dem Planeten gekommen war - früher soll es auf dem mittlerweile eiskalten Mars einmal flüssiges Wasser gegeben haben. Um das in Erfahrung zu bringen, soll die 1350 Kilogramm schwere Raumsonde unter anderem die Atmosphäre sowie Wetterveränderungen und den Wechsel der Jahreszeiten beobachten. Die Forscher wollen so auch das erste vollständige Bild des Mars-Klimas über ein komplettes Mars-Jahr bekommen.

China vor Aufstieg in illustren Mars-Klub

Weniger als einen Tag später wird die nächste Ankunft am Roten Planeten erwartet: Bei seiner ersten unabhängigen Mission zum Mars will China direkt einen Landeversuch starten. Vor wenigen Tage hatte die Sonde "Tianwen-1" (auf Deutsch etwa: "Fragen an den Himmel") bereits ein Bild des Mars zur Erde gesandt. Das fünf Tonnen schwere Raumschiff besteht aus einem Orbiter, einem Landegerät und einem Gefährt von der Größe eines Golfplatz-Fahrzeugs. Gelingt die riskante Landung - bisher ist nur die Hälfte aller Versuche geglückt - , wäre China nach den USA die zweite Nation der Welt, die erfolgreich eine Sonde auf den Mars gebracht hat.

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Ein Foto der chinesischen Sonde "Tianwen-1" auf ihrem Weg zum Mars.

(Foto: AP)

Sonst ist allerdings wenig bekannt über den genauen Ablauf der chinesischen Mission. Nach der Ankunft in einer Umlaufbahn ist eine weiche Landung auf dem Mars erst für Mai geplant, wie die Nationale Raumfahrtbehörde Chinas mitteilte. Als Landezone wurde ein gigantischer Einschlagskrater auf der Nordhalbkugel des Planeten auserkoren, der größte auf dem Mars und womöglich im gesamten Sonnensystem: Utopia Planitia. Für etwa 90 Marstage soll der 240 Kilogramm schweren Rover dann den Krater erforschen. Ziel der chinesischen Mars-Mission ist unter anderem, "die Eigenschaften des Marsbodens und die Verteilung von Wassereis zu untersuchen", heißt es in einer Veröffentlichung.

Den ganz großen Auftritt haben dann aber etwas mehr als eine Woche später die US-Amerikaner: Bei der Nasa-Mission "Mars 2020" wird auch der Rover "Perseverance" (auf Deutsch etwa "Durchhaltevermögen") an Bord sein. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein atomgetriebenes selbstfahrendes Auto. Er ist eine Art verbesserte Version des 2012 auf dem Mars gelandeten "Curiosity"-Rovers und gilt als bislang technisch anspruchsvollster Mars-Roboter. An Bord hat er neben sieben wissenschaftliche Instrumenten und fast zwei Dutzend Kameras auch einen kleinen Hubschrauber. Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt könnte es der Menschheit damit gelingen, ein Fluggerät auf einem anderen Planeten zu starten. Ein weiteres Highlight: Zwei Mikrofone an Bord sollen erstmals Töne vom Mars übermitteln.

Spuren von Leben in altem See?

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Schwerer als ein Auto: Rund eine Tonnen wiegt der mit allerlei Technik bepackte Nasa-Rover "Perseverance".

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn die Mission der VAE der erste Schritt in der interplanetaren Raumfahrt ist, die chinesische der zweite, dann bereiten die USA mit "Perseverance" unter anderem den dritten Schritt vor: eine bemannte Mission zum Mars. Die Sensoren des Rovers sollen dafür die klimatischen Bedingungen auf dem Nachbarplaneten vor einer ersten bemannten Mars-Mission erforschen. Aber genau so aufregend ist ein anderes Ziel der Mission: die Suche nach Spuren früheren Lebens auf dem Mars.

Für die am 18. Februar geplante Landung von "Perseverance" wurde daher der Jezero-Krater auf der nördlichen Halbkugel ausgesucht. Die Nasa geht davon aus, dass dort früher ein Fluss in ein Gewässer mündete, das fast so groß wie der Bodensee war. Das Team hofft, dass dieses alte Flussdelta und die Ablagerungen des Sees organische Moleküle und andere potenzielle Anzeichen von mikrobiellem Leben gesammelt und konserviert haben könnten. Der rund 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) teure Rover soll rund ein Mars-Jahr (zwei Erdjahre) lang die Region untersuchen. Und vielleicht können Staub und Steine von dort irgendwann auch auf der Erde untersucht werden: Einige der Proben sollen in einem Behälter gesammelt und Jahre später zur Erde gebracht werden.

Quelle: ntv.de

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