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Ein knapp zwei Zentimeter großes Loch, das "Curiosity" am 20. Mai 2018 gebohrt hat, um eine Gesteinsprobe zu nehmen.
Ein knapp zwei Zentimeter großes Loch, das "Curiosity" am 20. Mai 2018 gebohrt hat, um eine Gesteinsprobe zu nehmen.(Foto: imago/ZUMA Press)
Donnerstag, 07. Juni 2018

Hinweise auf Leben?: Marsrover findet organische Materie

Die Frage beschäftigt nicht nur Forscher seit Jahrzehnten: Gibt oder gab es Leben auf dem Mars? Nun gibt es neue Hinweise, eine endgültige Antwort allerdings noch immer nicht.

Der Marsrover "Curiosity" ist in Jahrmilliarden altem Sedimentgestein auf organische Materie gestoßen. Die relativ einfachen Kohlenstoff-Verbindungen könnten Relikte aus einer lebensfreundlichen Zeit auf dem Roten Planeten sein, als möglicherweise Mikroben dort wimmelten.

Der Bohrer von "Curiosity" über einem der Einlässe für Proben, die zu den Bordlabors des Marsrovers führen. Das Bild wurde von der Mastkamera des Rovers aufgenommen.
Der Bohrer von "Curiosity" über einem der Einlässe für Proben, die zu den Bordlabors des Marsrovers führen. Das Bild wurde von der Mastkamera des Rovers aufgenommen.(Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSS)

Darüber hinaus hat der Rover der US-Raumfahrbehörde Nasa eine stark schwankende Methankonzentration in der heutigen dünnen Marsluft festgestellt. Methan wird auf der Erde vor allem durch biologische Prozesse produziert. Für beide Beobachtungen, die zwei verschiedene Forscherteams im Fachblatt "Science" vorstellen, gibt es aber auch nicht-biologische Erklärungen.

Wissenschaftler um Jennifer Eigenbrode vom Goddard Space Flight Center der Nasa hatten mit dem Rover rund 3,5 Milliarden Jahre alte Sedimente im Gale-Krater auf dem Roten Planeten angebohrt. Das eingebaute Chemielabor des Rovers entdeckte in diesem uralten Gestein einen Strauß organischer Moleküle, darunter aromatische, aliphatische und thiophenische Verbindungen, wie die Forscher in "Science" berichten. Zwar handelt es sich nicht um Fossilien möglicher Marsmikroben. Organische Materie sei jedoch der Schlüssel zum Verständnis der Bedingungen und Prozesse, die auf dem jungen Mars vorherrschten, schreiben die Wissenschaftler.

See mit ähnlichen Eigenschaften wie auf der jungen Erde

Im Gale-Krater hatten Forscher schon früher Hinweise darauf gefunden, dass dort vor etwa 3,8 bis 3,1 Milliarden Jahren lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben könnten. Viele Millionen Jahre lang war der Krater demnach vermutlich mit einem See gefüllt, der mit ähnlichen Eigenschaften wie auf der jungen Erde alle Voraussetzungen für Leben geboten hat. Ob dort tatsächlich etwas gelebt hat, ist allerdings auch nach den neuen Funden nicht geklärt.

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Die organischen Moleküle könnten abiotisch auf der Marsoberfläche entstanden, aus dem Weltall auf den Roten Planeten geregnet oder biologisch produziert worden sein, erläutert die Astrobiologin Inge Loes ten Kate von der Universität Utrecht, die an den Analysen nicht beteiligt war, in einem Begleitkommentar in "Science". Sie wertet die Entdeckung als einen Durchbruch in der Astrobiologie.

Zwar habe es auch früher schon Hinweise auf mögliche organische Verbindungen auf dem Mars gegeben. Seit der Ankunft der "Viking"-Sonden vor vier Jahrzehnten hätten Forscher jedoch nach einem schlüssigen Beleg für die Existenz von organischer Materie auf dem Roten Planeten gefahndet. Dies sei nun gelungen, betont Loes ten Kate. Die Frage, ob sich Leben auf dem Mars gebildet und existiert habe, sei umso aktueller, da nun bekannt sei, dass es organische Moleküle auf seiner Oberfläche gegeben habe.

Auswertung von "Curiosity"-Messdaten aus fünf Jahren

Als ebenso bedeutend schätzt Loes ten Kate die Beobachtung der deutlichen jahreszeitlichen Schwankungen des Methangehalts in der Marsatmosphäre ein. Ein Team um Christopher Webster vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa hatte dafür "Curiosity"-Messdaten aus fünf Jahren ausgewertet. Die Methankonzentration stieg darin vom Mars-Frühling bis zum Mars-Sommer auf das 2,5-Fache und fiel dann zum Herbst wieder stark ab. Woher das Gas kommt und was die schwankende Konzentration verursacht, ist trotz verschiedener Deutungsversuche unklar.

Die Existenz von Methan in einer oxidierenden Atmosphäre wie derjenigen des Mars sei eine mögliche Biosignatur, mutmaßliche Quellen könnten methanproduzierende Bakterien sein, schreiben die Wissenschaftler um Webster. Das heißt jedoch nicht unbedingt, dass unentdeckte Mikroben im Marsboden leben. Die Forscher zählen auch eine Vielzahl nicht-biologischer Produktionsmechanismen für das Methan auf, darunter die Erosion von Basalt, den Abbau organischer Verbindungen durch die intensive ultraviolette Sonnenstrahlung auf dem Mars sowie eine Reihe geologischer und geothermischer Prozesse.

Unter den Bedingungen der deutlich dichteren Atmosphäre des jungen Mars könnten auch große Mengen Methan in unterirdischen Einschlussverbindungen gespeichert worden sein, sogenannten Klathraten, und daraus nun langsam wieder aussickern, schreiben die Forscher. Der Umfang des jahreszeitlichen Methanzyklus weise jedenfalls darauf hin, dass es auf dem Mars noch unbekannte Atmosphären- oder Bodenprozesse gebe. Methan produzierende Mikroben sind dabei nicht ausgeschlossen, wie Loes ten Kate erläutert. Auch wenn viele geologische Prozesse Methan produzierten, rechtfertige die mögliche Verbindung mit biologischen Quellen eine weitere Untersuchung, um den marsianischen Methanzyklus voll und ganz zu verstehen.

Quelle: n-tv.de