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Tauwetter so nördlich wie noch nie Meereis taut erstmals bis zum Nordpol

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Meereis am Nordpol, aufgenommen im August 2015.

(Foto: dpa)

Nie zuvor ist das Eis in der Arktis so weit geschmolzen wie in diesem Jahr. Bis zum Nordpol taute es. Auch für das kommende Jahr ist die Ausgangslage bedrohlich.

Die Meereisfläche in der Arktis ist in diesem Sommer weiter massiv geschrumpft. Das Eis sei bis in die Zentralarktis um den Nordpol hinein getaut, sagte der Klimaforscher Klaus Grosfeld vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI). So weit nördlich sei das Eis bis dato in den Sommermonaten noch nie geschmolzen. "Das zeigt, wie angegriffen das System ist", betonte er. Im Winter werde der Bereich zwar wieder zufrieren. Nun bestehe aber die Gefahr, dass im nächsten Sommer das Meereis wieder so weit zurück gehe.

Die Eisfläche in der Arktis reduzierte sich nach Auswertungen des AWI und der Universität Hamburg im September auf eine Größe von knapp 4,1 Millionen Quadratkilometern: Das war nach der Rekordschmelze im Jahr 2012 die zweitkleinste Fläche seit Beginn der Auswertung von Satellitendaten. Die im Frühjahr zunächst erwartete erneute Rekordschmelze sei unter anderem wegen eines Tiefdruckgebietes im Sommer ausgeblieben.

Hochauflösende Flugzeugmessungen in verschiedenen Gebieten der Arktis zeigen laut AWI: "Besonders das neu gebildete, erstjährige Eis war in diesem Jahr sehr dünn, kaum dicker als einen Meter. Normalerweise ist es beinahe doppelt so dick", sagt Christian Haas. "Das mehrjährige Eis war dagegen in etwa so dick wie in den Vorjahren, rund drei bis vier Meter. Dies hat den Eisverlust im Juni und Juli stark verzögert, bevor es im August aufgrund starker Winde doch noch schmolz."

Viele offene Wasserflächen

Auf einer Visualisierung des AWI lässt sich erkennen, wie nördlich von Alaska der so genannte Beaufort-Wirbel das Eis ungewöhnlich früh aufbricht, bereits im April. Im Mai und Juni war die Eisfläche im Vergleich dann tatsächlich kleiner als jemals zuvor. Ebenfalls ungewöhnlich: Auch ganz zentral in der Nähe des Nordpols zeigt das Meereis in diesem Jahr viele offene Wasserflächen.

Grund für die Meereisschmelze sei die Klimaerwärmung. "Der Trend ist ungebrochen", sagte Grosfeld. Das Meereis der Arktis gilt als kritisches Element im Klimageschehen und als Frühwarnsystem für die globale Erwärmung. In den 1970er- und 1980er-Jahren lagen die sommerlichen Minimumwerte noch bei durchschnittlich rund sieben Millionen Quadratkilometern.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa

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