Wissen

Arten sind "systemrelevant" Naturschutzbund ruft zum Insektenzählen auf

Zwei Marienkäfer paaren sich auf einem Zweig. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Der Nabu möchte unter anderem wissen, ob man mehr Sieben-Punkt-Marienkäfer (Bild) oder den eingeschleppten Asiatischen Marienkäfer findet.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild)

In Deutschland gibt es knapp 33.000 Insektenarten, die "wirklich systemrelevant" sind. Verschwinden die Arten schneller, hätte das gravierende Folgen für den Menschen. Der Naturschutzbund sagt, was man nun tun kann.

Die Menschen in Deutschland sind zum Eintauchen in die Welt der Insekten aufgerufen. Der Naturschutzbund (Nabu) gibt an diesem Freitag den Startschuss für die dritte Auflage der Mitmachaktion "Insektensommer". Es gelte, bis zum 7. Juni einmal eine Stunde lang alles zu zählen, was sechs Beine hat, sagte Nabu-Insektenexpertin Laura Breitkreuz in einer Videoschalte. Die Funde vom Balkon, aus dem Park oder dem Wald können online oder mit der App "Insektenwelt" übermittelt werden.

Der Nabu bietet Hilfsmittel zum Zählen und Erkennen von Arten, etwa einen Bestimmungsschlüssel im Internet. Einsteiger können auch mit einer speziellen Fragestellung loslegen: Der Nabu will wissen, ob man mehr Sieben-Punkt-Marienkäfer (mit sieben schwarzen Punkten und komplett schwarzem Kopfschild) oder den eingeschleppten Asiatischen Marienkäfer (mit W auf dem Kopfschild und vielen Farbvariationen) findet.

Die rund 33.000 Insektenarten in Deutschland seien "wirklich systemrelevant", betonte Breitkreuz mit Blick auf Funktionen wie etwa die Bestäubung von Pflanzen. Mit der Aktion wolle der Nabu auf die Wichtigkeit von Insekten hinweisen und auch das Wissen darüber bei den Menschen stärken. Hintergrund ist auch der Insektenschwund.

"Ich hab die alle lieb"

Ein asiatischer Marienkäfer - vielleicht auf dem Weg nach drinnen? Inzwischen ist der Ableger aus Fernost die zahlenmäßig größte Marienkäferart in Europa. Foto: Felix Kästle

Ein Asiatischer Marienkäfer - inzwischen ist der Ableger aus Fernost die zahlenmäßig größte Marienkäferart in Europa.

(Foto: dpa)

Für Rückschlüsse zur aktuellen Bestandsentwicklung reichen die bisher gesammelten Daten noch nicht aus, wie Breitkreuz sagte. Möglicherweise ergäben sich in Zukunft daraus auch unerwartete Erkenntnisse: "Wir sammeln auch Daten für Antworten, für die wir die Frage noch gar nicht kennen", sagte Breitkreuz.

Der Kriminalbiologe und Insektenexperte Mark Benecke warb in der Videoschalte dafür, die Insektenwelt als großes Lebensnetzwerk zu begreifen: "Das ist ein Riesenkreislauf." Der Mensch sei darauf angewiesen. Den Ekel mancher Leute vor Insekten könne er nur ignorieren, sagte er und berichtete von seinen Haustieren: Es handle sich um Fauchschaben. Stundenlang könne er über faszinierende Insekten erzählen. "Ich hab die alle lieb", sagte Benecke.

In einem Nabu-Video wertet Benecke Aktionen wie den "Insektensommer", zu denen Bürger beitragen können, als Möglichkeit, mehr zu sehen, als es Wissenschaftlern allein möglich ist: "Wenn alle mitmachen, dann kommen richtig coole Daten raus." Auf Beneckes Facebook-Seite geht es immer wieder um die Bestimmung von Insekten anhand von Nutzerfotos.

Im vergangenen Jahr nahmen rund 16.000 Menschen an der Nabu-Aktion teil. 2020 wird auf eine hohe Beteiligung gehofft, auch wegen der Corona-Krise: Viele Menschen hätten Zeit und das Interesse für die Natur vor der Haustür sei gewachsen, schilderte eine Nabu-Sprecherin. Einen zweiten Durchlauf der Aktion gibt es im Juli und August.

Quelle: ntv.de