Wissen

Studie zu Nervenzellen Neandertaler-Gen macht schmerzempfindlich

imago0072649085h.jpg

Bei Neanderthalern soll die Schwelle zur Auslösung von Schmerzimpulsen niedriger gewesen sein als bei den Menschen.

(Foto: imago/StockTrek Images)

Der Neandertaler ist vor rund 40.000 Jahren ausgestorben. Doch der entfernte Verwandte des Homo sapiens hat seine Spuren hinterlassen - etwa in Form einer bestimmten Aminosäuren-Kombination. Wer diese Variation in sich trägt, empfindet einer Untersuchung zufolge mehr Schmerzen.

Menschen mit einer bestimmten Genvariante des Neandertalers sind schmerzempfindlicher als andere. Darauf deutet eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und des Karolinska-Instituts in Schweden hin, wie die Forscher mitteilten. Hintergrund sind neue Erkenntnisse über die Neandertalervariante eines speziellen Ionenkanals in Nervenzellen.

Ein solcher Ionenkanal spielt eine Schlüsselrolle beim Auslösen des elektrischen Schmerzimpulses, der an das Gehirn übertragen wird. Anhand von Daten aus einer umfangreichen Bevölkerungsstudie in Großbritannien zeigen die Studienautoren nun, dass Menschen mit der Neandertalervariante des Ionenkanals mehr Schmerzen empfinden. Die entsprechende Genvariante erbten demnach insbesondere Menschen aus Mittel- und Südamerika, aber auch in Europa.

"Wie viel Schmerzen Menschen empfinden, ist vor allem von ihrem Alter abhängig", erläuterte der Erstautor Hugo Zeberg, Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und am Karolinska-Institut. "Menschen, die die Neandertalervariante des Ionenkanals haben, empfinden mehr Schmerzen - in etwa so, als wären sie acht Jahre älter."

Dem Wissenschaftler zufolge weist die Neandertalervariante des Ionenkanals drei Aminosäureunterschiede zu der üblichen "modernen" Variante auf. "Während einzelne Aminosäuresubstitutionen die Funktion des Ionenkanals nicht beeinträchtigen, führt die vollständige Neandertalervariante mit drei Aminosäuresubstitutionen bei heute lebenden Menschen zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit."

Auf molekularer Ebene wird der Neandertalerionenkanal demnach leichter aktiviert - was erklären könnte, warum Menschen, die diesen geerbt haben, eine niedrigere Schmerzgrenze haben. "Ob Neandertaler mehr Schmerzen empfunden haben, ist allerdings schwer zu sagen, weil Schmerz außerdem sowohl im Rückenmark als auch im Gehirn moduliert wird", erklärte Svante Pääbo von der Leipziger Forschungseinrichtung. "Aber diese Arbeit zeigt, dass die Schwelle zur Auslösung von Schmerzimpulsen bei Neandertalern niedriger war als bei den meisten heute lebenden Menschen", fügte Pääbo hinzu.

Quelle: ntv.de, hul/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen