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Das Schlimmste bald geschafft? Physiker berechnen Ende der Corona-Welle

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Die Grafiken zeigen, wie schnell sich wie viele Menschen in Deutschland angesteckt haben..

Wohl keine Frage treibt Menschen derzeit mehr um: Wann wird die Corona-Pandemie vorbei sein? Auch zwei deutsche Physiker wollen das wissen - und haben den weiteren Verlauf der Infektionswelle für Deutschland modelliert. Ihre Ergebnisse lassen hoffen.

Angesichts einer immer höher steigenden Zahl von Corona-Infizierten in Deutschland fragt sich die Mehrheit der Bürger: Wann wird die Pandemie endlich vorbei sein? Auch den deutschen Forscher Reinhard Schlickeiser treibt diese Frage um. Eigentlich beschäftigt er sich mit Phänomenen des Weltalls - er hatte bis 2018 einen Lehrstuhl für Astrophysik an der Ruhr-Universität Bochum inne und arbeitet dort jetzt als Seniorprofessor. Doch angesichts der grassierende Pandemie begann er, sein Wissen über Modellrechnungen anders einzusetzen.

So machte sich Schlickeiser gemeinsam mit seinem Sohn Frank Schlickeiser, ebenfalls Physiker, daran, den weiteren Verlauf der Corona-Infektionen in Deutschland zu berechnen. "Vielleicht auch aus eigener Furcht. Ich wollte mich damit beschäftigen, um mich zu beruhigen", sagt er zu ntv.de. Inspiriert dazu habe ihn auch der "wunderbare" NDR-Podcast mit dem mittlerweile wohl fast jedem Bundesbürger bekannten Virologen Christian Drosten. Ihre Berechnungen haben sie vor einigen Tagen auf einem Online-Server für wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Sie hat allerdings noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.

"Erste Welle Ende Mai vorbei"

Schlickeiser und sein Sohn stützen sich bei ihrem Modell auf die Annahme, dass sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen Gaußförmig verhält, was in der Darstellung zu einer "Glockenkurve" führt. Sie verdeutlicht, wie die Neuinfektionen zu Beginn der Epidemie rasant ansteigen. Am 11. April jedoch wird ihre Zahl laut der Berechnung ihren Höhepunkt erreichen. Danach fällt die Kurve wieder ab, erst leicht, dann immer stärker, bis schließlich "die erste Welle Ende Mai vorbei ist", so Schlickeiser. Jedenfalls in Deutschland.

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Doch bleibt noch eine weitere wichtige Frage: Wird das deutsche Gesundheitssystem dieser Infektionswelle standhalten? Auch darauf gibt die Berechnung der beiden Physiker eine Antwort: Eine Woche nach dem Höhepunkt der Neuinfektionen, am 18. April, werden die deutschen Krankenhäuser maximal belastet sein, so das Modell. Doch die Kapazität des deutschen Gesundheitssystems könnte laut der Studie ausreichen, um alle schwer erkrankten Covid-19-Patienten zu beatmen.

Die Studie geht allerdings von 56.000 verfügbaren Beatmungsgeräte für Deutschland aus. "Vielleicht ist die Zahl ein bisschen zu hoch", räumt Schlickeiser ein. Derzeit sollen laut dem Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, etwa 30.000 Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen. Doch möglicherweise könnten diese ebenfalls ausreichen, wenn Schutzmaßnahmen wie Quarantänen und soziale Distanzierung von allen Menschen so strikt wie möglich befolgt würden, so Schlickeiser. Denn Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus sind ein wichtiger Faktor in seinen Berechnungen.

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Maßnahmen bald wieder lockern?

Und je besser die Menschen hierzulande sich daran hielten, desto wahrscheinlicher sei es, dass das Gröbste bis zum 20. April überstanden sei, so Schlickeiser. Und "wenn der Höhepunkt der Kurve überschritten ist, könnte man die ersten Maßnahmen wieder lockern." Dann allerdings würde sich auch das Ende der Infektionswelle weiter nach hinten verschieben - der "ersten" Infektionswelle, wie der Forscher betont.

Auf diese erste Welle dürften weitere Infektionswellen folgen - Schlickeiser orientiert sich dabei an der Einschätzung des Virologen Drosten, der davon ausgeht, dass sich bis zu 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infizieren müssen, bevor die Epidemie endgültig zum Erliegen kommt. Für diesen Fall rechnet man mit einer Herdenimmunität der Bevölkerung.

Schlickeisers Studie hat noch keinen Peer Review durchlaufen, bei dem unabhängige Experten die Berechnungen überprüfen. Doch der Astrophysiker hat sich bereits auf privatem Wege Feedback von einigen Virologen eingeholt. Die Reaktionen seien zwar "gemischt" gewesen, wie er sagt. Er glaubt aber, dass seine Berechnungen zur Corona-Pandemie dennoch stimmen könnten. Was seinen Optimismus bestärkt: Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen in Deutschland habe sich genauso entwickelt, wie sein Modell es vorhersagt hat.

Quelle: ntv.de