Wissen
Der heutige trockene Mars (l.), verglichen mit dem Zustand von vor 3,5 Millionen Jahren. (Computergrafik)
Der heutige trockene Mars (l.), verglichen mit dem Zustand von vor 3,5 Millionen Jahren. (Computergrafik)(Foto: John Wade/Dpa)
Freitag, 29. Dezember 2017

Ist der Ozean versickert?: Rätsel um verschwundenes Mars-Wasser

Wohin ist das Wasser entschwunden, das einst den Mars bedeckte? Ins All verflüchtigt oder unterirdisch in Eis eingeschlossen, heißt es. Forscher haben nun ein weitere Theorie, was mit dem Marswasser passiert ist.

Größere Teile eines urzeitlichen Marsozeans könnten im Gestein des Roten Planeten gebunden sein. Zu diesem Schluss kommen Forscher um John Wade von der Universität Oxford im britischen Fachblatt "Nature". Bislang könne kein Modell den gesamten angenommenen Wasserverlust auf dem Mars erklären, erläutern die Autoren.

Unser Nachbarplanet ist heute eine kalte, knochentrockene Wüste. Viele Indizien deuten aber darauf hin, dass der Mars in der Frühzeit des Sonnensystems deutlich lebensfreundlichere Bedingungen besessen hat. So gibt es etliche Spuren von fließendem Wasser, und viele Forscher gehen davon aus, dass es einst einen Ozean auf dem Roten Planeten gegeben hat.

Keine der Theorien kann gesamten Wasserverlust erklären

Ungeklärt ist, wohin das ganze Marswasser entschwunden ist. Modellen zufolge hat sich ein großer Teil ins Weltall verflüchtigt, nachdem das Magnetfeld des Roten Planeten zusammengebrochen ist und er seine Atmosphäre verloren hat. Ein nennenswerter Teil könnte auch unterirdisch in Form von Eis eingeschlossen sein. Keine dieser Theorien könne jedoch den gesamten Wasserverlust erklären, betonen die Forscher.

Wade und seine Kollegen haben nun untersucht, wie gut das Marsgestein mit Wasser reagieren kann, etwa um wasserreiche Mineralien zu formen. Dabei flossen auch der generelle Aufbau des Roten Planeten, die Gesteinstemperaturen und das unterirdische Druckprofil ein. Tatsächlich kommen die Wissenschaftler zum Ergebnis, dass Marsgestein rund ein Viertel mehr Wasser binden kann als irdisches.

"Man hat seit Langem über diese Frage nachgedacht, aber nie die Theorie überprüft, dass Wasser durch einfache Gesteinsreaktionen absorbiert worden sein könnte", erläutert Wade in einer Mitteilung seiner Universität. Die Reaktion von Wasser mit frischer Lava auf dem jungen Mars könne in einer Art Schwammeffekt große Mengen Wasser in Form von Mineralien gebunden haben. "Diese Wasser-Gestein-Reaktion hat die Mineralogie verändert und die Planetenoberfläche trocken und unwirtlich für Leben werden lassen."

Auf der Erde verhindere heute die Plattentektonik drastische Veränderungen des Wasserspiegels. "Nasses" Gestein werde effizient getrocknet, bevor es in den Erdmantel absinke, erläutert Wade. Auf der jungen Erde habe es zwar noch keine Plattentektonik gegeben. Vergleichsweise geringfügige Unterschiede in Faktoren wie dem Temperaturprofil und dem Eisengehalt des Mantels hätten die Reaktionsfreudigkeit von Gestein mit Oberflächenwasser auf dem Mars jedoch deutlich erhöht. "Die Geochemie des Planeten zerrt Wasser hinunter in den Mantel, während hydriertes Gestein auf der jungen Erde eher aufgeschwommen ist, bis es dehydriert war", fasst Wade zusammen.

Quelle: n-tv.de