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Erstmals in der Natur beobachtet Schimpansengruppe tötet Gorillas

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Kämpfe untereinander können bei Schimpansen tödlich enden.

(Foto: imago/Nature Picture Library)

Es wird eng auf der Erde. Der Kampf um Lebensraum und Nahrung nimmt zu. Warum sich allerdings Schimpansen in einem Nationalpark in Gabun zusammentun, um Gorillas anzugreifen und dabei sogar zwei Jungtiere töten, können Forscher bisher nicht erklären. Mehrere Ursachen sind denkbar.

Forscher im Loango-Nationalpark in Gabun trauten ihren Ohren kaum, als sie gleichzeitig Schreie von Schimpansen und Brusttrommeln von Gorillas hörten. Die verschiedenen Töne wiesen auf eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Affenarten hin. Doch bisher hatten Forscher so etwas noch nie in freier Wildbahn gesehen. "Interaktionen zwischen Schimpansen und Gorillas galten bislang als entspannt", erklärt die Verhaltensbiologin Simone Pika laut einer Mitteilung der Universität Osnabrück dazu.

"Wir haben beide Arten regelmäßig friedlich in Futterbäumen beobachtet und unsere Kollegen aus dem Kongo wurden sogar Zeugen von gemeinsamen Spielen zwischen Schimpansen und Gorillas", so Pika weiter, die zusammen mit dem Primatologen Tobias Deschner vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie das Verhaltensforschungsprojekt im Loango-Nationalpark in Gabun mit Gorillas und Schimpansen leitet.

Typisches Imponiergehabe der Gorillas

Lara M. Southern, die Erstautorin der Studie, erinnert sich an die erste Beobachtung dieser Art im Jahre 2019: "Zunächst hörten wir nur Schreie der Schimpansen und dachten, wir würden eine typische Begegnung zwischen benachbarten Schimpansen-Gemeinschaften beobachten. Doch dann hörten wir Brusttrommeln, ein Imponierverhalten, das charakteristisch für Gorillas ist, und stellten fest, dass die Schimpansen auf eine Gruppe von fünf Gorillas gestoßen waren."

Die Schimpansen bildeten den Forschern zufolge eine Koalition, woraufhin die beiden Silberrücken und die Weibchen der Gruppen versuchten, sich und ihre Kinder zu verteidigen. Doch die Überzahl der Schimpansen war so groß, dass die Silberrücken und mehrere erwachsene Gorilla-Weibchen flohen, während zwei Gorillakinder ihren Müttern entrissen und getötet wurden. Insgesamt haben die Forscher ihren Angaben zufolge zwei solcher Angriffe beobachtet.

Nie zuvor berichteten Forscher über solche Angriffe

Solch heftige Begegnungen zwischen beiden Menschenaffenarten mit tödlichem Ausgang wurden bisher noch nie dokumentiert. "Unsere Beobachtungen liefern den ersten Beweis dafür, dass die Anwesenheit von Schimpansen einen tödlichen Einfluss auf Gorillas haben kann. Wir wollen nun untersuchen, was die Gründe für die überraschend aggressiven Interaktionen sind", sagt Deschner.

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Für diese beobachtete Art der Aggressionen bei Schimpansen sind den Forschern zufolge mehrere Ursachen denkbar. Tötungen zwischen verschiedenen Arten könnten entweder als Jagdverhalten oder als Konkurrenz um Nahrung interpretiert werden. "Es könnte sein, dass das Zusammenleben von Schimpansen, Gorillas und Waldelefanten im Loango-Nationalpark in Gabun zu stark erhöhter Konkurrenz um Nahrung geführt hat, die sich in Extremfällen in tödlichen Konflikten zwischen den beiden Menschenaffenarten entlädt", erklärt Tobias Deschner.

Eine solche Situation könnte auch durch den Klimawandel bedingten Rückgang der Produktivität des Regenwaldes bedingt sein, wie er vor Kurzem in anderen Nationalparks in Gabun beobachtet wurde, schreiben die Forscher, deren Studien-Ergebnisse im Wissenschaftsjournal "Nature" veröffentlicht wurden.

Quelle: ntv.de, jaz

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