Wissen

Weder Stress noch Schweiß nötig Schon wenig Sport hält Gehirn fit

101471277.jpg

Senior auf einem Fahrrad-Ergometer: Die Studien-Probanden schnitten schon nach zehn Minuten leichter Aktivität besser in Gedächtnisübungen ab.

picture alliance / Henning Kaise

Bewegung und Sport halten nicht nur den Körper fit - auch das Gehirn profitiert davon. Eine japanische Studie zeigt nun: Es muss kein Hochleistungstraining sein. Schon nach zehn Minuten leichter Aktivität zeigen sich Verbesserungen.

Sport hält auch das Gehirn fit, das ist bekannt. Wie eine japanische Studie nahelegt, könnte schon sehr leichtes Training wie Spazierengehen, Yoga oder Tai-Chi ausreichen, um das Gedächtnis auf Trab zu bringen - und damit hilfreich im Kampf gegen Demenzerkrankungen wie Alzheimer sein. Forscher der Universität Tsukuba berichten im Fachjournal "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS), dass Probanden bereits nach zehn Minuten leichter Aktivität besser in Gedächtnisübungen abschnitten.

"Sich regen bringt Segen" ist eine Redewendung, die auch für unsere kognitiven Fähigkeiten zu gelten scheint. Viele Studien belegen die positiven Auswirkungen körperlicher Aktivitäten auf unser Gehirn. Doch wie viel muss man dafür schwitzen?

Effekt von leichtem, stressfreiem Training aufs Gedächtnis

Das Team um Hideaki Soya, Professor für Sport und Neuroendokrinologie an der Universität von Tsukuba, untersuchte den Effekt von sehr leichtem, stressfreiem Training auf das Gedächtnis. Dafür ließen die Forscher 36 gesunde Probanden im Alter von etwa 20 Jahren zehn Minuten auf einem Liegeergometer fahren. Danach absolvierten sie verschiedene Gedächtnisaufgaben.

Bei einem Teil der Gruppe wurden zudem Aufnahmen des Gehirns gemacht, um die Aktivität im Hippocampus zu überprüfen. Dieser Teil ist maßgeblich für das Gedächtnis verantwortlich und gehört zum Limbischen System. Mit zunehmendem Alter schrumpft der Hippocampus beim Menschen, Denk- und Erinnerungsprozesse verschlechtern sich. Eine Studie der Universität Pittsburgh zeigte schon 2011, dass regelmäßige leichte Aerobic-Sportübungen zu einer relativen Vergrößerung des Hippocampus führten.

Kurze Sporteinheit reichte

RTR2VNWC.jpg

Die Studie lege nahe, dass schon leichte Aktivitäten wie Tai-Chi den Hippocampus anregen und damit die Gedächtnisleistungen verbessern, so die Autoren.

(Foto: REUTERS)

Wie die Wissenschaftler der aktuellen Studie zeigten, reicht schon die kurze Sporteinheit auf dem Liegefahrrad, um die Konnektivität zwischen dem sogenannten Gyrus dentatus im Hippocampus und der Großhirnrinde zu erhöhen. Im Gyrus dentatus entstehen beim Menschen bis ins Erwachsenenalter neue Nervenzellen, entsprechend wichtig ist diese Region für die Flexibilität des Gehirns - und das vermutlich bis ins Alter. Je höher die Konnektivität, so die Beobachtung der Forscher, umso besser schnitten die Probanden in den Gedächtnisübungen ab.

Unklar bleibt allerdings, so die Einschränkung der Wissenschaftler, welche molekularen, synaptischen und chemischen Prozesse im Hirn genau durch die leichten Bewegungen stimuliert werden. Hier seien Folgeuntersuchungen nötig.

Verbesserte Gedächtnisleistungen

Insgesamt, so das Fazit der Autoren, lege ihre Studie nahe, dass schon leichte Aktivitäten wie langsames Gehen, Yoga oder Tai-Chi den Hippocampus anregen und damit die Gedächtnisleistungen verbessern. "Das ist insbesondere daher wichtig, da episodischer Gedächtnisverlust bei vielen Krankheiten wie etwa Alzheimer auftritt."

Bislang sei noch nicht erforscht worden, ob hier auch ein weniger anstrengendes Sportprogramm hilfreich sein könnte. Da aber gerade ältere Menschen oder andere verletzliche Bevölkerungsgruppen oft unter Einschränkungen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit litten, plädieren die Autoren dafür, die Effekte von leichtem Training in den Fokus weiterer Studien zu nehmen. Solche Aktivitäten könnten, vermuten die Forscher, ein entscheidender Faktor sein, um den Abbau kognitiver Fähigkeiten zu verlangsamen.

Quelle: n-tv.de, Alice Lanzke, dpa

Mehr zum Thema