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Sechs Prozent weniger Volumen Schweizer Gletscher verlieren so viel Eis wie nie

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Schon 2019 war nicht mehr viel vom Pizolgletscher übrig. Nun haben Naturwissenschaftler dort ihre Messungen eingestellt, der Gletscher sei praktisch verschwunden.

(Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Europas Gletscher schmelzen seit Jahren. In der Schweiz nimmt ihr Schwund nun aber enorme Dimensionen an. So viel Eis wie in diesem Jahr geht seit 100 Jahren nicht verloren. Zudem verschwinden drei weitere Gletscher nahezu vollständig.

Die Gletscher in den Schweizer Alpen sind dieses Jahr laut Wissenschaftlern so stark geschmolzen wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen vor etwas mehr als 100 Jahren. Wegen der geringen Schneemengen im Winter und der anhaltenden Hitzewellen im Sommer gingen rund drei Kubikkilometer Eis verloren, wie eine Expertenkommission der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz berichtete. Das entspricht mehr als sechs Prozent des Gletschervolumens.

Im Zuge des Klimawandels fiel schon in vergangenen Jahren in tieferen Lagen weniger Schnee, während die Schmelzperiode immer früher im Jahr einsetzte. Laut der Akademie war die Schneedecke, die die Gletscher vor der Sonne schützt, im vergangenen Frühling so dünn wie selten zuvor. Dazu kamen zwischen März und Juni große Mengen an Saharastaub. Der verunreinigte Schnee nahm deshalb mehr Sonnenenergie auf und schmolz schneller, hieß es. Die starke Sommerhitze habe dem Eis dann weiter zugesetzt.

Im Mittelwert verloren die Schweizer Gletscher dieses Jahr drei Meter an Dicke, wie die Messungen ergaben. Kleinere Gletscher wie der Pizolgletscher, der Vadret dal Corvatsch und der Schwarzbachfirn seien jetzt praktisch verschwunden, berichtete die Akademie. Die Messungen wurden deshalb dort eingestellt. Laut der Akademie spielen Gletscher besonders in heißen und trockenen Jahren eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt und die Energieversorgung der Schweiz. "Alleine die Eisschmelze in Juli und August hätte genügend Wasser geliefert, um sämtliche Stauseen der Schweizer Alpen von null aufzufüllen", erklärte das Expertenteam.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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