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Trump nannte sie "Durchbruch" Schwerer Rückschlag für Corona-Therapie

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Ein von Covid-19 Genesener spendet Blutplasma - doch schwer Erkrankten scheint die Therapie nicht zu helfen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Suche nach einem Mittel gegen schwere Fälle von Covid-19 setzen Forscher weltweit auch auf das Blutplasma Genesener. Denn es enthält Antikörper, welche das Virus attackieren sollen. Doch eine neue klinische Studie aus Argentinien liefert ernüchternde Ergebnisse.

Seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten Forscher weltweit fieberhaft an Therapien gegen schwere Verläufe von Covid-19. Ein Ansatz ist die Behandlung mit Rekonvaleszenzplasma: Dabei wird das Blutplasma von Genesenen als Wirkstoff genutzt, da es Antikörper gegen Sars-CoV-2 enthält. Die Hoffnung: Die Antikörper im Blutplasma attackieren das Coronavirus, und der Erkrankte erholt sich wieder. US-Präsident Donald Trump hatte im August diese Therapie bereits einen "sehr historischen Durchbruch" genannt. Doch das könnte sich als Trugschluss herausstellen: Erneut liefert eine Studie enttäuschende Ergebnisse.

In Argentinien hatten Forscher die Wirkung von Rekonvaleszenzplasma bei 333 schwer an Covid-19 erkrankten Menschen getestet. Dabei erhielten zwei Drittel das Blutplasma, ein Drittel jedoch nur ein Placebo. Die Forscher wollten auf diese Weise sicher gehen, dass etwaige heilende Effekte tatsächlich auf die Plasma-Therapie zurückzuführen sind. 30 Tage nach der Plasma-Behandlung wurde dann Bilanz gezogen.

Allerdings blieb die erhoffte Wirkung aus: Das Blutplasma konnte weder den Gesundheitszustand der Patienten signifikant verbessern, noch die Sterblichkeitsrate verringern, heißt es in der im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Studie. Ob die Erkrankten nun das Plasma oder ein Placebo erhalten hatten, machte keinen Unterschied bei den Symptomen oder dem Gesundheitszustand. Die Sterblichkeit lag in beiden Gruppen bei etwa 11 Prozent. In der Placebo-Gruppe lag die Sterblichkeit zwar geringfügig höher, das war laut den Forschern aber statistisch nicht signifikant.

Studie aus Indien bestätigt

Bereits eine im Oktober veröffentlichte Studie aus Indien zeichnete ein ähnlich düsteres Bild für die Erfolgsaussichten der Plasma-Therapie bei schweren Covid-19-Fällen. Bei dieser Untersuchung wurden 464 Patienten, die mit mittelschweren Symptomen ins Krankenhaus kamen, in zwei Gruppen aufgeteilt. Nur eine der beiden Gruppen erhielt Rekonvaleszenzplasma, die andere wurde gemäß den üblichen Methoden behandelt. Nach vier Wochen zeigte sich: Der Anteil schwerer Verläufe und Todesfälle in beiden Gruppen war annähernd identisch. Das Blutplasma hatte demnach keinen Einfluss auf einen schweren Verlauf.

Auch das unabhängige Mediziner-Netzwerk Cochrane kam bei einer Analyse von insgesamt 19 Studien zur Blutplasma-Therapie zu dem vorläufigen Schluss: "Wir wissen nicht, ob das Plasma einen wirklichen Unterschied für die Anzahl der ernsthaften Nebenwirkungen macht oder nicht." Die bisherigen Befunde könnten auf viele Faktoren zurückgeführt werden: den natürlichen Krankheitsverlauf, eine natürliche Genesung, andere Behandlungen, die gleichzeitig laufen, oder mit der Zufuhr von Rekonvaleszenzplasma.

Die Autoren der Cochrane-Analyse betonen jedoch, dass noch 98 weitere Studien zur Plasma-Therapie (Stand Oktober 2020) laufen - darunter 50 sogenannte randomisierte Studien, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und einen genauen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung untersuchen. Auch in Deutschland laufen zwei klinische Studien zur Plasma-Therapie: die Capsid-Studie der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, sowie die Recover-Studie der Universität Heidelberg. Ergebnisse wurden bisher noch nicht veröffentlicht.

Helfen Antikörper nur bei leichtem Verlauf?

Aber auch wenn die Plasma-Behandlung bei schweren Fällen keine Wirkung zeigt, könnte sie bei weniger schweren Verläufen eine Rolle spielen, sagte der Leiter der argentinischen Studie, Ventura Simonovich vom Hospital Italiano de Buenos Aires. Einen Hinweis darauf lieferte die indische Studie: So stellten die Forscher fest, dass nach einer Woche bestimmte Covid-19-Symptome - Kurzatmigkeit und Erschöpfung - in der Gruppe der mit Plasma behandelten Patienten stärker zurückgingen. Simonovich betont, dass weitere Studien zur Plasma-Therapie notwendig seien. Er will zugleich nicht ausschließen, dass andere Therapien, die auf Antikörpern basieren, bei schweren Covid-19-Fällen eine Rolle spielen könnten.

Hoffnungen setzen Forscher und Ärzte etwa in synthetische Antikörper aus dem Labor. Auch Trump bekam nach seiner Infektion mit dem Coronavirus diese noch experimentelle Behandlung. Allerdings hatte es auf diesem Feld zuletzt ebenfalls Rückschläge gegeben: Das Pharmaunternehmen Eli Lilly hatte eine klinische Studie mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten gestoppt, da keine Verbesserungen erzielt werden konnten. Auch die Firma Regeneron, deren Antikörper-Cocktail Trump verabreicht bekommen hatte, gab ähnliche Versuche auf. Die Tests mit noch nicht schwerwiegend Erkrankten laufen hingegen weiter.

Quelle: ntv.de, mit rts