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Rätselhaftes Massensterben Tötete Supernova die letzten Riesenhaie?

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Der Megalodon genannte Riesenhai stand im Meer wohl an der Spitze der Nahrungskette.

(Foto: Karen Carr/Wikipedia/CC BY 3.0)

Für lange Zeit ist der Riesenhai Megalodon der unangefochtene Herrscher der Meere. Doch vor etwas mehr als zwei Millionen Jahren verschwindet er plötzlich. Ein US-Forscher zieht nun Parallelen zu einem kosmischen Ereignis mit tödlicher Wucht.

Vor etwa drei Millionen Jahren waren die Weltmeere die Heimat gigantischer Monster. Der Riesenhai Carcharocles megalodon ging dort auf die Jagd - er konnte eine Länge von bis 20 Metern erreichen und war damit die größte Haiart, die jemals auf der Erde gelebt hat. Aber dann, vor 2,6 Millionen Jahren, verschwanden die riesigen Räuber spurlos - und mit ihm ein großer Teil weiterer großer Meeresbewohner. Nun präsentieren Forscher aus den USA eine mögliche Ursache dafür.

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Reste einer Supernova: Derartige Sternenexplosionen schleudern Teilchen mit hoher Geschwindigkeit ins All.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Tod für die marine Megafauna kam aus dem All - diese These stellen der US-Physiker Adrian Melott von der University of Kansas und seine Kollegen in einer neuen Studie auf. Eine oder mehrere gewaltige Sternenexplosionen, Supernovae genannt, in einer Entfernung von bis zu 160 Millionen Lichtjahren zur Sonne sollen damals einen tödlichen Teilchenregen auf der Erde ausgelöst haben. Im Zusammenspiel mit anderen Faktoren könnte er zum damaligen Massensterben beigetragen haben.

Damals verschwand ein Drittel der großen Meeresbewohner, von den die meisten in den flachen Küstengewässern lebten. Mehr als die Hälfte aller Arten von Meeressäugern wurde dahingerafft, darunter etwa viele Seekuh- und Bartenwalarten. Bei den Meeresschildkröten betraf es fast die Hälfte aller Arten, rund ein Drittel bei den Meeresvögeln und etwa jede zehnte Haiart.

Tödliche Teilchenschauer

Melott untersucht dabei vor allem die Auswirkungen von Myonen auf das irdische Leben - diese Teilchen sind hochenergetisch und zischen durch kilometerdickes Gestein und tief ins Meer. Sie stammen jedoch nicht direkt aus einer Supernova, sondern entstehen erst, wenn deren extrem schnelle Teilchen auf die Erdatmosphäre prasseln. Ein besonders massiver Myonen-Schauer, so die Studie, könnte bei den Meeresbewohnern vermehrt Mutationen und Krebs verursacht haben.

Diese Tiere seien in der Regel durch das Wasser vor Strahlung aus dem All geschützt, sagte Melott gegenüber dem Wissenschafts-Magazin "Motherboard". "Lebewesen, die es gewöhnt sind, so gut wie isoliert von Strahlung zu sein, würden davon plötzlich eine Menge abbekommen. Und sie haben vermutlich keine so guten Abwehrkräfte gegen Strahlung wie Landbewohner", so Melott. Dies könnte auch erklären, warum andere damalige Lebewesen wie Säbelzahnkatzen und Mammuts von den Auswirkungen der Myonen-Schauer verschont geblieben sind.

Verräterisches Eisen

Aber woher wissen die Forscher, dass es damals eine Supernova gegeben hat? Sie hat ihre Spuren in den Sedimenten der Meere hinterlassen - und zwar in Form des Isotops Eisen-60. Diese radioaktiven Element ist auf der Erde äußerst selten und zerfällt auch bereits nach wenigen Millionen Jahren. Findet man Spuren dieses Isotops in Ablagerungen am Meeresgrund, kann dies nur bedeuten: Das Eisen stammt aus dem All.

In Bohrkernen aus Meeressedimenten hatten Forscher zwei Zeiträume ausgemacht, in denen die Konzentration von Eisen-60 besonders hoch ist. Einer vor etwa acht Millionen Jahren und einer zur Zeit des marinen Massensterbens vor 2,6 Millionen Jahren. Bereits nach Veröffentlichung dieser Ergebnisse im Jahr 2016 hatte Melott einen möglichen Zusammenhang zum Verschwinden der Riesenhaie hergestellt.

Dass der Megalodon jedoch nur eines der Opfer eines marinen Massensterbens war, ist erst seit 2017 bekannt. Forscher aus der Schweiz und Deutschland führen das Aussterben aber vor allem auf veränderte Meeresströmungen und starke Schwankungen des Meeresspiegels zurück, welche den Lebensraum vor den Küsten verkleinerte. Das schließt jedoch nicht aus, dass auch tödliche Strahlung aus dem All ihren Anteil am Verschwinden des Riesenhais und anderer Meeresbewohner hatte.

Quelle: n-tv.de

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