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Zeichen der Hoffnung aus China Wann ist die Corona-Welle überstanden?

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Derzeit steigen außerhalb Chinas die Fallzahlen von Covid-19 rasant an.

(Foto: AP)

Das Coronavirus wird zur Geißel der Menschheit - wenig wird derzeit sehnlicher herbeigewünscht, als dass die Pandemie endlich wieder abflaut. Aus China gibt es bereits hoffnungsvolle Zeichen. Doch was können Forscher für den Rest der Welt prognostizieren?

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland setzt sich rasant fort, die Fallzahlen steigen exponentiell an. Vor einer Woche waren es noch 670 Infektionen, mittlerweile sind es mehr als 3000. Weltweit sind bereits fast 140.000 Menschen mit dem Virus infiziert worden. Die große Frage, die viele Menschen umtreibt, ist: Wann kommt der Zeitpunkt, an dem der Höhepunkt der Infektionswelle erreicht ist - und wann wird die Zahl der Erkrankten wieder sinken?

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In China gibt es bereits erste Anzeichen, die Hoffnung machen: Das Land meldete am Donnerstag, dass der Höhepunkt der Infektionswelle überschritten sei, die Zahl neuer Infektionen mit Sars-CoV-2 gehe immer weiter zurück. Unklar ist jedoch, inwieweit die offizielle Statistik die wahre Lage widerspiegelt und wie hoch die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle ist. Und wie sieht es für Europa und Deutschland aus, wo die Infektionen derzeit ransant zulegen?

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Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, geht davon aus, dass sich die Corona-Pandemie in einem frühen Stadium befindet, wie er in seinem täglichen Podcast beim NDR sagte. Drosten glaubt, "dass wir eine durchlaufende Infektionswelle zu erwarten haben und das Maximum der Fälle zwischen Juni und August eintritt". Grund für seine Einschätzung sei eine neue Studie aus den USA, die nur einen geringen Temperatureffekt auf das Coronavirus prognostiziert.

Bringt der Sommer keine Linderung?

Der erhoffte Sommer-Rückgang könnte also ausbleiben. Forscher der Harvard T. H. Chan School of Public Health hatten die Entwicklung der Sars-Cov-2-Pandemie bis zum Jahr 2025 modelliert. Sie beschäftigten sich dabei mit der Frage, ob möglicherweise die derzeit wärmer werdenden Temperaturen auf der Nordhalbkugel die Ausbreitung des Coronavirus hemmen werden. Das Resultat ist ernüchternd: "Unser Ergebnis legt nahe, dass Änderungen beim Wetter alleine nicht zwangsläufig dazu führen werden, dass die Fallzahlen zurückgehen", schlussfolgern die Autoren.

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Eine andere Studie von Forschern aus Basel und Stockholm hingegen geht davon aus, dass sich Sars-CoV-2 so verhält wie andere bekannte Coronaviren - nämlich in saisonalen Schüben, mit einer höheren Übertragbarkeit in kühleren Jahreszeiten. Sie errechneten drei verschiedene Modelle für Nordeuropa: Beim ersten wird der Höhepunkt der Corona-Welle bereits in der ersten Jahreshälfte 2020 erreicht, im zweiten erst im Winter 2020/2021. In der dritten Variante gibt es sogar zwei gleich hohe Infektionsspitzen - eine im Frühjahr 2020, die andere Anfang 2021 - mit jeweils mehr als einer Million Infizierten.

Noch mehr Informationen nötig

Insgesamt jedoch halten sich Forscher weltweit bisher mit Prognosen über den weiteren Verlauf der Seuche zurück. Biologe Maciej Boni von der Penn State University sagte gegenüber dem Magazin "The Scientist", dass es derzeit unmöglich sei, verlässliche Aussagen darüber zu treffen, wann die weltweite Corona-Pandemie ihren Höhepunkt erreichen wird, und wie viele Menschen am Ende betroffen sein werden. Um dies zu modellieren, seien noch viel genauere Informationen über den Erreger nötig. Etwa darüber, wie viele Menschen eine natürliche Immunität gegen das Virus aufweisen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will keine Voraussage über die weitere Entwicklung wagen: "Es ist für uns unmöglich zu sagen, wann der globale Höhepunkt erreicht sein wird", sagte Maria Van Kerkhove, die bei der WHO die Abteilung für neu auftretende Krankheiten leitet. Doch sie ergänzte: "Wir hoffen, dass es eher früher als später der Fall sein wird."

Quelle: ntv.de