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Hilfe bei chronischer Erkrankung Wirken Antidepressiva gegen Schmerzen?

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Chronische Rückenschmerzen und Arthrose sind weltweit sehr verbreitet. - können Antidepressiva die Schmerzen lindern?

(Foto: picture alliance / Lino Mirgeler/dpa)

Bei chronischen Schmerzen werden oft Antidepressiva verordnet. Eine Auswertung von 33 Studien mit Tausenden Teilnehmern stellt aber kaum lindernde Effekte fest. Ein deutscher Schmerzmediziner widerspricht: Die Mittel könnten doch helfen.

Gegen chronische Rückenschmerzen und Arthrose an Hüft- oder Kniegelenken helfen Antidepressiva einer Studie zufolge kaum - wenn überhaupt. Eine Auswertung von 33 Studien mit insgesamt mehr als 5300 Teilnehmern kommt im "British Medical Journal" ("BMJ") zu dem Schluss, dass es für eine Schmerzlinderung durch Antidepressiva keine nennenswerte Evidenz gibt.

Der Nürnberger Schmerzmediziner Michael Überall kritisiert die eindimensionale Perspektive der Autoren. Antidepressiva würden nicht als Schmerzmittel eingesetzt, sondern als sogenannte Koanalgetika und hätten eine wichtige Funktion in der Schmerztherapie, sagt der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Chronische Schmerzerkrankungen könnten sehr komplex sein und hätten oft eine starke psychische Komponente, erläutert er.

Millionen Deutsche mit chronischen Schmerzen

Chronische Rückenschmerzen und Arthrose sind extrem weit verbreitet. Knie- und Hüftarthrose betreffen nach Angaben der Autoren um Giovanni Ferreira von der Universität Sydney weltweit jeden achten Menschen. In Deutschland leiden nach Angaben von Überall etwa 3,4 Millionen Menschen an chronischen Schmerzerkrankungen - also Beschwerden ab einer Dauer von mindestens drei Monaten.

International würden Antidepressiva gegen chronische Schmerzen verordnet und in vielen Ländern wie den USA und Großbritannien auch von medizinischen Fachgesellschaften empfohlen, schreiben die Autoren im "BMJ". Um den schmerzlindernden Effekt zu klären, analysierten sie 33 Studien, in denen solche Präparate gegen chronische Rückenschmerzen, Arthrose und Ischias untersucht und mit Placebos verglichen wurden.

Veränderung unter 10 klinisch nicht bedeutsam

Die mittlere schmerzlindernde Wirkung wurde auf einer Skala von 0 bis 100 verortet, wobei die Forscher davon ausgehen, dass eine Veränderung unter 10 klinisch nicht bedeutsam ist. Bei Rückenschmerzen linderte die Klasse der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) die Beschwerden im Zeitraum von drei Wochen bis drei Monate im Mittel um 5,3 Punkte mehr als ein Placebo. Für Trizyklische Antidepressiva (TZA) war der Effekt ähnlich.

Gegen Arthrose waren nur SSRI untersucht worden, die mittlere Besserung betrug 9,7 Punkte - lag also knapp unter dem Schwellenwert für eine nennenswerte Linderung. Dennoch könnten manche Patienten eine Besserung verspüren, wird Ferreira in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Bei den Studien zu Ischias-Beschwerden konnten die Forscher einen schmerzlindernden Effekt von Antidepressiva nicht ausschließen, allerdings war die Datenlage sehr dürftig.

Teufelskreis Schmerzen - Depression - Schmerzen

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Der Nürnberger Experte Überall betont, kein Schmerzmediziner verordne in Deutschland Antidepressiva als reine Schmerzmittel. Allerdings hätten chronische Schmerzerkrankungen oft komplexe Verläufe. "Es fängt mit körperlichen Beschwerden an, und dann kommen psychische und soziale Dimensionen dazu." Oft münde dies in einen Teufelskreis, in dem etwa eine depressive Symptomatik Schmerzen verstärke - was dann wiederum auf die Stimmung schlage. Oft halte die Schmerzsymptomatik an, auch wenn die körperliche Ursache schon längst verschwunden sei.

"Antidepressiva können dabei helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen", betont Überall. "Deshalb haben sie einen festen Stellenwert in der ganzheitlichen Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen." Dieses Vorgehen könne es mitunter ermöglichen, andere Medikamente wegzulassen. All das lasse die australische Metaanalyse mit ihrer reinen Fokussierung auf die Schmerzintensität völlig außer Acht - ebenso wie die individuellen Bedürfnisse von Patienten.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa