Wissen

Handys, Tablets und Fernseher Zu viel Bildschirmzeit schädigt Kinderhirn

imago92675309h.jpg

Die Weiße Substanz im Gehirn wird durch viel Zeit vor Bildschirmen beeinträchtigt.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Kinder, die zu lange vor Fernseher und Tablet sitzen, haben später Schwierigkeiten beim Lernen - das ist bekannt. Was sich jedoch im Gehirn genau verändert, haben Forscher aus den USA nun beobachtet. Ein Areal im Gehirn leidet demnach besonders unter medialem Dauerkonsum.

Mit dem Satz "Du bekommst noch viereckige Augen" warnen Eltern seit dem Fernsehzeitalter ihren Nachwuchs. Dass zu viel Zeit vor Bildschirmen gerade für kleinere Kinder und deren Entwicklung schädlich sein kann, ist bekannt. Was sich genau im Gehirn durch Dauerkonsum von Fernseher und Tablet verändert, haben Forscher aus den USA nun beobachtet.

In einer neuen Studie untersuchten die Wissenschaftler des Cincinnati Children's Hospital Medical Center 47 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren. Zuerst ermittelten sie, wie viel Zeit diese vor Bildschirmen verbrachten. Anschließend scannten sie deren Gehirn. Dabei fanden sie Veränderungen bei jenen Kindern, die länger als die empfohlene eine Stunde täglich - und ohne elterliche Aufsicht - auf einen Bildschirm starrten. Die sogenannte Weiße Substanz - die Datenautobahn des Gehirns - war bei diesen weniger stark entwickelt.

Schwächen in Sprachtests

Die beobachtete Wirkung der gehemmten Vernetzung betraf vor allem jene Areale, die die Entwicklung von Sprache unterstützen, steht in der im Fachmagazin "JAMA Pediatrics" veröffentlichten Studie. Damit verbunden sind bildliche und kognitive Fähigkeiten, mentale Kontrolle und Selbstbestimmung. Die betroffenen Kinder schnitten schlechter in sprachlichen Tests ab. Konkret verwendeten sie eine ausdrucksschwächere Sprache, waren langsamer bei der Benennung von Objekten und insgesamt weniger weit in der Entwicklung ihrer sprachlichen Fähigkeiten.

"Dies ist die erste Studie, welche einen Zusammenhang belegt zwischen höherer Nutzung von Bildschirmen und einer geringen Entwicklung der Hirnstruktur und Fähigkeiten von Kindern im Vorschulalter", sagte Hauptautor John Hutton. Dies sei daher von großer Bedeutung, da sich das Gehirn in den ersten fünf Lebensjahren am schnellsten entwickle. "In dieser Zeit ist das Gehirn sehr formbar und saugt alles auf, wobei sich die starken Verbindungen bilden, die für den Rest des Lebens bestehen bleiben."

Ob die beobachteten Schäden im Gehirn jedoch tatsächlich bleibend sind, ist aus Sicht von Martin Korte, Professor für zelluläre Neurobiologie an der Technischen Universität Braunschweig, unklar. Dennoch unterstreicht er, dass die Ergebnisse "sehr ernst genommen werden" sollten. Christian Montag von der Universität Ulm plädiert für mehr Forschung. "Da in diesem wichtigen Bereich aufgrund der eher dürftigen Studienlage immer noch viel spekuliert wird, sind Studien wie die vorliegende Arbeit bedeutsam", erklärt er.

Zu wenig Zeit zum Sprechen

"Das Hauptproblem ist in meinen Augen, dass Kinder, die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, weniger selbst sprechen und weniger dem Sprechen anderer lauschen", sagt Korte. Für die Entwicklung des Gehirns sei es am besten, wenn Eltern direkt mit ihren Kindern agierten, diese sich bewegten und Sport trieben. Ähnlich formuliert es Montag: "Ein Zuviel an Bildschirmzeit reduziert bei Kindern die Gelegenheit für echtes Spielen und dabei besonders für körperlich betontes Spielen." Solch ein "Rough and Tumble Play" genanntes Spielverhalten sei bedeutsam für das Entwickeln der Grobmotorik und sozialer Kompetenzen.

"Ich sehe keine Notwendigkeit von Bildschirmzeit für ganz kleine Kinder", betont Neurobiologe Korte. Die Sorgen mancher Eltern, ihr Nachwuchs könne durch ein Vorenthalten digitaler Medien in jungen Jahren einen Nachteil haben, sei unbegründet. "Kinder holen das später schnell nach." In Deutschland raten Kinder- und Jugendärzte, bei Kindern unter drei Jahren keine Bildschirmmedien einzusetzen.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

Mehr zum Thema