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"The Marvelous Mrs. Maisel" strotzt vor Lebensenergie und ist zum Schießen komisch.
"The Marvelous Mrs. Maisel" strotzt vor Lebensenergie und ist zum Schießen komisch.(Foto: Amazon / Sarah Shatz)
Dienstag, 28. November 2017

"The Marvelous Mrs. Maisel": Besser übers Leben lachen

Von Anna Meinecke

Gestatten, Ihre neue Lieblingsserie. "The Marvelous Mrs. Maisel" erzählt von einer Frau, die verlassen wird und lernt, darüber zu lachen. Aus der Feder der "Gilmore Girls"-Macher serviert Amazon den nächsten Hit.

Jeden Tag misst Midge Maisel den Umfang ihrer Oberschenkel. Wenn ihr Gatte Witze vorträgt, notiert sie die Lacher und wenn ihr an der Fleischtheke einer quer kommt, lässt sie es Charme regnen. Midge Maisel hat sich entschieden, die perfekte Hausfrau zu repräsentieren und sie tut es auch. Als die Umstände sie rebellisch machen, kehrt sie ihren Idealen nicht den Rücken, sondern erweitert sie.

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"The Marvelous Mrs. Maisel" erzählt von einer Frau, die in der New Yorker Upperclass der 1950er-Jahre verlassen wird und eine Leidenschaft für Stand-up-Comedy entdeckt. Die Amazon-Serie ist großartig. Einer zynischen Welt setzt sie Freude entgegen. Denn Midge ist genau das: froh. "Mir haben schon immer Frauen gefallen, die einfach ihr Ding durchgezogen haben", erklärt Serienmacherin Amy Sherman-Palladino ihre Figur. "Frauen, die keine Angst haben, klug zu sein, die keine Angst haben, sich feminin zu geben, und die keine Angst haben, sich feministisch zu verhalten."

Weniger "Fucks" bitte

Es ist nicht das erste Mal, dass Sherman-Palladino solche eine Figur erdacht hat. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Dan Palladino stemmte sie "Gilmore Girls", eine der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Wer Ähnlichkeiten zwischen dem Format von damals und der neuen Serie finden will, kann fündig werden. "Mrs. Maisel" platzt vor popkulturellen Referenzen, die Dialoge sind schnell, scharf, es wird Kaffee getrunken.

Dan Palladino und Amy Sherman-Palladino haben schon erfolgreich an "Gilmore Girls" gearbeitet. Jetzt folgt "Mrs. Maisel".
Dan Palladino und Amy Sherman-Palladino haben schon erfolgreich an "Gilmore Girls" gearbeitet. Jetzt folgt "Mrs. Maisel".(Foto: Amazon / Michael Tinnefeld)

Letzteres müht sich Dan Palladino, im Gespräch zu rechtfertigen. "Die Sache mit dem Kaffee kam, weil wir selber süchtig nach Kaffee sind", berichtet er. Und er verrät, dass der Laden, in dem Midge Maisel den ihren bestellt, im echten Leben der Favorit von ihm und seiner Frau ist. "Wir gehen jedes Wochenende hin", sagt er. Sollte "Mrs. Maisel" bei den Zuschauern ankommen, ist der Coffeeshop wohl die längste Zeit Rückzugsort des Ehepaars gewesen.

Sherman-Palladino und Palladino haben eine herzliche Dynamik. Er verrät, dass seine Frau am liebsten mit Shows wie "Buffy - Im Bann der Dämonen" im Hintergrund schreibt ("Aber nur die Staffeln 1 bis 3,5!", stellt sie klar) und dass er ihr stets die "Fucks" aus den Drehbüchern streichen muss. "Bestärken Sie sie darin nicht", insistiert Palladino auf den Hinweis, dass Fluchen bei Streaming-Diensten anders als beim konventionellen Fernsehen ja erlaubt sei.

"Bei Amazon ein Zuhause gefunden"

"Wir haben bei Amazon erstmal ein Zuhause gefunden", sagt Sherman Palladino über ihren außergewöhnlichen Deal mit dem Unternehmen, der vor allem eine Menge Narrenfreiheit für sie und ihren Mann vorsieht. Dass sich die beiden in Anbetracht dieser Tatsache schon mal ganz tief in die Couch sinken lassen, sei ihnen gegönnt. Vielleicht auch wegen der großzügigen Kooperation ist "Mrs. Maisel" eins der herausragendsten Serienformate des Jahres geworden. "Bei 'Gilmore Girls' mussten wir um Schnee bitten, wenn die Szene im Winter spielen sollte", erinnert sich Sherman-Palladino. Bei der Arbeit an "Mrs. Maisel" habe sie die vielen Okays kaum glauben können.

"The Marvelous Mrs. Maisel" zeigt, wie eine Serie aussehen kann, bei der den Machern maximale Gestaltungshoheit eingeräumt wurde. Wie eine Serie sich positioniert, die von einer Frau erdacht, geschrieben, produziert und umgesetzt wurde. Wie eine Serie funktioniert, wenn sie getragen wird von einer der spannendsten jungen Schauspielerinnen Hollywoods - um die großartige Rachel Brosnahan nicht zu vergessen. Und wie eine Serie ankommt, wenn sie trotz historischer Distanz subtile Relevanz für die Jetztzeit vermittelt. Denn am Ende ist "Mrs. Maisel" vor allem eine Geschichte über Humor. Über eine Frau, die schmerzbefreit über ihr Leben scherzt, können bis heute nicht alle lachen.

"The Marvelous Mrs. Maisel" startet am 29. November in der englischen Originalversion bei Amazon Prime Video. Die deutsche Synchronfassung gibt es ab dem 26. Januar 2018.

Quelle: n-tv.de