Kino

Jamie Foxx über "Just Mercy" "Er zeigt, was Menschlichkeit bewirken kann"

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Jamie Foxx spielt Walter McMillian, der 1986 eine junge Weiße ermordet haben soll und deswegen in der Todeszelle sitzt.

(Foto: Warner Bros./Jake Giles Netter)

Das Rassismus-Drama "Just Mercy" erzählt die Geschichte von Bryan Stevenson. Seit mehr als 30 Jahren kämpft der Anwalt für Todeskandidaten, die kein Geld für eine anständige Verteidigung haben. ntv.de hat mit ihm, Jamie Foxx und Michael B. Jordan über Rassismus im Hier und Jetzt gesprochen.

Michael B. Jordan spielt in "Just Mercy" den jungen Anwalt Bryan Stevenson, der 1989 die "Equal Justice Initiative" gründet, mit der er Männern im Todestrakt von Alabama kostenlos seine Unterstützung als Anwalt zugutekommen lässt. Der heute 60-jährige Bürgerrechtler hat seither vielen Menschen geholfen und gilt als einer der ganz großen Helden im Kampf gegen Rassismus und juristische Ungerechtigkeit in den USA.

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Gleich zu Beginn seines jahrelangen unermüdlichen Einsatzes verteidigt er den wegen Mordes zum Tode verurteilten und von Jamie Foxx verkörperten Walter McMillian, der vehement seine Unschuld beteuert. Dass ihm niemand glaubt, ist ein Justizskandal, der den Rassismus im US-Bundesstaat Alabama auf schmerzhafte Weise und beispielhaft sichtbar macht.

ntv.de hat mit Bryan Stevenson sowie mit den Schauspielern Michael B. Jordan und Jamie Foxx über Rassismus in der heutigen Zeit und das Vergessen gesprochen.

ntv.de: Mr. Jordan, was hat es Ihnen bedeutet, Bryan Stevenson zu verkörpern, der für die Schwarzen in den USA heute fast so wichtig ist wie einst Martin Luther King?

Michael B. Jordan: Es war aufregend, etwas Besonderes. Eine Ehre. Als ich das erste Mal von Bryan Stevenson erfuhr, seine Memoiren las und ihm beim Reden zuhörte, war ich wahnsinnig motiviert für diese Aufgabe. Und ich habe mich auch ein bisschen dafür geschämt, so wenig über ihn zu gewusst zu haben, wo seine Arbeit doch so wahnsinnig wichtig ist. Ich wollte unbedingt, dass auch andere Menschen seine Geschichte hören und dabei hoffentlich ähnlich wie ich empfinden.

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Jamie Foxx: "Der Film ist für alle wichtig, die Ähnliches erlebt haben."

(Foto: Warner Bros./Jake Giles Netter)

Jamie Foxx: Mir hat es alles bedeutet, bei diesem Projekt dabei sein zu können. Es ist so wichtig für unsere Kultur. Auch für meinen Vater, dessen Leben von eben einer solchen Ungerechtigkeit ruiniert wurde. Sie haben ihm für 25 Dollar Drogen unterschoben und ihn für sieben Jahre ins Gefängnis gesteckt. Der Film ist für alle Leute wichtig, die Ähnliches erlebt haben. Wenn du schwarz bist, trägst immer die Last und die Angst mit dir rum, für einen Kriminellen gehalten zu werden. Jemanden, vor dem die Leute sich fürchten. Dieser Film gibt uns die Möglichkeit, die Gefängnisinsassen so zu zeigen, wie sie wirklich sind, nämlich menschlich. Und er zeigt, was Menschlichkeit bewirken kann.

Seit den Ereignissen sind mehr als 30 Jahre vergangen. Hat sich die Situation für Schwarze in den USA an irgendeiner Stelle verbessert?

Jordan: Obwohl die Ereignisse in dem Film so lange zurückliegen, sind sie traurigerweise noch immer aktuell. Das Ganze hätte genauso gut gestern oder vergangene Woche so passieren können. Deswegen ist er so wichtig. Ich denke jedenfalls, es hat sich seither gar nichts verändert.

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Michael B. Jordan, Bryan Stevenson und Jamie Foxx (v.l.)

(Foto: Warner Bros. Entertainment)

Bryan Stevenson: Ein bisschen hat sich das politische Umfeld schon verbessert. Und zwar dahingehend, dass man inzwischen weiß, dass zu viele Menschen in den Gefängnissen sitzen. Es entwickeln mehr und mehr Leute ein Gefühl für das Problem. Allerdings haben die USA nach wie vor die höchste Verurteilungsrate der Welt, Tausende sitzen unschuldig ein. Es herrscht immer noch ein System, das dich besser behandelt, wenn du weiß und schuldig bist, als schwarz und unschuldig. Der Film ist also tatsächlich aktueller denn je, es gibt noch so viel zu tun.

Was müsste passieren? Warum lernen die Menschen nicht aus der Geschichte?

Stevenson: Das ist eine wirklich gute Frage. Es hat sich an den Machtverhältnissen in den USA einfach nichts geändert. In Afrika gab es nach der Apartheid einen Wandel, der dafür gesorgt hat, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät. Auch in Deutschland hat man für Geschichte ein anderes Bewusstsein. In den Museen gibt es Ausstellungen zum Holocaust und in Berlin sogar ein Mahnmal. Aber in Amerika ist so etwas bislang nicht passiert. Die Machtverhältnisse sind noch immer dieselben und das macht es so schwer für uns. Wir müssen uns den Dingen stellen, sie offen ansprechen und die Probleme sichtbar machen. Es gibt noch viel zu viel Bigotterie und Rassismus in diesem Land.

Foxx: Für mich ist Rassismus nicht nachvollziehbar. Wenn ich die Straße entlanggehe, sehe ich nicht Schwarz oder Weiß, ich sehe einfach nur Menschen. Aber aus irgendeinem Grund gibt es aber Leute, die Unterschiede machen. Sie sehen den Schwarzen, den Mexikaner, den Chinesen. Das ist doch verrückt. Wir haben keine Antwort auf diese Frage. Wir können die Geschichte nur aus unserer Perspektive erzählen und hoffen, dass es diese Menschen berührt und etwas in ihnen bewegt. Dass es sie dazu bringt, ihre Einstellung zu überdenken und sie damit aufhören, ein Rassist zu sein. Aber ich habe keine Ahnung, warum ein Mensch einen anderen aufgrund seiner Herkunft hasst. Können Sie es mir erklären?

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"Just Mercy" läuft ab 27. Februar im Kino.

(Foto: Warner Bros. Entertainment)

Nein, deswegen frag ich ja.

Foxx: Woher soll ich es als Schwarzer wissen, wenn Sie es als Weiße nicht tun? Es sind Ihre Leute, die Angst vor meinen haben, nicht umgekehrt.

Na, zum Glück gilt das ja nicht für alle. Mr. Stevenson, macht Sie Ihr Job nicht manchmal wahnsinnig wütend und frustriert? Wie bringen Sie sich dann wieder auf Spur, um weitermachen zu können?

Stevenson: Ja, diese Momente gibt es. Ich denke dann an all die Menschen, die schon vor mir da waren und gekämpft haben. Ich lebe in Montgomery in Alabama, einer Gemeinde, die auf eine lange Geschichte des Widerstands zurückblickt. Die Leute dort haben das, was ich heute tue, schon 60 Jahre früher gemacht. Sie haben ihren besten Anzug angezogen und sind auf die Straße gegangen, obwohl sie wussten, dass sie dort von der Polizei verprügelt werden. Sie haben es getan, um für ihre Rechte zu protestieren. Ich denke an ihren Mut und an ihre Stärke. Wenn man das im Hinterkopf hat, findet man die Kraft, um auch in schwierigen Zeiten weiterzumachen.

Wie zufrieden sind Sie denn mit der Wahl von Michael B. Jordan und Jamie Foxx für die Verfilmung Ihrer Memoiren?

Stevenson: Ich könnte nicht glücklicher sein. Beide sind großartige Schauspieler und eng mit dem Thema verwoben. Es war aufregend, Zeit mit ihnen zu verbringen, und beide haben fantastische Arbeit geleistet. Wenn ich Jamie zuschaue, vergesse ich immer wieder, dass dort ein Schauspieler sitzt und denke, es ist tatsächlich mein Klient Walter.

Mit Jamie Foxx, Michael B. Jordan und Bryan Stevenson sprach Nicole Ankelmann

"Just Mercy" läuft ab dem 27. Februar in den Kinos.

Quelle: ntv.de