TV

"Tatort - Rhythm & Love" Alles dicht haschen

3_Tatort_Rhythm_and_Love.jpg

Herbert "Vadder" Thiel (Claus D. Clausnitzer, r.) beliefert auf dem Erlenhof "Rasta-Mann" (Stefan Gorski) mit Ware aus eigenem Anbau.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Tantra-Trommeln und freie Liebe, Sex, Drugs und ein bisschen Rock'n'Roll: In Münster versenkt man den Arm mal wieder bis zur Schulter in Klischees. Dass bei Thiel und Boerne dennoch ein paar Pointen ins Ziel treffen, liegt auch an den Kollegen Alberich und Schrader. Und an den Drogen.

Was passiert?

Nackt wie Gott ihn schuf, so liegt Maik Koslowski im Gestrüpp. Und mausetot noch dazu. Es dauert ein wenig, bis Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) der Identität des Mordopfers auf die Spur kommen, dann aber gibt es einiges zu verdauen. Koslowski war zu Lebzeiten Teil der Erlenhof-Kommune vor den Toren Münsters, einer idyllischen Siedlung aus Zelten, umgebauten Wohnwagen und Campermobilen. Die Bewohnerinnen und Bewohner dieser alternativen Enklave, Schwestern und Brüder im Geiste Koslowskis, ein Tross aus Lebenskünstlern und Biobauern, Workshop-Trommeln und polyamoren Neo-Hippies, die sich hier ihren eigenen Lebensraum geschaffen haben.

2_Tatort_Rhythm_and_Love.jpg

Glücklich mit Alpakas: Inès Fournier (Maëlle Giovanetti)

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Doch nicht alles hier ist so Friede, Freude, Eierkuchen, wie es auf den ersten Blick aussieht. Koslowski war zwar ein Freigeist mit gleich vier parallel laufenden Liebesbeziehungen. Dass es sich bei einer davon jedoch um die zum Pressesprecher der Münsteraner Polizei, Johannes Hagen (August Wittgenstein), handelt, ist besonders pikant. Auch dessen Ehefrau Marion (Patrycia Ziolkowska) war in diese Amour fou verwickelt. Und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Priester (Nikolai Kinski), der seinen Schäfchen die Beichte abnimmt und dabei doch selbst einiges auf dem Gewissen hat.

Worum geht es wirklich?

Wie so oft geht es beim Odd Couple aus Münster um die klassische "Fish out of Water"-Konstellation: Ein Umfeld, eine Szenerie, eine Interessengruppe, die so fern wie möglich vom schnöden Kommissariats-Alltag ihr Leben fristet, um zu schauen, welche Funken beim Aufeinandertreffen jener einander so fremden Welten umherfliegen. Diesmal also: Moderne Hippies und ihre Visionen vom Leben außerhalb der schnöden Normen - und damit die Aussicht auf allerlei skurrile Inkompatibilitäten.

Wegzapp-Moment?

Zwei Worte: Trommel-Workshop. Und Boerne. Läuft das Kopfkino schon an? Genau so sieht es aus. Obwohl: Wer den #allesdichtmachen-Clip von Jan Josef Liefers überstanden hat, der schafft auch diese "Tatort"-Szene.

Wow-Faktor?

An irgendeiner Stelle müssen sich Regisseurin Brigitte Maria Bertele und Drehbuch-Autorin Elke Schuch entschieden haben, dass nicht weniger, sondern mehr mehr ist. So platt-ulkig das Aufeinandertreffen zwischen den Stadtspießern und den Wiesenfreaks auch ist, so abwechslungsreich sind die vielen Nebenschauplätze geraten.

Mehr zum Thema

Vadder Thiel (Claus D. Clausnitzer) ist als angejahrter Haschdealer in seinem Element, die Chemie zwischen Silke 'Alberich' Haller (ChrisTine Urspruch) und Mirko Schrader (Björn Meyer), die einander im persönlichen Lügen-Limbo Halt geben, haut hin, dazu Kinski, Ziolkowska und Wittgenstein als angemessen rätselhaftes Protagonisten-Personal, das ist schlussendlich doch kurzweilig. Und dann ist da noch die Sache mit Schraders Karate-Einlage…aber das schaut man sich am besten selbst an.

Wie war's?

6,5 von 10 Punkten - ein "Tatort" wie ein milder Joint: Erst passiert nichts, dann wird es albern. Und am Ende muss man schließlich doch lachen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.