Ratgeber

Gesund und sinnstiftend Drei Impulse für eine bessere Führung

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Ohne Wertschätzung und Respekt ist gute Führung nicht möglich.

(Foto: Dave Neblik)

Wie eine Führungskraft verdienen möchten viele. Doch Chefsein stellt erhebliche Anforderungen. Denn Menschen sind keine Software und Vertrauen manchmal mehr wert als ein paar Euro mehr.

Die deutschen Führungskräfte genießen keinen besonders guten Ruf. Wiederkehrende Studien zeigen auf, dass ein guter Teil der Belegschaften in den Unternehmen nur Dienst nach Vorschrift leistet oder bereits innerlich gekündigt hat. Auch psychologische Beeinträchtigungen wie Burnout sind auf dem Vormarsch. Das lässt sich nicht allein auf die Arbeitswelt und schlechte Führung zurückführen, doch es ist davon auszugehen, dass Stress durch schlechte Führung einen spürbaren Einfluss hat.

Vor diesem Hintergrund habe ich als Professor für Wirtschaftspsychologie und frühere Führungskraft gerade ein Manifest veröffentlicht. Es beinhaltet 20 Impulse für gesunde, sinnstiftende Führung. Drei davon stelle ich hier vor.

Ich gelobe, mit dem guten Auge auf die Menschen zu schauen, die ich führe.

In guten Unternehmen werden Führungskräfte auf ihre Aufgaben vorbereitet, zum Beispiel durch Trainings. Da geht es um Gesprächsführung, Moderation oder Coaching-Skills. Das ist begrüßenswert. Mit der Zeit gilt es jedoch, zu verstehen, dass die stärkste Führungstechnik die eigene Haltung und das unterliegende Menschenbild ist. Soziale Beziehungen werden von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen bestimmt. Vertraue ich als Führungskraft einem Mitarbeiter nicht, wird er dies mindestens vorbewusst spüren und mit einem höheren Level an Angst agieren, was die Leistung mindern kann. Als Vorgesetzter fühle ich mich somit bestätigt und schränke dann das Vertrauen noch weiter ein - eine Abwärtsspirale. Das gleiche Spiel gibt es jedoch auch in der positiven Richtung. Führungskräfte sollten nicht nur in ihre Vertrauenswürdigkeit, sondern vor allem auch in ihre Vertrauensfähigkeit investieren.

Ich verstehe, dass man Menschen mit und ohne Krawatte (miss)achten kann.

In den letzten Jahren haben viele Unternehmen Dresscodes gelockert oder vom Siezen aufs informelle Du umgestellt. Auch Büros sehen heute meist freundlicher aus als vor 20 Jahren. All das ist nett, spielt am Ende des Tages jedoch kaum eine Rolle. Es geht um die Krawatten und die alten Zöpfe im Kopf: die müssen weg. Solange vielerorts noch Einstellungen à la "oben wird gedacht, unten gemacht" vorherrschen, werden weder Turnschuhe noch der der schicke Pausenraum helfen - und auch keine Duzkultur.

Ich arbeite kontinuierlich an einem lokalen Dialekt für Wertschätzung.

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Viele Führungskräfte gehen, durchaus aus gutem Willen, auf die Suche nach Techniken, nach dem nächsten "Hack" für bessere Führung. Menschen sind jedoch keine Software, in der man durch einen Shortcut direkt ins gewünschte Menü gelangt. Selbst Wertschätzung kann uns am Gemüt vorbeigehen, wenn das Ganze "auf dem falschen Kanal" gesendet wird. Wir wollen gesehen und wertgeschätzt werden für das, worin gerade wir besonders gut sind - oder was nach eigenem Ermessen unsere Identität ausmacht. Führungskräfte werden nicht umhinkommen, hier noch viel genauer hinzuschauen. Wertschätzung muss für jedes Team, bisweilen jeden Menschen neu ge- und erdacht werden. Klingt anstrengend? Ist es. Aber genau in solchen Aktivitäten liegt die eigentliche Führungsaufgabe.

Nico Rose ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der International School of Management (ISM) in Dortmund und Autor der Bücher "Arbeit besser machen" und "Führen mit Sinn".

Quelle: ntv.de