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Eiskalt und eisfrei Funktionen, die der neue Kühlschrank braucht

Moderne Haushaltsgeräte können meist mehr als ihre Vorgänger und sollen sparsamer sein. Doch so manche neue Funktion erhöht wiederum den Stromverbrauch, verringert aber die Kosten vielleicht an anderer Stelle. Der Kühlschrank ist so ein Fall.

Wird der Kühlschrank geöffnet, kostet das jedesmal Strom - das kann bei zehnmaligem Öffnen am Tag rund 20 Cent pro Woche ausmachen. Foto: Monique Wüstenhagen

Wird der Kühlschrank geöffnet, kostet das jedesmal Strom - das kann bei zehnmaligem Öffnen am Tag rund 20 Cent pro Woche ausmachen.

(Foto: dpa-tmn)

Den Kühlschrank oder die Gefriertruhe abzutauen ist eine lästige Pflichtübung. Gerät aus, Lebensmittel raus, alles zwischenlagern, abwarten, auswischen – und dann entdeckt man womöglich noch einen längst vergessenen Joghurt mit aufgeblähtem Deckel oder pelzig überwucherte Wurst. Nach Ansicht der Küchengeräte-Industrie ist das alles längst überholt: Gefriergeräte mit No-Frost-Funktion sollen nie mehr vereisen. Und im Mehrzonen-Kühlschrank sollen Lebensmittel länger haltbar sein. Aber sind die Funktionen wirklich sinnvoll? Ein Faktencheck.

Mehrzonen-Kühlschränke

verfügen über Fächer mit getrennt einstellbaren Temperaturen, zum Teil mit unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit. In der Nullgradzone herrschen meist maximal zwei Grad – laut Claudia Oberascher von der Brancheninitiative Hausgeräte+ ideal für Hackfleisch, Wurst und Fisch. All das bleibt dort bis zu dreimal länger frisch. Dabei eigneten sich die Trockenfächer mit rund 40 Prozent Luftfeuchtigkeit besonders für Verpacktes. Obst und Gemüse hingegen werde im feuchten Nullgradfach nicht schrumpelig.

Gerade in Single-Haushalten, in denen wenig gekocht wird, müsse dank des Mehrzonen-Kühlschranks viel weniger weggeworfen werden, sagt Oberascher. Das Gerät verbrauche zwar mehr Energie als ein herkömmliches Modell derselben Energieeffizienzklasse, "aber das wird durch das Weniger an verdorbenen Lebensmitteln deutlich aufgewogen."

Günter Schwinn, Energieexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, steht Mehrzonengeräten indes skeptisch gegenüber. Seiner Meinung nach reicht ein herkömmliches Gerät, dessen Inneres auf sieben Grad gekühlt ist, für alle Bedürfnisse aus. "Mindesthaltbarkeitsdaten kann man etwa bei Joghurt eh um Wochen überschreiten." Ein großer Nachteil von Mehrzonengeräten sei, dass der Kompressor ständig laufe – anders als bei herkömmlichen Geräten, bei denen er nur anspringt, wenn die eingestellte Temperatur überschritten wird.

Mandy Schoßig vom Öko-Institut betont: Geräte mit Nullgradzonen verbrauchten 50 Kilowattstunden mehr im Jahr als vergleichbare Geräte ohne diese Funktion. Bei einem Strompreis von 24 Cent pro Kilowattstunde macht das einen Unterschied von 12 Euro im Jahr. In der Regel brauche man die Funktion nicht, so Schoßig weiter: "Man sollte lieber bewusster einkaufen. Man muss seinen Mangold ja nicht fünf Tage aufbewahren."

Die No-Frost-Funktion

sehen die Umwelt- und Verbraucherschützer ähnlich skeptisch. Mit ihr ist laut Initiative Hausgeräte+ inzwischen rund ein Drittel der Tiefkühlgeräte ausgestattet. Dabei zirkuliert mit Hilfe eines Ventilators die Luft im Geräteinneren, die Luftfeuchtigkeit kondensiert. Der Kondensator wird regelmäßig erwärmt, so dass das angefrorene Wasser abfließt. Nach Ansicht von Branchenvertreterin Oberascher ist es eine Komfort-Frage, ob man sich für No-Frost entscheidet: "Niemand taut gerne seinen Kühlschrank ab. Mit No-Frost muss man ihn nur noch auswischen."

Laut Öko-Institut verbrauchen Geräte mit dieser Funktion allerdings 10 bis 30 Prozent mehr Strom als herkömmliche Geräte. Zudem seien No-Frost-Geräte deutlich teurer, sagt Schoßig – "gegebenenfalls auch ein Kaufkriterium für viele Konsumenten".

Für sinnvoll hält Verbraucherschützer Schwinn die günstigeren Varianten Low-Frost und Stop-Frost. Geräte mit diesen Funktionen müssen zumindest seltener abgetaut werden als konventionelle Geräte, verbrauchen anders als No-Frost-Geräte aber keinen zusätzlichen Strom, da sie die Eisbildung ohne Gebläse reduzieren. Bei Stop-Frost wird die einströmende Umgebungsluft entfeuchtet, bei Low-Frost sorgen spezielle Oberflächen für weniger Vereisung.

Wer sich einen Gefrierschrank ohne diese Funktionen kauft, sollte diesen allerdings regelmäßig abtauen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät dazu, sobald Eisschichten die Kühlflächen bedecken und die Effizienz mindern - idealerweise mehrmals im Jahr. Denn ein vereistes Gerät verbraucht deutlich mehr Energie: Eine Eisschicht von einem Zentimeter führt laut der Verbraucherzentrale zu einem 10 bis 15 Prozent höheren Stromverbrauch. Zudem schließt laut Schoßig dann unter Umständen die Tür nicht mehr richtig, so dass zusätzlich Kälte entweicht.

Fazit

Es ist letztlich eine Frage der Prioritäten: Ist einem grundsätzlich ein niedriger Stromverbrauch wichtig oder der Komfort, großteils oder gar ganz auf das Abtauen verzichten zu können? "Am sparsamsten ist auf jeden Fall ein normales Kühlgerät ohne jeden Schnickschnack", sagt Verbraucherschützer Schwinn. Er rät, wie auch Öko-Expertin Schoßig, grundsätzlich zu Geräten der höchsten Energieeffizienzklasse A+++.

Ein sinnvolles Extra sind nach Schwinns Ansicht separat ein- und ausschaltbare Kühl-Gefrier-Kombinationen. Das sei nicht nur beim Abtauen hilfreich, sondern auch während eines Urlaubs, wenn vielleicht der Kühlschrank geleert ist, aber der Tiefkühlschrank nicht. Schoßigs Tipp: Geräte mit akustischem Warnsignal, das auf eine offene Tür aufmerksam macht. Denn wenn die Tür zu lange offen steht, kann kein Kühl- oder Gefrierschrank effizient kühlen.

Quelle: n-tv.de, awi,dpa

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